Sonntag, 15. Februar 2026

Cap Skirring

Es ist ein Luxus, in der warmen Morgenstimmung zu frühstücken – dies geniesse ich jeden Tag :-) Das angebotene unterliegt ziemlichen Schwankungen, heute ist es eher am unteren Rand angesiedelt – aber das waren ja nicht die wichtigsten Gründe für die Reise. Da heute kein offizielles Programm stattfindet, haben einige von uns beschlossen, auf den «Bissau-Walk» zu gehen. Das Nachbarland Guinea-Bissau beginnt wenige Kilometer dem Strand entlang, und so möchten wir einen längeren Spaziergang am Wasser machen, um dahin zu gelangen. Wir starten erst um 9.30, so dass mir genügend Zeit bleibt, gemütlich im Garten des Hotels zu sitzen und die Erlebnisse des gestrigen Tages niederzuschreiben. Wir sind schliesslich zwei Drittel unserer Gruppe, die sich auf den Weg an den Strand machen. Nach den letzten Hotels ist es einfach nur noch Sand, Wasser, leider auch immer wieder Abfall – und Kühe :-) Diese liegen gemütlich am Strand und lassen sich auch von uns nicht in ihrer Ruhe stören. Wir haben den riesigen Strand fast ganz für uns alleine, nur ab und an kreuzen wir andere Spazierende – oder fahren einige Quads an uns vorbei. Die Temperaturen sind noch sehr angenehm und so ist es einfach schön, hier im Sand und Wasser zu schlendern :-) Die Grenze zu Guinea-Bissau ist weder markiert noch irgendwie kontrolliert, so dass wir immer weiter bis über die Grenze gehen. Hier hat es ein kleines Kap und dreht die Küstenlinie. Wir gehen immer noch weiter und sehen in der Ferne die Hügel Guinea-Bissaus. Irgendwann drehen wir um und machen uns auf dem selben Weg zurück in Richtung Cap Skirring. Der Spaziergang ist hier besonders schön, da es auf der Landseite nur noch Dünen und keine Bebauung mehr hat. Nach rund zwei Stunden sind wir zurück am Ausläufer des Dorfes und setzen uns in die erste Strandbar. Diese ist sehr schön gemacht und ich geniesse an bester Lage eine leckere Tartelette au Citron und etwas zu trinken – besser gesagt, werden es zum Ende zwei dieser Köstlichkeit gewesen sein ;-) Im Anschluss gehen wir alles dem Strand entlang weiter, bis wir zum Aufgang zu unserem Hotel kommen. Die Eindrücke von gestern kann ich etwas relativieren, heute habe ich keine weiteren toten Fische mehr gesehen. Dies könnte auch mit den Geiern zusammenhängen, welche sich ebenfalls am Strand finden. Ebenso kommen wir an einigen Frauen vorbei, welche Muscheln sammeln, wohl um daraus Baumaterial machen zu können. Dann ist es Zeit für eine kurze Pause im Schatten – und im Pool unseres Hotels. Am späteren Nachmittag mache ich mich nochmals auf den Weg. Wiederum dem Strand entlang geht es in Richtung des Stadtzentrums. Auch in diese Richtung ist es ein sehr schöner Spaziergang. Hier finden sich einige kleine Strandrestaurants und -bars und etwas mehr Betrieb. Jedoch geht es immer noch sehr entspannt zu und her und hat es überschaubar viele Leute. Nach einer Weile geht es auf das Gelände des «Club Med». Gefühlt ist der ganze Ort um diesen riesigen Club aufgebaut… Der Club nimmt einen langen Teil des Strandes in Besitz, jedoch bleibt der Durchgang für alle offen. Und dahinter finden sich die Unterkünfte und auch viele Sportanlagen inklusive eines Golfplatzes. Die eigentliche Hauptstrasse des Ortes beginnt dann auf der anderen Seite des Resorts – so dass von dieser zum Strand kein direkter Durchgang besteht. An der kleinen Halbinsel am Ende der Anlage prallen dann die Welten heftig aufeinander – auf der einen Seite das fast schon kolonial anmutende Resort mit unzähligen Liegestühlen am Strand mit Booten und Surfmöglichkeiten und auf der anderen Seite der Anlandeplatz der Fischerboote. Wiederum sind die Pirogen bunt bemalt und herrscht emsiges Treiben. Einige Boote kommen grad an und werden an den Strand gehievt, andere sind schon länger zurück und werden geräumt oder geputzt. Und dahinter werden Netze geordnet oder geflickt. Handel findet hier – im Unterschied zu den letzten Häfen – weniger statt. Von hier geht’s zur Hauptstrasse, an welcher einige kleine Restaurants und Läden sowie ein kleiner Markt zu finden sind. Hier halte ich mich nicht allzu lange auf und mache mich der Strasse entlang auf den Rückweg. Nach kurzer Zeit hat es nicht mehr viel – ausser einigen Verkehr und viele Schlaglöcher auf der Strasse… Nachdem ich die ganze Länge des Club Med hinter mir habe, kann ich wieder an den Strand für den restlichen Weg zurück. Hier finde ich mir einen schönen Platz in der ersten Reihe eines dieser Strandrestaurant. Hier hat es am Strand und in den Lokalen viele Einheimische – und ist die Stimmung mit der untergehenden Sonne sehr schön :-) So geniesse ich entspannt ein kleines Abendessen und lasse es mir gutgehen – um danach gemütlich dem Strand entlang während des Sonnenuntergangs zurück in Richtung Hotel zu spazieren. Ich spüre die intensiven Tage – und auch die vielen Stunden an der Sonne heute sowie die etwas über 18 Kilometer, welche ich im Sand am Spazieren war. Und so mache ich mir einen ruhigen Sommer-Abend auf der Terrasse des Hotels.

