Freitag, 13. Februar 2026

Banjul

Heute lassen wir den Tag etwas ruhiger angehen, da wir in der Gegend um Banjul bleiben und nur wenig im Bus sein werden. Dies gibt mir vor dem Frühstück die Möglichkeit, in Ruhe die Erlebnisse von gestern zu tippen. Das Morgenessen geniesse ich auf einer schönen Terrasse in der warmen Luft mit dem Meer im Hintergrund :-) Um neun Uhr geht’s dann los. Wir fahren zurück in Richtung Banjul, wo wir zuerst einen Halt bei einer «Batik-Textil-Fabrik» machen. Dabei handelt es sich um einen grösseren Innenhof, wo uns gezeigt wird, wie solche Batik-Shirts gemacht werden und wo es eine Vielzahl davon zu kaufen gibt. Dies ist ganz spannend, aber das grosse Shopping überlasse ich lieber anderen der Gruppe. Stattdessen mache ich mich noch für einige Schritte auf die Strassen, die darum herum liegen. Wiederum sind es abseits der grossen Achsen weitgehend Sandstrassen, die durch die Quartiere führen. Diese führt mich zu einer lebendigen Marktstrasse mit viel Betrieb. Im Unterschied zum Senegal sind hier auch viele Tuktuks auf den Strassen unterwegs. Danach fahren wir weiter in Richtung Zentrum und stoppen beim «Gambia National Museum». Dies hört sich imposant an, doch es handelt sich dabei um ein altes Kolonialgebäude, in welchem einige Informationen über die Geschichte des Landes zu finden sind. Alles im Stil eines grösseren Dorfmuseums, es scheint sich hier – im Unterschied zum imposanten Parlamentsgebäude, von welchem wir nach wenigen Sekunden verscheucht wurden – nicht um ein Prestigeprojekt der Regierung zu handeln… Daher bleiben wir nur eine halbe Stunde vor Ort, um danach an den grossen «Albert Market» im Stadtzentrum von Banjul. Dieser ist sehr spannend und vielfältig :-) Es hat einen grossen Bereich für Lebensmittel, in welchem Früchte und Gemüse, aber auch allerlei Fisch und Fleisch angeboten wird. Vieles davon wird vor Ort verarbeitet, so werden zum Beispiel die Fische direkt am Stand geschuppt und ausgenommen. Fotos sind nicht erwünscht, daher muss es bei der Beschreibung bleiben. Es ist ein Erlebnis für alle Sinne und es gefällt mir sehr hier. Unsere Guides bleiben an verschiedenen Ständen stehen, um uns Hintergründe zu erläutern, was spannend ist. Und im Nachgang habe ich die Möglichkeit, mich noch selbst durch die vielen Gassen zu bewegen, um all dies weiter zu erkunden. Die Gruppe geht danach zurück zum Hotel, so dass wir uns zu Zweit entscheiden, noch selbständig in der Stadt zu bleiben, um das Zentrum weiter zu erkunden. Dies erweist sich als gute Idee, es hat weitere interessante Strassen mit vielen Shops. Was leider nirgends zu finden ist, sind irgendwelche Formen von Cafes oder Restaurants. Es hat einige Strassenstände, an welchem etwas mitgenommen werden kann. Und das eine oder andere (sehr) kleine schlecht beleuchtete Lokal. Aber die Hoffnung auf einen besseren Kiosk mit einigen Stühlen wird nicht erfüllt. Es zeigt sich auch hier, dass offensichtlich hierfür keine Nachfrage und/oder Finanzkraft besteht. So gehen wir immer weiter, bis wir zum Fährterminal gelangen. Es scheint grad eine Fähre angekommen zu sein und so fliesst ein Strom aus Menschen und Waren in Richtung Stadtzentrum. Wir finden einen Schattenplatz, an welchem wir einfach stehen bleiben und die ganze Szene beobachten können. Dies ist sehr kurzweilig, gleicht es doch einem Wimmelbild mit vielen Möglichkeiten der Entdeckung. Das wirre Durcheinander wird von der Verkehrspolizei geleitet, wobei unklar ist, welche Beachtung dieser geschenkt wird… Viele Sammeltaxis werden sehr intensiv beladen, wir kommen leider mit dem Zählen der Personen, welche sich in ein solches Auto zwängen, nicht nach… Das Gepäck wird oben auf dem Dach transportiert, genau gleich wie Ziegen und Schafe, welche einfach hochgehievt und da sehr unschön festgezurrt werden… Nach einer Weile gehen wir weiter und kommen an vielen Lastwagen vorbei, welche in Handarbeit bis weiter über die gefühlte Ladekapazität befüllt werden. Wir mutmassen, wie lange es wohl dauert, eine solche Ladefläche zu befüllen oder zu