Dienstag, 10. Februar 2026

Saint-Louis & Djoudj-Nationalpark

Der heutige Tag beginnt mit einem leckeren im Hotel. Wir brauchen nicht auszuchecken, weil wir eine weitere Nacht hier bleiben werden und einen Tag in Saint-Louis haben. Jedoch nicht den ganzen Tag in der Stadt, da wir den Vormittag unterwegs auf der Suche nach Vögeln verbringen. Hierfür fahren wir zuerst eine Stunde auf einer regulären Strasse in Richtung Nordosten. Von da geht es auf einmal links weg auf eine Sandpiste, auf welcher wir eine weitere Stunde unterwegs sind. Das Ziel ist ein Nationalpark, welcher direkt am Senegal River gelegen ist. Der Djoudj-Nationalpark bildet das drittgrößte Vogelreservat der Welt. Er ist seit 1977 Schutzgebiet und seit 1981 Weltnaturerbe der UNESCO. Wir fahren eine weitere Stunde weiter und warten dann, bis wir ein Boot besteigen können. Auf diesem geht es einen Nebenarm des Senegal Rivers entlang, immer weiter ins Hinterland. Schon zu Beginn sind Flamingos zu sehen und ebenfalls beeindruckt mich die rote Erde, welche an vielen Orten zu sehen ist. Wir fahren los und immer mehr Vögel erscheinen, die ersten Pelikane tauchen auf und Seeadler und Kormorane in grosser Zahl sind ebenfalls zu sehen. Und etwas abgelegen ist auch noch ein Krokodil zu sehen... Nach einer knappen Stunde sind wir dann mitten in den Pelikanen drin. Es hat hunderte, tausende, gefühlt zehntausende dieser Vögel hier. Im ganzen Nationalpark soll es rund drei Millionen dieser Tiere haben... Es ist unbeschreiblich eindrücklich und einfach wunderschön. Pelikane am Fliegen, am Schwimmen, am Balgen, am Fressen. Besonders interessant finde ich es, wenn ein Fisch gerade im Maul verschwindet. Sie haben etwas sehr elegantes, wenn sie am Fliegen oder am Landen sind. Beim Start schaut es mehr aus, wie wenn sie auf dem Wasser voran laufen, bis sie dann irgendwann endlich abheben können. Aber mir fehlen echt die Worte, es ist einfach wunderschön. Wir sind nicht in Stress können uns Zeit lassen hier, um all dies auf uns wirken zu lassen. Danach geht's mit dem Schiff und auch mit dem Bus dieselbe Strecke wieder zurück. Da dieser halbe Tag länger gedauert hat als ursprünglich geplant, sind wir erst um 15.00 zurück, sodass es nicht mehr wirklich die Option fürs Mittagessen gibt. Ohnehin sind auf der ganzen bisherigen Tour Warten und spontane Programmwechsel eher die Regel als die Ausnahme. Dies gehört jedoch auch zum Erleben dieses Ortes, an welchem die (touristische) Infrastruktur erst wenig ausgebaut ist. Dafür hat es etwas Meditatives, lange unterwegs zu sein, zu warten und all das, was da ist, aufzusaugen und zu spüren. Unsere Gruppe ist vielfältig zusammengesetzt mit freundlichen und flexiblen Teilnehmenden. Bisher haben die beschriebenen Umstände noch niemandem die Laune verdorben und findet sich immer wieder die Möglichkeit für ein interessantes Gespräch. Als angenehmen Nebeneffekt ist es für mich wieder mal ein Intensivkurs Englisch, den ich ebenfalls sehr schätze. So ist die Stimmung bisher sehr gut und sind wir alle gespannt darauf, was uns noch erwarten wird. Hier im Norden ist es schon deutlich wärmer als noch in Dakar, die Tageshöchsttemperaturen liegen bei rund 30 Grad. Morgen sind dann im Landesinneren Temperaturen bis zu 40 Grad angesagt. Ich bin gespannt, wie gut ich das aushalten werde… Der Bus und die Klimaanlage sind weniger gemütlich als unser Kia in Australien letztes Jahr. Nach unserer Rückkehr haben wir eine Stunde Pause, die ich