Mittwoch, 19. Februar 2025

Tag 205 – Singapore (Mittwoch, 19. Februar)

Wir gehen fürs Frühstück in den selben Park wie gestern Abend, bleiben aber auf dem untersten Level. Hier hat es eine Bäckerei mit einem schönen Aussenbereich, wo wir ein gutes Zmorged bestellen. Danach machen wir uns auf den Weg nach «Little India». Diese Ecke der Stadt finde ich besonders spannend. Mit der Metro sind es nur zwei Stationen, bis wir in diesem Quartier mit vielen indischen Restaurants und Läden – vor allem Goldläden – ankommen. Es hat viele schöne ältere zweistöckige Häuschen und entlang der Hauptstrasse ist es besonders farbenfroh. Am grossen Essensmarkt beim Tekka Centre finde ich eine leckere Roti-Variante und ein Sweet Lassi :-) Dies inmitten einer Vielzahl von Ständen und Menschen. Im oberen Stock werden zudem schöne farbige Kleider verkauft. Danach gehen wir zurück an unseren Fluss in ein gemütliches Café am Wasser. Hier nehme ich nochmals einen «Iced Latte» und geniesse den Moment. Im Anschluss heisst es dann: Koffer packen. Ich mache schon mal alles bereit, so weit schon möglich, um am Abend nicht in einen Stress zu kommen. Dann gehen wir ein letztes Mal ans Wasser. Wir spazieren immer weiter flussaufwärts, weiter als bis anhin. Im Erdgeschoss sind immer wieder Restaurants und Bars zu finden, daneben ragen eindrückliche Wohnhochhäuser der gehobenen Sorte gegen den Himmel. Je weiter wir kommen, desto eher kommen auch einfachere Wohnhochhäuser in den Blick. Bei den modernen Hochhäuser ist immer wieder viel Grün zu sehen – sei es an der Fassade oder in Zwischengeschossen. Es gebe eine neue Regel, dass bei grossen Neubauten jeweils mindestens die Fläche, welche neu verbaut wird, an Grünraum am, im oder auf dem Gebäude wieder grün und offen gestaltet werden müsse. Diese Idee gefällt mir sehr gut. Auf dem Rückweg machen wir noch kurz Halt für einen Znacht, bevor wir zurück spazieren, um endgültig zu packen und noch etwas Zeit mit unseren Freunden zu verbringen. Und dann geht’s zum Taxi-Stand – und ist Tag 205 der letzte unterwegs. Morgen um kurz nach sechs Uhr sollten wir in Zürich landen und dann wohl gegen acht zu Hause ankommen. Hoffen wir, dass auch bei der letzten Etappe alles klappen wird… Es ist schon faszinierend, was alles funktionieren muss auf einer so langen Reise – und dass (fast) alles auch wirklich genauso funktioniert :-) Ich bin sehr dankbar, dass ich diese aufregende, erlebnisreiche und inspirierende Zeit an so vielen schönen Orten verbringen durfte! Das uns fremde und packende in Südkorea und Japan, die unbeschreibliche Natur in Neuseeland und Australien, viele schöne Begegnungen mit Tieren und Menschen und das Erleben von anderen Lebenswelten. Der viele Platz und die viele Natur, zusammen mit dem entspannten Lebensgefühl in Neuseeland und auch Australien haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich werde versuchen, etwas davon in den Alltag zu retten. Es hat mir sehr gutgetan, für eine Zeit etwas «ausgeklinkt» unterwegs sein zu dürfen und die Welt ohne mich weiterdrehen zu lassen. Hierzu hat die physische Distanz ihren Teil beigetragen. Viele Erlebnisse haben hier – auf über 130'000 Wörtern und rund 5000 Fotos – ihre Dokumentation und Einordnung gefunden. Ich freue mich darauf, diese immer wieder zur Hand nehmen zu können :-) So fühle ich im Moment das klassische lachende und tränende Auge – gerne wäre ich ohne grosse Verpflichtungen weiter am Entdecken geblieben, gleichzeitig freue ich mich darauf, so vielen lieben Menschen wieder näher sein zu können und zurück im schönen Zuhause zu sein. Auf bald – und auf die nächsten Tage unterwegs.

