Samstag, 21. Februar 2026

Dakar

Ich bliebe beim Programm ohne Wecker. Diese Nacht war etwas kürzer, da mich eine nervige Mücke wachgehalten hat… Bis anhin bin ich bei sehr wenigen Stichen geblieben, so dass ich sehr zuversichtlich bin, mich nicht mit einer Krankheit angsteckt zu haben – hoffen wir’s! Dies wird mich ab morgen spürbar entspannen, wenn die Moskitos wieder nur nervig aber nicht mehr gefährlich sind. So bleibt es bei der Morgenroutine, üppig Sonnencrème und Anti-Brumm aufzutragen und klebrig in den Tag zu starten. Als erstes gehe ich ins «Musée des Civilisations Noires». Dieses ist in einem grossen Bau untergebracht, welcher von China gesponsert wurde. Jedoch hat es nur wenig Ausstellungen – und noch weniger Besuchende. Mir imponiert die Ausstellung «Africa Now». Hier hat es inspirierende Kunstwerke, unter anderem eines, bei welchem eine Streichholzschachtel mit der Berlin-Konferenz beschriftet ist und hinten sieht man, dass dann eben einige dieser Streichhölzer dadurch in Brand geraten sind. Ich habe das Museum fast für mich, es hat drei andere Touristen, eine chinesische Gruppe und eine Schulklasse. Und Abou und Tamba :-) Diese sind mit der chinesischen Gruppe unterwegs, sodass es schön ist, die beiden nochmals kurz zu sehen und ihnen vernünftiger Tschüss zu sagen, nachdem dies im Bus etwas schwierig war. Danach bin ich nochmals viel zu Fuss unterwegs und sauge einfach noch einmal all diese Eindrücke auf. Es ist ein kunterbuntes Treiben. Immer mal wieder werde ich von lästigen Verkaufenden angesprochen, die nicht von meiner Seite weichen können, weil sie mir doch unbedingt noch ihren Shop zeigen möchten… Aber ich fühle mich wieder nie irgendwie in einer Form gefährdet. Je lokaler ich unterwegs bin, desto weniger ist dies der Fall, weil desto weniger gibt es da Dinge angeboten, die mich interessieren könnten. Ich gehe immer weiter, an der Zentralmoschee vorbei und zurück in die Medina, in welcher ich zu Beginn des Aufenthaltes schon einmal war. Hier ist sogar noch mehr Betrieb als damals. An einem Ort mache ich kehrt, weil schlichtweg kein Durchkommen mehr ist, weil alles so verstopft ist. Es sind also nicht nur die Strassen verstopft, sondern auch die Märkte. Ich weiß nicht, ob und inwiefern dies mit dem Ramadan zusammenhängt, der gestern begonnen hat. Aber auch hier ist eindrücklich: Direkt neben diesem Gewusel und diesen Dingen, die sehr günstig und in nicht nur besten hygienischen Zuständen angeboten scheinen, hat es ein grosses Einkaufszentrum mit einem Super U, einem Fnac, einem Lacoste-Laden und weiteren Läden der gehobenen Klasse, wo ich zudem noch Canal+ abonnieren könnte. Dabei beginnt das billigste Abo bei 8 Franken pro Monat. Dann wage ich mich sogar noch in ein «Car Rapide», in einen dieser bunt bemalten Minibusse. Dieses ist gerade am abfahren und ich werde angesprochen. Ich zeige kurz auf der Karte, wohin ich möchte und werde hineingewunken. Es ist sehr eng und auch stickig da drin, aber für meine Fahrt gut aushaltbar. Die Menschen schauen mich fragend an, was ich denn hier mache, sind aber sehr freundlich und weisen mir den Weg, als es ans Aussteigen geht. Das Auto fährt einfach los und dann kommt der Junge, der meistens hinten auf der Stossstange surft und zieht das Geld ein. In dem Fall waren es jetzt von allen 100 CFA, das entsprechen 15 Rappen. Es scheint ein