entladen. Auf dem Rückweg kommen wir auch an einigen grösseren Ladehallen vorbei, welche dem En-Gros-Handel zu dienen scheinen. Der gemäss dem Nationalmuseum zentrale Platz dient mittlerweile der Armee zur Ausbildung, so dass wir nach einer längeren Runde zum Schluss kommen, zurück ins Hotel zu fahren. Dabei fahren wir auch unter dem Arch 22 durch, einem Triumphbogen, welche anlässlich eines Militärputschs gebaut wurde. Mit dem Taxi kommen wir so nach einer knappen halben Stunde zurück im Hotel an. In Gambia leben nur etwas über zwei Millionen Menschen. Die grösste Stadt Serekunda ist eine Ort Agglomeration der Hauptstadt Banjul, welcher auf einer Halbinsel zwischen dem Atlantik und dem Fluss Gambia liegt und mehr Geschäftszentrum als Wohnort ist. Zusammen mit einem weiteren Vorort sind dies die drei grössten Städte des Landes, so dass diese Agglomeration fast das einzige Zentrum des Landes darstellt. Im Hotel ist Zeit für eine Pause, in welcher ich mich gemütlich in den Schatten am Strand setze und etwas lese und schreibe. Gegen Abend steht nochmals ein Ausflug auf dem Programm. Wir fahren in ein Fischerdorf, welches rund 20 Minuten von unserem Hotel entfernt liegt. Hier landen die Fischer ihren Fang an und wird dieser weiterverarbeitet, verkauft, geräuchert etc. Es ist sehr eindrücklich und spannend, hier zu sein. Immer und immer gibt es dabei etwas zu entdecken und die Stimmung im Abendlicht trägt das ihre dazu bei, dass es ein tolles Erlebnis ist. Die Fische werden grad vor Ort geschuppt und bei Bedarf zerschnitten. Es finden sich dabei die unterschiedlichsten Arten in den Schubkarren und Auslagen. All dies interessiert nicht nur die Kundschaft, sondern auch Fliegen und Katzen, so dass es ein wirres Durcheinander ist. Wir laufen kreuz und quer durch die Stände, es ist dabei ein guter Ort, um die Übersicht zu verlieren :-) Irgendwann sind alle Sinne überfordert, so dass wir uns auf den Rückweg ins Hotel machen. Für den Abend suche ich mir ein Restaurant, in welchem ich gemütlich draussen sitzen kann, da es ein schöner Abend mit geschätzten 25 Grad ist. Zuerst lande ich in einem Restaurant, in welchem ich glaub die einzige Person bin, welche nicht holländisch oder flämisch spricht… Das Essen ist gut, aber ich gehe schnell weiter und finde mir dann einen weiteren Ort, der in Hörweite eines lokalen Livekonzerts ist und welcher nur spärlich besucht ist. So kann ich entspannt an einem Tischchen sitzen, die Eindrücken des heutigen Tages verarbeiten und tippen und entspannt den Rest des Abends geniessen :-)

Kaolack - Kunta Kinteh - Banjul

Ich habe gut geschlafen und wohl keine Mücke im Zimmer gehabt :-) Es hat hier noch in keinem Hotel ein Moskitonetz gehabt – und leider nicht einmal einen Haken, an welchem ich mein eigenes Netz, welches ich mitgenommen habe, hätte aufhängen können. Immerhin hatte es an den bisherigen Stationen nur wenig Mücken, aber so ganz entspannt lässt mich das Thema (noch) nicht zurück. Das Frühstück gibt es in der selben Halle wie gestern das Abendessen – und diese ist gefüllt mit Gruppen unterschiedlichster Herkunft. Unser Hotel scheint wirklich der einzige Ort in dieser Stadt zu sein, in welcher Touris Halt machen (können). Und da Kaolack wie beschrieben an einem Kreuzungspunkt unterschiedlicher Routen liegt, machen doch einige Personen hier Halt. Zum Essen gibt es hier – wie an allen anderen Orten bisher – Baguettes. Diese sind allgegenwärtig im Land, obgleich das Mehr aus Frankreich eingeführt werden müsse. Danach fahren wir los in Richtung Gambia. Nach ein paar Minuten machen wir einen kurzen Halt, da es eine grosse Gruppe von Affen hat auf einem Feld neben der Strasse. Es hat hier viele Mango- und Cashewnussbäume. Gerade letztere sind für die Affen sehr attraktiv. Die Cashews würden nach der Ernte grösstenteils nach Indien exportiert. Dies ist schade, da der Export von unverarbeiteten landwirtschaftlichen Gütern meist nur sehr geringe Erlöse generiert. Es wäre wünschenswert, wenn hier ein grösserer Teil der Wertschöpfungskette vor Ort behalten werden