Tag 204 – Singapore (Dienstag, 18. Februar)

Nach den beiden intensiven Tagen beginnen wir den heutigen Tag etwas ruhiger. Wir besuchen «New Bharu» – hier ist aus einem ehemaligen Schulhaus ein Unterhaltungsquartier mit Cafés, Läden und Ateliers entstanden. Vielleicht wäre dies auch eine Variante für ein anderes Schulhaus… Das Angebot ist breit, jedoch fehlt – zumindest heute Vormittag – weitgehend die Nachfrage. Danach spazieren wir am Robertson Quay dem Fluss entlang und finden uns ein Restaurant am Wasser fürs Frühstück. Wir halten die Wege vorerst kurz und gehen im Anschluss wieder zurück nach Hause. Zur Wohnanlage unserer Freunde gehört ein grosser Pool – ein guter Ort für einen entspannten Tag, zumal wir den Pool die meiste Zeit für uns alleine haben. Am späteren Nachmittag sind wir dann zuerst zu dritt und dann zu viert unterwegs im nahegelegenen Park. Nur wenige Minuten zu Fuss von der Wohnung entfernt findet sich ein Hügel, welcher von vielen Bäumen und weiteren Pflanzen bewachsen ist und als Naherholungsgebiet dient. Der Hügel ist auf mehreren Ebenen zu begehen, so dass wir die erste Runde auf der mittleren und die zweite Runde auf der oberen Höhe drehen. Es ist eine Oase in der Grossstadt mit viel Grün und schönen Aussichten auf die Stadt. Eine Ecke ist ein berühmter «Insta-Spot», was sich an einer langen Wartschlange zeigt… So inszenieren sich alle individuell – genauso wie alle anderen am selben Ort… Im Anschluss essen wir in einem kleinen japanischen Restaurant leckere Ramen und Dumplings. Es ist sehr schön, diese Zeit gemeinsam verbringen zu können. Als Dessert wartet noch ein Glacé – es gilt, unseren letzten warmen Sommerabend noch auszukosten. Daher machen wir uns nochmals auf den Weg – zuerst wieder dem Fluss entlang bis zur Marina. Hier sind wir zufälligerweise grad rechtzeitig, um die Licht- und Wassershow zu sehen, welche vor dem MBS inszeniert wird. Diese ist schön anzusehen und gut gemacht. Auch spannend ist, die Zuschauenden zu beobachten, die alles auf unzähligen Fotos und Filmchen festhalten. Danach queren wir den grossen Hotelkomplex, um zu den «Gardens by the Bay» zu gelangen. Dieser Ort hat es mir angetan, die beleuchteten «Supertrees» und das viele Wasser mit umso mehr Pflanzen an einem Sommerabend zu erkunden, ist sehr schön. So schiesse ich auch viele Fotos, da es immer etwas Neues zu sehen und festzuhalten gibt. Die ganze Anlage ist weitläufig, so dass wir an viele Orte flanieren können und die Zeit schnell vergeht – und dafür die Beine immer müder werden. Aber ich geniesse es sehr, hier zu sein. Für den Rückweg wählen wir dann die U-Bahn – ich bin gespannt, wie weit unser heutiger Abendspaziergang uns führte. Es sind wieder über zehn Kilometer gewesen, welche wir unterwegs waren – aber die haben sich sehr gelohnt :-)

Dienstag, 18. Februar 2025

Tag 203 – Bintan (Montag, 17. Februar)

