Samstag, 21. Februar 2026

Saly - Dakar

Heute stelle ich keinen Wecker mehr – gleichwohl wache ich zur gewohnten Zeit auf. Und mache mich gleich auf, um noch etwas das nahe gelegene Meer geniessen. Es ist noch etwas kühler als die letzten Tage, trotzdem kann ich mir mit T-Shirt und kurzen Hosen einen Stuhl schnappen und gemütlich am Strand sitzend die Gedanken für gestern formulieren – was für ein Start in den Tag :-) Ich hatte mir überlegt, mein Hotel für die letzte Nacht in Dakar zu stornieren und in Saly zu bleiben und einfach noch etwas am Strand zu faulenzen. Aber so schön dieser Ort auch ist, so austauschbar ist er. Dieses Resort könnte sich überall auf der Welt befinden – die einzige Ausnahme bleiben die Souvenirs, die überall angeboten werden… Daher bin ich – zumindest für den Moment – froh, bei meinem ursprünglichen Plan geblieben bin. So geniesse ich den Morgen mit leckerem Frühstücksbuffet und einem ausgedehnten Spaziergang am Strand. Nach dem Check-Out am Mittag geht es dann aber zurück in die Hauptstadt. Ich war gewarnt worden, dass tagsüber auf den Strassen immer ein Chaos sei in Dakar. Tatsächlich dauert die Fahrt auch etwas länger, es bleibt aber alles im gut erträglichen Rahmen. Mein Hotel ist von aussen sehr unscheinbar, drinnen aber ganz nett. Es ist ein Vier-Sterne-Hotel, hat aber mit einem international vergleichbaren Vier-Sterne-Hotel nicht viel zu tun. Es hat keine Lobby oder einen Empfang, an welchem etwas anderes als Französisch und Wolof gesprochen wird. Aber das Zimmer ist ganz nett und so lässt es sich hier ganz gut aushalten. Zudem ist die Lage gut und ganz in der Nähe finde ich mir ein schönes Café-Restaurant im offenem Balkon im ersten Stock :-) Ich kann mir einen «Late Check-Out» organisieren, so dass ich das Zimmer bis morgen Abend behalten kann, so dass ich dann in Ruhe für die Reise packen kann. Doch zuerst stürze ich mich ins Getümmel der Hauptstadt. Hier prallen so viele Welten aufeinander. Diesmal nicht mehr nur Touris und Einheimischen, sondern mischen sich ganz viele Einheimische unterschiedlichster sozialer Klassen. Es hat grosse Autos, sehr gut und auch teuer angezogene Menschen, einige schöne Läden und Restaurants, aber auch ganz viel von den dörflich scheinenden weiteren Läden und Strassenverkaufsbuden und zudem Menschen, die auch hier auf der Strasse waschen es hat immer noch Tiere unterwegs. Das Verkehrschaos im Zentrum ist eindrücklich: es gewinnt einfach immer noch der Stärkere und oder der Frechere. Ampeln werden nur als Idee oder als Verzierung der Strasse betrachtet, zur Kenntnis nehmen tut diese niemand. Aber es hat ein Metrobus-System und diese Metrobusse haben ihre eigene Spur, daher kommen sie gut voran. Allerdings scheinen es (noch) nicht allzu viele Linien zu sein. Ich spaziere weiter einigermassen planlos durch das gefühlte Chaos. Obgleich es auch hier wirklich arm scheinende Menschen gibt, scheint mir trotzdem ein grosser Unterschied zwischen Stadt und Land sichtbar. Die Grundinfrastrukturen sind alle vorhanden und auch die Möglichkeit, sich irgendwie zu zerstreuen, währenddem auf dem Land viele Menschen einfach nur dasassen und gefühlt die Zeit totgeschlagen haben. Hier sind einfach alle unterwegs, was dementsprechend auch hektisch sein kann, aber es scheinen deutlich mehr Chancen vorhanden zu sein. Daher erstaunt es nicht, dass immer noch eine starke Landflucht stattfindet, welche aber insbesondere Dakar an seine Grenzen bringt. Das tägliche Verkehrschaos ist ein Indiz dafür. Dieses kommt auch dadurch zustande, dass einfach alle auf den kleinen Straßen zusammen sind: Autos, Fuhrwerke, zu Fuss gehende, Zweiräder und so weiter und so fort. Als Fussgänger bin ich wirklich am untersten Ende der Nahrungskette. Ich werde gnadenlos weggehupt, sobald ich mir erlaube, etwas auf der Strasse zu gehen, obgleich mir gar keine andere Möglichkeit bleibt, da die Strassenränder mit parkierten Autos schon besetzt sind… Gleichzeitig erstaunt es nur wenig, dass all diejenigen, die sich viel leisten können, eher die Zone im Norden der Halbinsel bevorzugen mit den schönen Stränden, in welcher ich ganz zu Beginn unterwegs war. Da ist man immer noch nah am Zentrum, hat aber viel mehr Ruhe, bessere Luft und eben schönere Natur – oder überhaupt Natur… Noch weiter draussen ist dann aber immer noch nicht die bevorzugte Gegend, weil die Geschäfte offensichtlich hier in der Innenstadt abgewickelt werden. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich dies weiterentwickeln wird durch die Entwicklung dieses neuen Geschäftszentrums in der Nähe des Flughafens, wo auch das Nationalstadium für Fussball und die Arena für Hallensportarten steht. Mit so vielen Eindrücken im Kopf mache ich mich auf den Weg in Richtung Hotel – und in das oben beschriebene Restaurant, wo ich mir einen gemütlichen Abend mache. Auf den Strassen wird es nach Sonnenuntergang spürbar ruhiger – heute ist der erste Tag des Ramadans und so machen sich alle auf den Weg nach Hause zum Fastenbrechen.

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