gerne nutze, um zu Fuss noch etwas durch die Stadt zu ziehen, sowohl durch die Hauptinsel mit der Altstadt als auch durch die Nachbarinsel, auf welcher das Fischerdorf zu finden ist. Im Anschluss beginnt unsere Pferdekutschenfahrt. Dies fühlt sich etwas befremdlich an, man fühlt sich irgendwie auf nicht nur angenehme Art als Kolonialperson unterwegs. Aber wir kommen zum einen an schönen Häusern vorbei, zu welchem ein historischer Hintergrund geboten wird. Diese Häuser sind in sehr unterschiedlichem Zustand. Alle sind geschützt, weil diese Insel UNESCO-Weltkulturerbe ist. Daher darf nicht besonders viel gemacht werden. Aber leider fehlt an vielen Orten das Geld, um die Häuser in gutem Zustand zu erhalten oder zu restaurieren. Die Tour geht aber weiter auf die Seite des zuvor erwähnten Fischerdorfes und so fahren wir mit diesen Pferdekutschen mitten durch dieses Gewusel durch. Es ist überfordernd im spannenden, aber auch etwas schwierigen Sinne, weil man die Lebensbedingungen von vielen Menschen sieht, die nicht besonders gut und beschwerlich sind. Gleichzeitig hat dieses Durcheinander von ganz, ganz, vielen Kindern, Männern, Frauen, Verkaufsständen, Schafen, Ziegen und so weiter auch etwas Faszinierendes. Alles, was irgendwie auf einer Strasse sein kann, ist da, alles in grosser Dichte und alles in grossem Getümmel und Lärm. Dies möchte ich keine Sekunde missen. Nach dieser eindrücklichen und intensiven Fahrt geht es zurück ins Hotel und mache ich noch einen weiteren Abstecher zu Fuss durch die Stadt und kreuze nochmals durch die Gassen und finde mir im Anschluss doch noch eine schöne Terrasse am Fluss, wo ich einfach einmal gemütlich eine Pause machen kann und ein Cola trinke. Danach mache ich kurz Pause in meinem Zimmer und warte aufs Abendessen, für welches wir bereits im Voraus bestellen konnten, damit es als Gruppe nicht allzu lange dauert. So war es zumindest geplant. Als ich losgehen möchte wird mir beschieden, dass dies nicht geklappt habe. Und da ich die Nachrichten nicht gesehen hatte, konnte ich die Alternative nicht bestellen. Aber halb so wild, so mache ich mich alleine auf die Suche und werde in einem guten Restaurant fündig. Im Anschluss sitze ich in den schönen Innenhof unseres Hotel, um die Notizen zum heutigen Tag zu formulieren. Bisher hat alles gut geklappt mit der Reise. Heute war dies einmal nicht ganz sicher, da wir auf dem Weg zum Nationalpark an der Uni vorbeifahren mussten. Da es gestern heftigere Ausschreitungen an der Uni von Dakar gab, bei welchen sogar ein Todesopfer zu beklagen war, ist auch die lokale Uni in Aufruhr. Die Polizei ist mit einem grossen Aufgebot vor Ort und wir bleiben davon nicht betroffen, auch die einzige Strasse kann passiert werden. Gemäss unserem Guide gehe zwar vieles in die richtige Richtung im Land, aber sei die Situation immer noch sehr schwierig, weil die Regierenden sehr oft nicht die besten Leute, sondern die Leute, die sie irgendwie kennen oder mit welchen sie verwandt sind, in wichtige Positionen bringen würden. Der Nepotismus sei allgegenwärtig. Das ist traurig zu hören, denn die grosse Energie, die viele Menschen hier haben, ist immer wieder spürbar. So wünsche ich mir, dass diese konstruktiv genutzt werden kann. Ich recherchiere dann noch zu den Werten zur Korruption. Da steht das Land beim Corruption Perception Index im Mittelfeld – im afrikanischen Umland sind die Werte noch deutlich höher.

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