Banjul - Ziguinchor - Cap Skirring

Nach einem kurzen Frühstück auf der schönen Terrasse unseres Hotels geht es wieder auf die Strasse. Heute wartet wieder ein langes Teilstück auf uns – welches aufgrund der Strassenverhältnisse noch länger wird, als ich es um diese Zeit erwarte… Wir fahren los in Richtung Grenze. Zwischen Gambia und dem Senegal hat es nur wenige Verbindungen – wie allgemein in beiden Ländern nur wenige Hauptachsen zu finden sind. Noch in Gambia machen wir einen kurzen Halt bei einem Viehmarkt. Hier werden viele Ziegen angeboten, dazu auch Schafe und unterschiedliche Rinderarten. Es herrscht nur wenig Betrieb. Da es sich hier nicht um einen Markt handelt, welcher täglich offen ist, sei selten viel los, da sich die Kundschaft über den Tag verteile. Nur vor grossen Feiertagen liefen die Geschäfte gut, da für die Feierlichkeiten oder Opfergaben eingekauft würde. Danach nehmen wir das letzte Stück unter die Räder, um an die Grenze zu gelangen. Heute ist es auf der gambischen Seite etwas mühseliger als bei der Einreise. Es hat nicht viele Leute und ich gelange schnell zum Schalter. Jedoch bleibt mein Pass da – ohne mich. Dies sei effizienter, da alle Pässe gesammelt an den Guide gehen könnten… Ja genau! Es wird dann so sein, dass der Guide alle Pässe in die Hände gedrückt erhält – nachdem er ebenfalls etwas in die Hände gedrückt hat… Es ist ein so ohnmächtiges Gefühl. Da stehe ich inmitten vom Nichts und habe keinen Pass mehr. Und wenn ich das schmutzige Spiel nicht mitspiele, bleibe ich einfach da stehen. Auf der senegalesischen Seite ist es nur eine bessere Bretterbude, in welchem ein Soldat Dienst tut und unsere Dokumente kontrolliert – dann geht’s schnell weiter. Weiter in Richtung Süden. Diese Südprovinz ist wie schon erwähnt schlecht erreichbar vom nördlichen Teil, da sowohl der Fluss als auch das Land Gambia einen 300 Kilometer langen Keil zwischen den beiden Regionen darstellt. Dies hindert auch die wirtschaftliche Entwicklung. Dies wird unter anderem bei der Infrastruktur spürbar. Die Strassen sind hier immer wieder von vielen und grossen Schlaglöchern gesäumt, so dass unser Fahrer zum geübten Slalomfahrer wird. Ebenso hat es viel mehr Kontrollposten der Gendarmerie. Diese dienten jedoch wirklich der Kontrolle – die Grenze zu Guinea-Bissau sei nahe und von da kämen immer wieder Güter auf illegalem Weg ins Land. Neben der Strasse sind nur vereinzelt kleine Dörfer zu sehen, die ganze Region scheint nur dünn besiedelt. In einem der Dörfer machen wir einen kurzen Halt, damit wir sehen können, wie die Lebensverhältnisse sind. Wir stoppen bei einem Anwesen, welches – wie hier üblich – von einer ganzen Grossfamilie bewohnt wird. Es handelt sich dabei um mehrere einstöckige Häuser, welche um einen grossen Hof angeordnet sind, auf welchem auch Hühner und Ziegen zu finden sind. Gastfreundschaft werde hier besonders gross geschrieben, weshalb wir an einem beliebigen Ort anhalten könnten um «hallo» zu sagen. Der Ort scheint zufällig gewählt, gleichzeitig wird am Schluss eine kleine Note als Dankeschön den Besitzer wechseln. Die Vegetation um uns herum ist weiter ziemlich üppig – wir sind im Bereich der Trockensavanne unterwegs, in welcher die Regenzeit gut sechs Monate dauert. Die intensiven Niederschläge in dieser Zeit reicht aus, um auch grössere Bäume gedeihen zu lassen. Dies wird immer wieder unterbrochen von weiten Flussbereichen, welche zum Teil mit Wasser gefüllt und zum Teil ausgetrocknet sind. In der Regenzeit sei hier alles gut gefüllt und je Ebbe und Flut reiche das Wasser weiter in diese Deltalandschaft des Ästuars hinein. Wir sehen dabei viele Mangroven, welche auch wieder aufgeforstet werden. Die ökologische Entwicklung der Region sei eigentlich das