Freitag, 13. Februar 2026

Kaolack - Kunta Kinteh - Banjul

Ich habe gut geschlafen und wohl keine Mücke im Zimmer gehabt :-) Es hat hier noch in keinem Hotel ein Moskitonetz gehabt – und leider nicht einmal einen Haken, an welchem ich mein eigenes Netz, welches ich mitgenommen habe, hätte aufhängen können. Immerhin hatte es an den bisherigen Stationen nur wenig Mücken, aber so ganz entspannt lässt mich das Thema (noch) nicht zurück. Das Frühstück gibt es in der selben Halle wie gestern das Abendessen – und diese ist gefüllt mit Gruppen unterschiedlichster Herkunft. Unser Hotel scheint wirklich der einzige Ort in dieser Stadt zu sein, in welcher Touris Halt machen (können). Und da Kaolack wie beschrieben an einem Kreuzungspunkt unterschiedlicher Routen liegt, machen doch einige Personen hier Halt. Zum Essen gibt es hier – wie an allen anderen Orten bisher – Baguettes. Diese sind allgegenwärtig im Land, obgleich das Mehr aus Frankreich eingeführt werden müsse. Danach fahren wir los in Richtung Gambia. Nach ein paar Minuten machen wir einen kurzen Halt, da es eine grosse Gruppe von Affen hat auf einem Feld neben der Strasse. Es hat hier viele Mango- und Cashewnussbäume. Gerade letztere sind für die Affen sehr attraktiv. Die Cashews würden nach der Ernte grösstenteils nach Indien exportiert. Dies ist schade, da der Export von unverarbeiteten landwirtschaftlichen Gütern meist nur sehr geringe Erlöse generiert. Es wäre wünschenswert, wenn hier ein grösserer Teil der Wertschöpfungskette vor Ort behalten werden könnte. Projekte in Mosambik weisen hier einen möglichen Weg (vgl. Dokumentation «Beyond a Dollar a Day»). Unsere Strecke ist eine von nur zwei Routen nach Gambia und über den Fluss. Zum einen hat es auf etwa halbem Weg durch das Land eine neue Brücke über den Fluss – diese werden wir dann auf der Rückfahrt benutzen – und zum anderen an der Mündung eine Fähre. Diese wird heute Nachmittag das Ziel sein – und ein eigenes Kapitel wert sein… Obgleich es eine Hauptverkehrsachse ist, hält sich der Verkehr in Grenzen, so dass wir gut voran kommen und ohne Probleme die Grenze erreichen. Der Grenzübertritt verläuft auch rund. Wir müssen zuerst aussteigen, um die Ausreise aus dem Senegal zu vollziehen. Und kurz danach ein weiteres Mal, um die Einreise nach Gambia zu regeln. Diese funktioniert zum Teil etwas formeller oder nicht, dies hänge davon ab, ob der Grenzposten Strom hat oder nicht. Heute ist die Elektrizität verfügbar, so dass hier auch die Fingerabdrücke genommen werden. Überall stehen Verkaufende herum und versuchen ziemlich aufdringlich, ihre Güter loszuwerden. Aber es verläuft alles ohne Probleme und nach einer knappen halben Stunde haben wir alle Formalitäten hinter uns und kann die Fahrt in Gambia weitergehen. Die Vegetation hat sich verändert im Vergleich zum Norden. Hier dauert die Regenzeit rund sechs Monate, was sich in deutlich üppigerem Bewuchs zeigt. Auch die Häuser sind etwas anders gebaut, da es in der Hauptsache Giebeldächer sind, da es nicht nur länger sondern auch intensiver regnen kann, weshalb es wichtig ist, dass das Wasser ablaufen kann. Wir gelangen nach einer weiteren halben Stunde Fahrt an den Fluss. Dieser ist riesig und eindrücklich. Es handelt sich um ein Ästuar, so dass auch an diesem Ort – wir sind rund 50 Kilometer von der Mündung entfernt, die Gezeiten wirksam sind. So fliesst der Fluss in diesem Moment in Richtung Ursprung. Wir besuchen zuerst ein kleines Museum zum Sklavenhandel und fahren dann mit einem kleinen Boot auf eine Insel. Diese war, analog zu Gorée in Senegal, für den Export von Sklaven wichtig. Es habe drei Hauptverschiffungsposten gegeben – diese beiden beschriebenen Inseln und dazu noch eine vorgelagerte Insel an der Goldküste, dem heutigen Ghana. Die Insel Kunta Kinteh, auf welcher wir nach einer guten Viertelstunde Fahrt ankommen, hatte zudem eine strategische Wichtigkeit, da von ihr aus der ganze Fluss kontrolliert werden konnte. Die Erosion hat die Fläche der Insel bereits um rund die Hälfte gemindert und von den Gebäuden sind nur noch Ruinen zu sehen. Trotzdem ist es ein eindrücklicher Ort – und die grossen Baobab-Bäume am Wasser ergeben ein schönes Bild. Nach einem kurzen Besuch fahren wir mit dem Boot zurück und essen an Land in einem kleinen Restaurant etwas zu Mittag. Nicht nur die Geschichte der Sklaverei lassen mich bedrückt zurück, sondern auch die vielen Kinder, die hier am Betteln sind. Diese gingen nicht zur Schule, da sie immer wieder von Touris Geld oder Süssigkeiten erhalten würden. Was natürlich für den Moment die attraktivere Option ist als die Schule zu besuchen… Dann geht es zurück in den Bus und machen wir uns auf den Weg nach Barra. Von hier geht die besagte Fähre nach Banjul, der Hauptstadt. Es handelt sich dabei um zwei Schiffe, die unterwegs sind und von der Grösse her mit der Bodenseefähre vergleichbar sind. Auch die Strecke dürfte sehr ähnlich sein, einzig hat es deutlich