Unser erster Weg führt uns heute ans Hafenterminal – hier haben wir ein Schiff gebucht, welches uns zur gut eine Stunde Fahrt entfernten Insel Bintan bringen soll. Wir nutzen die Nähe, um einen ganz kleinen Eindruck von Indonesien zu gewinnen. Die Fahrt verläuft ruhig und ist sehr spannend, da wir das weitere Hafenbecken von Singapore queren. Die Anzahl der grossen Containerschiffe, die hier vor Anker liegen oder unterwegs sind, ist sehr eindrücklich. Die Einreise nach Indonesien verläuft ebenfalls effizient, direkt bei der «Immigration» kann ein Visum gekauft werden – welches bar bezahlt werden muss. Wir sind vorbereitet und haben das Geld bereit – für diesen Tag sind wir kurz zu Millionären geworden, eine Million indonesische Rupiah entspricht in etwa 55 Franken. Eine halbe Million geht daher für die Visa wieder weg… Wir haben ein Taxi gebucht, welches uns über die Insel zu einigen interessanten Orten bringen wird. Gefunden haben wie dieses übers Internet und alle weiteren Absprachen passierten via WhatsApp – so sind mittlerweile auch kleine Anbieter gut individuell buchbar. Uns begleitet ein netter Fahrer, welcher uns viel über das Leben auf dieser etwas über 1000km2 grossen und von ungefähr 400'000 Menschen bewohnten Insel erzählt. Es ist eindrücklich, wie anders sich alles anfühlt hier – nur wenige Kilometer von der Global City entfernt. Die Ferry legt am Nordufer der Insel an, in der sogenannten Resort-Zone. Hier treten 17 Hotels und Resorts unter einem gemeinsamen Namen auf und bieten alles, was das Touristen-Herz begehrt – grosse Pools, schöne Strände, Golfplätze, Wassersportaktivitäten etc. Insbesondere am Wochenende sei es ein beliebtes Ziel für Singapurerinnen. Diese Ecke interessiert uns weniger, solche Resorts scheinen mir fast weltweit austauschbar. Wir fahren daher los in Richtung Süden – und kommen bald an einem Check-Point vorbei. Der Zugang in diese Zone wird kontrolliert, es hat daher etwas von einer riesigen Gated Community… Wir fahren durch lokale Dörfer, die in sehr grossem Kontrast zu Singapore stehen. Viele kleine Läden und Werkstätten sind zur Strasse hin offen und erinnern mich an ähnliche Quartiere in Vietnam oder Kambodscha. Meist ist es links und rechts der Strasse üppig grün – nur ab und zu unterbrochen vom Blau der Flüsse und des Meeres oder der einen oder anderen Siedlung. Wir fahren rund eine Stunde, während welcher ich interessiert aus dem Fenster schaue und immer wieder Spannendes entdecken kann und während welcher unser Fahrer uns vieles erklärt und erläutert. Dann kommen wir beim Vihara Ksitigarbha Bodhisattva Tempel an. Hier findet sich neben einem eindrücklichen Buddha die Vielzahl von 500 Figuren, welche in Lebensgrösse in Stein gehauen wurden. Der Tempel ist noch relativ neu, da buddhistische Tempel unter dem Regime von Langzeitherrscher Suharto (regierte das Land von 1967 – 1998) verboten waren. Nicht weit davon entfernt besuchen wir einen weiteren Tempel mit grosser Pagode. Im Anschluss fahren wir nach Westen zum Blue Lake und den Sanddünen. Was nach Naturpracht klingt, ist vielmehr das imposante Überbleibsel von langjährigem Sandabbau – dieser hinterliess diese Mondlandschaft statt den benachbarten Wäldern und ausgefällte Mineralien färben den Teich dazu hellblau. All dies wird nett in Szene gesetzt und es gäbe die Möglichkeit, mit Quads hier herumzubolzen. Letzteres lasse ich gerne aus… Es ist interessant zu sehen, wie die Touristen von den Resorts in den restlichen Teil der Insel «gelockt» werden sollen. Bintan ist zudem berühmt für frischen Seafood. Zahlreiche Restaurants werben um Kundschaft, oft schön auf Stelzen direkt am Wasser gelegen. Da wir viele Programmpunkte haben – und keine Fans von Seafood sind – verpflegen wir uns fliegend und fahren das letzte Ziel an. An vielen Orten ist die Insel von dichtem Mangrovenwald bedeckt. Diese faszinierenden Pflanzen erfüllen eine Vielzahl an wichtigen Funktionen für das Ökosystem der Küsten – was in meinem MOOC auch breit thematisiert wurde. Wir besteigen nun ein kleines Boot und machen eine Fahrt in einen solchen Mangrovenwald. Wir sind nur zu viert im Boot – der Captain, unser Guide und wir beiden :-) Zuerst ist der Fluss – oder die Lagune – noch etwas breiter, doch je weiter flussaufwärts wir fahren, desto schmaler wird unsere Fahrrinne und desto mehr finden wir uns mitten im Wald wieder. Wir sind nicht alleine, wir sehen unter anderem mehrere «mangrove snakes», Mangroven-Baumnattern, welche – der Name lässt es erahnen – auf den Ästen der Mangroven am Schlafen sind. Es ist ein wunderschöner Ort und diesen so in Ruhe entdecken zu dürfen ein Privileg. Auf der Fahrt kommen wir auch an einem verlassenen, eigentlich schönen Hotel vorbei mit Holzchalets direkt am Fluss. Dieses sei in der Corona-Zeit Pleite gegangen und nun am Verfallen. Wir erfahren, dass Covid gravierende Folgen hatte für den lokalen Tourismus – viele Angestellte in den Resorts verloren ihre Jobs und mussten sich aufs Fischen rückbesinnen. Und bis heute hätten sich die Zahlen noch nicht erholt und litten sie weiter unter den Folgen. Was wir so ähnlich bereits in Neuseeland erzählt erhielten, bestätigt sich hier – im Unterschied zur Situation in Europa. Danach fahren wir zurück zum Schiffanleger, wo wir noch etwas Zeit haben, um gemütlich am Wasser zu sitzen und etwas Picknick zu essen. Für die Fahrt zurück ist es schon ziemlich dunkel, so dass nur noch die Konturen der vor Anker liegenden Schiffe zu sehen sind. Das Meer ist etwas weniger ruhig als auf der Hinfahrt, aber immer noch im gut zu ertragenden Bereich, so dass wir eine Stunde später gut wieder in Singapore ankommen und genauso schnell wieder durch die Kontrollen sind wie gestern. Per «grab» – dies ist das «lokale Uber» – fahren wir die halbe Stunde zurück in unser Quartier, wo wir den angenehm warmen Abend noch weiter geniessen möchten und an den Fluss gehen, um eine Kleinigkeit zu essen. Nach diesem langen und interessanten Tag kommen wir danach müde und zufrieden wieder im Zimmer an.