könnte. Projekte in Mosambik weisen hier einen möglichen Weg (vgl. Dokumentation «Beyond a Dollar a Day»). Unsere Strecke ist eine von nur zwei Routen nach Gambia und über den Fluss. Zum einen hat es auf etwa halbem Weg durch das Land eine neue Brücke über den Fluss – diese werden wir dann auf der Rückfahrt benutzen – und zum anderen an der Mündung eine Fähre. Diese wird heute Nachmittag das Ziel sein – und ein eigenes Kapitel wert sein… Obgleich es eine Hauptverkehrsachse ist, hält sich der Verkehr in Grenzen, so dass wir gut voran kommen und ohne Probleme die Grenze erreichen. Der Grenzübertritt verläuft auch rund. Wir müssen zuerst aussteigen, um die Ausreise aus dem Senegal zu vollziehen. Und kurz danach ein weiteres Mal, um die Einreise nach Gambia zu regeln. Diese funktioniert zum Teil etwas formeller oder nicht, dies hänge davon ab, ob der Grenzposten Strom hat oder nicht. Heute ist die Elektrizität verfügbar, so dass hier auch die Fingerabdrücke genommen werden. Überall stehen Verkaufende herum und versuchen ziemlich aufdringlich, ihre Güter loszuwerden. Aber es verläuft alles ohne Probleme und nach einer knappen halben Stunde haben wir alle Formalitäten hinter uns und kann die Fahrt in Gambia weitergehen. Die Vegetation hat sich verändert im Vergleich zum Norden. Hier dauert die Regenzeit rund sechs Monate, was sich in deutlich üppigerem Bewuchs zeigt. Auch die Häuser sind etwas anders gebaut, da es in der Hauptsache Giebeldächer sind, da es nicht nur länger sondern auch intensiver regnen kann, weshalb es wichtig ist, dass das Wasser ablaufen kann. Wir gelangen nach einer weiteren halben Stunde Fahrt an den Fluss. Dieser ist riesig und eindrücklich. Es handelt sich um ein Ästuar, so dass auch an diesem Ort – wir sind rund 50 Kilometer von der Mündung entfernt, die Gezeiten wirksam sind. So fliesst der Fluss in diesem Moment in Richtung Ursprung. Wir besuchen zuerst ein kleines Museum zum Sklavenhandel und fahren dann mit einem kleinen Boot auf eine Insel. Diese war, analog zu Gorée in Senegal, für den Export von Sklaven wichtig. Es habe drei Hauptverschiffungsposten gegeben – diese beiden beschriebenen Inseln und dazu noch eine vorgelagerte Insel an der Goldküste, dem heutigen Ghana. Die Insel Kunta Kinteh, auf welcher wir nach einer guten Viertelstunde Fahrt ankommen, hatte zudem eine strategische Wichtigkeit, da von ihr aus der ganze Fluss kontrolliert werden konnte. Die Erosion hat die Fläche der Insel bereits um rund die Hälfte gemindert und von den Gebäuden sind nur noch Ruinen zu sehen. Trotzdem ist es ein eindrücklicher Ort – und die grossen Baobab-Bäume am Wasser ergeben ein schönes Bild. Nach einem kurzen Besuch fahren wir mit dem Boot zurück und essen an Land in einem kleinen Restaurant etwas zu Mittag. Nicht nur die Geschichte der Sklaverei lassen mich bedrückt zurück, sondern auch die vielen Kinder, die hier am Betteln sind. Diese gingen nicht zur Schule, da sie immer wieder von Touris Geld oder Süssigkeiten erhalten würden. Was natürlich für den Moment die attraktivere Option ist als die Schule zu besuchen… Dann geht es zurück in den Bus und machen wir uns auf den Weg nach Barra. Von hier geht die besagte Fähre nach Banjul, der Hauptstadt. Es handelt sich dabei um zwei Schiffe, die unterwegs sind und von der Grösse her mit der Bodenseefähre vergleichbar sind. Auch die Strecke dürfte sehr ähnlich sein, einzig hat es deutlich mehr Strömung als auf dem See. Wir sind bereits gewarnt worden, dass nicht abzuschätzen sei, wie lange es dauern wird, bis wir es auf das Schiff schafften. Vor Ort herrscht ein wirres Durcheinander und hat es abermals ein grosses Gewusel von Läden, Strassenhändlerinnen und Personen, welche bei allem Möglichen behilflich sein möchten… Die eine Fähre sei grad losgefahren, aber wir sollten es auf die nächste schaffen. So dauert es schlussendlich gut eineinhalb Stunden, bis wir auf dem Schiff sind und die Fahrt losgehen kann. Die Wartezeit ist aber keine Sekunde langweilig, ich streife zuerst dieser quirligen Strasse entlang und wage