Ziel, jedoch klappe dies leider nur teilweise. Wir fahren dann über den grossen Fluss Casamance, welcher zugleich Namensgeber für die ganze Region ist, nach Ziguinchor. Diese Stadt ist das Zentrum dieser Südprovinz und gleichzeitig das Zentrum des christlichen Glaubens im Land. Ich lasse die Mittagspause wieder aus, um einen Spaziergang durch die Stadt zu unternehmen. Diese hat nur ein kleines und ziemlich ruhiges Zentrum – dies ist der wichtigste Handelsort des Südens und in keiner Weise vergleichbar mit den so lebendigen Städten des Nordens. Wir gehen noch weiter, da wir aus dem Bus riesige Berge von Erdnüssen gesehen haben, welche wir noch in Ruhe und aus der Nähe sichten möchten. Es ist sehr beeindruckend! Es sind wirklich viele solcher riesigen Gebilde an Erdnüssen, auf welchem ganze Förderbänder und fast schon «Bergsteiger» zu sehen sind. Ein grosser Wagen wird grad entladen, was dann hingegen mit Schaufeln und Schubkarren passiert – wir können nur erahnen, wie lange so etwas dauern kann, bis dann ein solcher Berg aufgeschüttet ist. Die so gelagerten Erdnüsse sind nicht für den direkten Verzehr gedacht, sondern dienen der Ölproduktion. Nach dem Mittagessen führt uns der Weg wieder in den Westen zurück in Richtung Meer. Jedoch nehmen wir nicht den direkten Weg, sondern machen einen Umweg über Miomp. Hier hat es sehr eindrückliche, 900 Jahre alte Bäume mit riesigen Wurzeln. Und ein kleines Museum, in welchem die Kultur der «Jola» vorgestellt wird. Diese Volksgruppe ist hier im Süden die Grösste. Wir erhalten eine kurze Führung von einem lokalen Guide, welche interessant ist. Und danach haben wir die Möglichkeit, den lokalen König zu treffen. Dieser wohnt in einem Haus mit Innenhof, ganz ähnlich dem am Vormittag besuchten. Er herrscht über 14 Dörfer – nicht im politischen, sondern im gesellschaftlichen Sinne. Er kümmert sich um alle Belange der Dörfer und schlichtet Streit, fördert Initiativen, hört die Sorgen der Bewohnenden. Dieses Amt rotiert zwischen den wichtigsten vier Familien und ein Ältestenrat beschliesst jeweils, wer der nächste König wird. Der amtierende König war zuvor Geschäftsmann im Norden des Landes – und wurde dann zurückgeholt, um sein Leben der Gemeinschaft zu widmen. Als König darf er nicht arbeiten, sondern erhält Zuwendungen der «Untertanen». Man könne sich für dieses Amt nicht bewerben – und ablehnen sei auch nicht zulässig. Seit 1665 sind es erst neun Könige gewesen und unser Gesprächspartner kam 2020 im Alter von 38 Jahren ins Amt. Wir dürfen ihm während einer halben Stunde viele Fragen stellen, was sehr spannend ist. Danach folgt die letzte Etappe bis nach Cap Skirring. Dies ist ein Ort, der fast ausschliesslich vom Tourismus und dem schönen Strand lebt. Es hat ein kleines Zentrum, welches wir erst aus dem Bus sehen, da unser Hotel etwas entfernt im Niemandsland gelegen ist. Gleich nach der Ankunft mache ich mich auf den Weg an den nahegelegenen Strand, um den schönen Sonnenuntergang über dem Meer zu sehen :-) Es ist immer noch schön warm und ins rötlich beleuchtete Wasser zu sehen einfach schön. Der Strand besteht aus feinem Sand und zieht sich in beide Richtungen bis zum Horizont. Gleichzeitig gibt es auch weniger schöne Eindrücke: es liegen viele tote Fische am Strand, die Beach Bar unseres Hotels ist zerfallen und in diesem Zustand unverändert liegen gelassen und auch das Hotel daneben bedürfte einiger Investitionen. Das Abendessen wird dann im Hotel serviert, da es wenig Optionen in der Nähe hat. Da ich im Bus schon gesnackt habe, leiste ich einfach Gesellschaft. Trotz nur weniger Gäste funktioniert vieles nur bedingt – aber es sind ja Ferien, daher stört dies nur wenig. So geniesse ich noch einen ruhigen Sommerabend, bevor ich müde ins Bett falle.