Einheitstarif zu sein, zumindest auf dieser Strecke. Die Fahrt führt mich ans Meer, wenngleich hier nicht die allerschönste Version zu finden ist. Ich gehe nochmals an einen kleinen Markt und von da der Strasse entlang zu einem Restaurant, welches ich auf Google gesehen habe. Allerdings bin ich da der Einzige – aber ich nehme mir doch ein kleines Tischchen am Schatten und geniesse eine kalte Cola. Dies ist auch etwas zu einem Ritual geworden – und ich rede mir ein, dass es hilft. Ich habe auch ziemlich «konservativ» gegessen, aber mein Magen dankt und spielt(e) all die Tage bestens mit :-) Danach gehe ich nochmals zurück in Richtung Plateau im Stadtzentrum und da noch weiter. Fürs Mittagessen gehe ich – nachdem die vorherige Wahl nicht die beste war – in den Beach Club eines Fünf-Sterne-Hotels, um mir ein schönes Plätzchen zu gönnen. Hier erhalte ich eine Croque Madame mit bester Meeressicht serviert. Danach bin ich ziemlich platt und gehe gerne zurück für eine kurze Pause im Hotel. Es ist sehr angenehm, dass ich dieses bis zum Abend verlängern konnte. Der Transfer an den Flughafen ist für 21.00 auch schon organisiert, sodass es jetzt einfach noch ein gemütlicher Rest sein soll. Die Wärme, der Lärm, das ewige Schauen, dass man nicht überfahren wird, das Gewusel und auch die schlechte Luft – es ist immer noch dusty – setzen mir etwas zu. Aber ich will nicht klagen, das war ja genau der Grund, weshalb ich nochmals in die Stadt wollte. Und viel authentischeres Senegal kann ich mir gar nicht vorstellen. Etwas ausgeruht wage ich mich noch einmal in dieses chaotische Gewusel, welches aber doch irgendwie organisiert scheint. Es scheint mir fast unmöglich, den Überblick zu behalten über all die Dinge, die hier an unterschiedlichsten Orten angeboten werden. Es hat gemäss meinen Eindrücken drei Ebenen an Verkaufenden: zum einen eben die, die einfach irgendwie direkt auf der Strasse Kleinigkeiten feilbieten, dann ganz viele kleine Läden, dann die Märkte und – zumindest hier, andernorts habe ich das so nicht gesehen – auch noch gestapelte Märkte, die als Einkaufszentren gelten, aber eigentlich nur eine Ansammlung von weiteren Marktständen sind. Sehr gerne hätte ich mich einfach mal in einem kleinen Restaurant hingesetzt, um dem Treiben folgen zu können, aber auch in Dakar gibt es keine solchen Möglichkeiten. Unvermittelt kommen mir Bilder aus Südkorea in den Kopf, wo wir Ähnliches auch schon gesehen haben, sowohl was die klassischen Märkte mit den Ständen und den kleinen Läden rundherum betrifft, als auch die verschiedenen Ebenen der dann als Einkaufszentren deklarierten Dinger, die aber nicht eine Mall in unserem Sinne darstellten, sondern einfach eine Ansammlung von ganz vielen Kleinläden waren, einfach auf mehreren Ebenen. Diese Analogie passt ohnehin. Vieles kommt mir irgendwo bekannt vor, sei es, weil ich es in Indien oder in Korea schon gesehen habe. Dies finde ich sehr eindrücklich und auch spannend, dass sich an so unterschiedlich kulturell geprägten Orten ähnliche Strukturen ausgestaltet haben. Hier finden sich ebenfalls immer mal wieder dieselben Branchen in einer Gasse, das heisst, zumindest da wird es etwas übersichtlicher, was wo gekauft werden kann. Trotzdem sind diese einzelnen kleinen Läden so vollgepackt mit Dingen, dass es nicht immer ganz geordnet scheint. Es scheinen ganz viele ganz