mich in die Marktgassen. Und im Anschluss beobachte ich die ankommende Fähre und den Moment ihrer Entladung, was sehr unterhaltsam ist. Es wird gedrängelt, dabei mischen sich Fussgänger, Autos, Töffs mit Anhängern etc. Neben dem Fährterminal legen gleichzeitig noch kleine Schiffe an, welche Personen oder Güter transportieren. Dann sind wir an der Reihe und können aufs Schiff fahren. Haben dann aber die Möglichkeit, auf Deck zu gehen für die Überfahrt. So haben wir beste Aussicht auf die weitere Beladung der Fähre, was abermals interessant ist. Die Überfahrt gefällt mir auch sehr gut, die Temperaturen in der Abendsonne und im Wind sind sehr angenehm :-) Angekommen in Banjul beginnt das Prozedere der Entladung von Neuem – und sind wir dann aber bald von Bord und nehmen die letzten Kilometer für heute unter die Räder. Auf der Fahrt erfahren wir dann noch mehr Hintergründe, wie wir auf das Schiff gelangt sind. Zum einen mussten die regulären Tickets gekauft werden – wie richtig gegen Quittung. Danach verlangte jemand noch Geld dafür, dass wir Koffer dabei haben – dies aber ohne Quittung… Und dann gab es die Möglichkeit, ebenfalls ohne Beleg, einen VIP-Status zu erkaufen. Dies bedeutet, dass man vorgezogen wird und schneller aufs Schiff gelangt. Anders gesagt, wer diesen zusätzlichen Betrag nicht zahlen möchte, wird einfach stehen gelassen und kommt dann vielleicht nach vielen Stunden aufs Schiff – oder auch erst morgen… Unser Guide hat uns gesagt, dass er einen fixen Betrag im Budget hat, da sonst auf der Strasse kein Durchkommen ist und hier ebenfalls nicht – so werden wir zum «very important payer». Er ist ein ruhiger Mensch, aber bei diesem Thema kommt ihm die Galle hoch – und mir auch. Solch korrupte Situationen schikanieren so viele Menschen und hemmen das ganze Land – und hinterlassen eine lähmende Ohnmacht. Es gebe seit vielen Jahren Projekte für eine Brücke. Diese kämen aber nicht voran, da am aktuellen Engpass so viele mitkassieren können. Dies macht wirklich gleichermassen traurig und wütend. Es hindert auch die Entwicklung des Landes. Korruption als Ganzes ohnehin und konkret hier auch. Das Land folgt dem Fluss Gambia auf einer Länge von über 300 Kilometern, ist dabei aber meist nur rund 30 Kilometer breit. Da es nur die besagten zwei Übergänge gibt – von welchen einer wie beschrieben nur beschwerlich funktioniert – bleibt das Land zweigeteilt. Im grösseren Massstab gilt dies auch für den Senegal, in welchem Gambia liege «like a banana in a mouth», so dass der Süden viel schlechter erschlossen ist. Die Brücke auf halben Weg, welche 2019 eröffnet wurde, habe aber schon vieles verbessert. Diese spezielle geografische Gegebenheit folgte aus der Geschichte. Weite Teile Westafrikas waren französische Kolonien. Die Engländer schafften es aber, den Fluss und das Umland unter Kontrolle zu behalten. Und so wurde aus dieser kleinen englischen Kolonie das Land Gambia. Dies bedeutet für mich, dass die Verständigung einfacher ist, da viele englisch sprechen. Die Volksgruppen im Senegal und in Gambia sind dieselben, aber die Amtssprache ist hier englisch und nicht französisch wie im Senegal. Unser Hotel liegt in einer sehr touristischen Zone – diese könnte identisch fast überall stehen. Es reiht sich ein Restaurant an eine Bar und ein Hotel… Alles eher auf der billigeren Seite. Wieder scheint es ein Thema zu sein, wo es genug Infrastruktur gibt. Unser Hotel liegt mit einem grossen Park direkt am Meer – heute ist es schon spät, aber morgen möchte ich die schöne Lage etwas nutzen. Es habe hier viele Touris aus Osteuropa, welche zu günstigen Preisen den Sommer im Winter finden. Zudem sei in Gambia vieles nur wenig reglementiert und sehr günstig, was ebenfalls Urlaubende anziehe… Von alledem interessiert mich heute nur noch die Essensauswahl. Und so gibt es ein sehr leckeres indisches Abendessen, was mich mit dem Ort grad wieder etwas «versöhnt». Wir sind für zwei Nächte hier, haben für den Tag morgen jedoch ein Programm, welches uns schnell wieder an interessantere Orte führen wird :-)