viele andere zu kennen: es herrscht ein ständiges Geschnatter und reger Austausch. Die Polizei ist an verschiedenen Orten präsent, scheint aber nicht besonders furchteinflössend zu sein, was ich sehr positiv finde. Es wird auch da einfach gesprochen, gegrüsst, Handshake gemacht und so weiter und so fort. Auf den Strassen nehmen sie eine ordnende, aber nicht befehlende Rolle ein. Gegen Abend wurde es wieder schnell deutlich ruhiger. Ich gehe auf die selbe Terrasse wie gestern für einen letzten Snack. Als ich um halb acht zurück ins Hotel gekommen bin, ist die Strasse leer gefegt, daher sollte der Weg an den Flughafen kein Problem mehr darstellen. So gehen finden hier zwei sehr intensive Wochen im Senegal und in Gambia und mit einem kleinen Abstecher nach Guinea-Bissau ihr Ende. Es ist faszinierend: es fühlt sich so an, als ob ich viel, viel länger hier gewesen wäre. Dies spricht für die vielen Erlebnisse und Eindrücke, die ich in dieser Zeit aufsaugen durfte. Diese unterschiedlichen Ebenen dieser Länder zu sehen, sowohl was die Vegetation, Naturräume, Tiere als auch Menschen und Ortschaften betrifft. Es ist nicht im klassischen Sinne an vielen Orten sehr schön gewesen, aber sehr eindrücklich und spannend. So bin ich sehr dankbar, dass ich dies so erleben durfte und habe jeden Moment genossen, wenngleich es zum Teil sehr anstrengend war. Dies merke ich auch daran, dass ich wirklich müde geworden bin. Ich möchte aber wirklich nichts davon missen :-) Die Fahrt zum Flughafen verläuft dann wirklich problemlos. Der Fahrer ist sehr nett und fährt vorsichtig. Dies ist gut, denn es hat immer wieder «Geisterautos» auf der Strasse, die nicht beleuchtet und dementsprechend schlecht zu sehen sind. Noch schlimmer waren sind die durchgeknallten Motorradfahrer, die ohne Licht und ohne Helm links und rechts an uns vorbeirasen... Am Flughafen ist es sehr unübersichtlich. Ich komme gar nicht richtig draus, wie es hier abläuft. Um zu den Check-in-Schaltern zu gelangen, muss bereits ein erstes Mal das Ticket und der Pass gezeigt werden. Ich habe zwar online eingecheckt, aber ein Ticket wurde dabei nicht ausgestellt. So zeige ich eine Bestätigung auf dem Telefon, das als passend erachtet wird. Beim Check-in geht es sehr langsam voran, weil das Fliessband immer wieder bockt – und am Schalter der «Mirgration» und am Security Check wird nochmals viel Geduld verlangt. Ich beginne zu verstehen, weshalb mich die Fluggesellschaft in mehreren E-Mails ermahnt hat, frühzeitig am Flughafen zu sein… Dies, obgleich an diesem wichtigsten Flughafen von Westafrika nur wenige Flugzeuge gehen. Auf einen kleinen Screen passen alle Flüge bis morgen Nachmittag. Es dauert einfach, aber zum Schluss klappt alles reibungslos und warte ich am Gate auf meinen Flug nach Lissabon. Hier muss ich dann zum letzten Mal meinen Pass und mein Ticket zeigen – total war dies mindestens sechs Mal der Fall, was mir rekordverdächtig scheint. So heisst es Abschied zu nehmen, nachdem ich ganz im Norden, nur wenige Meter von Mauretanien entfernt, ganz im Westen und ganz im Süden war. Ich freue mich darauf, in Lissabon noch einen kurzen Stopp einlegen zu können, um die Reise etwas entspannter zu machen. Mein Flug dauert vier Stunden und geht um 2.00 morgens – so dass ich nicht zu viel Schlaf kommen werde…

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