mehr Strömung als auf dem See. Wir sind bereits gewarnt worden, dass nicht abzuschätzen sei, wie lange es dauern wird, bis wir es auf das Schiff schafften. Vor Ort herrscht ein wirres Durcheinander und hat es abermals ein grosses Gewusel von Läden, Strassenhändlerinnen und Personen, welche bei allem Möglichen behilflich sein möchten… Die eine Fähre sei grad losgefahren, aber wir sollten es auf die nächste schaffen. So dauert es schlussendlich gut eineinhalb Stunden, bis wir auf dem Schiff sind und die Fahrt losgehen kann. Die Wartezeit ist aber keine Sekunde langweilig, ich streife zuerst dieser quirligen Strasse entlang und wage mich in die Marktgassen. Und im Anschluss beobachte ich die ankommende Fähre und den Moment ihrer Entladung, was sehr unterhaltsam ist. Es wird gedrängelt, dabei mischen sich Fussgänger, Autos, Töffs mit Anhängern etc. Neben dem Fährterminal legen gleichzeitig noch kleine Schiffe an, welche Personen oder Güter transportieren. Dann sind wir an der Reihe und können aufs Schiff fahren. Haben dann aber die Möglichkeit, auf Deck zu gehen für die Überfahrt. So haben wir beste Aussicht auf die weitere Beladung der Fähre, was abermals interessant ist. Die Überfahrt gefällt mir auch sehr gut, die Temperaturen in der Abendsonne und im Wind sind sehr angenehm :-) Angekommen in Banjul beginnt das Prozedere der Entladung von Neuem – und sind wir dann aber bald von Bord und nehmen die letzten Kilometer für heute unter die Räder. Auf der Fahrt erfahren wir dann noch mehr Hintergründe, wie wir auf das Schiff gelangt sind. Zum einen mussten die regulären Tickets gekauft werden – wie richtig gegen Quittung. Danach verlangte jemand noch Geld dafür, dass wir Koffer dabei haben – dies aber ohne Quittung… Und dann gab es die Möglichkeit, ebenfalls ohne Beleg, einen VIP-Status zu erkaufen. Dies bedeutet, dass man vorgezogen wird und schneller aufs Schiff gelangt. Anders gesagt, wer diesen zusätzlichen Betrag nicht zahlen möchte, wird einfach stehen gelassen und kommt dann vielleicht nach vielen Stunden aufs Schiff – oder auch erst morgen… Unser Guide hat uns gesagt, dass er einen fixen Betrag im Budget hat, da sonst auf der Strasse kein Durchkommen ist und hier ebenfalls nicht – so werden wir zum «very important payer». Er ist ein ruhiger Mensch, aber bei diesem Thema kommt ihm die Galle hoch – und mir auch. Solch korrupte Situationen schikanieren so viele Menschen und hemmen das ganze Land – und hinterlassen eine lähmende Ohnmacht. Es gebe seit vielen Jahren Projekte für eine Brücke. Diese kämen aber nicht voran, da am aktuellen Engpass so viele mitkassieren können. Dies macht wirklich gleichermassen traurig und wütend. Es hindert auch die Entwicklung des Landes. Korruption als Ganzes ohnehin und konkret hier auch. Das Land folgt dem Fluss Gambia auf einer Länge von über 300 Kilometern, ist dabei aber meist nur rund 30 Kilometer breit. Da es nur die besagten zwei Übergänge gibt – von welchen einer wie beschrieben nur beschwerlich funktioniert – bleibt das Land zweigeteilt. Im grösseren Massstab gilt dies auch für den Senegal, in welchem Gambia liege «like a banana in a mouth», so dass der Süden viel schlechter erschlossen ist. Die Brücke auf halben Weg, welche 2019 eröffnet wurde, habe aber schon vieles verbessert. Diese spezielle geografische Gegebenheit folgte aus der Geschichte. Weite Teile Westafrikas waren französische Kolonien. Die Engländer schafften es aber, den Fluss und das Umland unter Kontrolle zu behalten. Und so wurde aus dieser kleinen englischen Kolonie das Land Gambia. Dies bedeutet für mich, dass die Verständigung einfacher ist, da viele englisch sprechen. Die Volksgruppen im Senegal und in Gambia sind dieselben, aber die Amtssprache ist hier englisch und nicht französisch wie im Senegal. Unser Hotel liegt in einer sehr touristischen Zone – diese könnte identisch fast überall stehen. Es reiht sich ein Restaurant an eine Bar und ein Hotel… Alles eher auf der billigeren Seite. Wieder scheint es ein Thema zu sein, wo es genug Infrastruktur gibt. Unser Hotel liegt mit einem grossen Park direkt am Meer – heute ist es schon spät, aber morgen möchte ich die schöne Lage etwas nutzen. Es habe hier viele Touris aus Osteuropa, welche zu günstigen Preisen den Sommer im Winter finden. Zudem sei in Gambia vieles nur wenig reglementiert und sehr günstig, was ebenfalls Urlaubende anziehe… Von alledem interessiert mich heute nur noch die Essensauswahl. Und so gibt es ein sehr leckeres indisches Abendessen, was mich mit dem Ort grad wieder etwas «versöhnt». Wir sind für zwei Nächte hier, haben für den Tag morgen jedoch ein Programm, welches uns schnell wieder an interessantere Orte führen wird :-)

Donnerstag, 12. Februar 2026

Saint-Louis - Touba - Kaolack

Das Frühstück wird im schönen Restaurant des Hotels serviert – und ist sehr lecker. Im Unterschied zu anderen Orten wird mehr geboten als nur das Grundlegendste. Beim Auschecken erhalte ich eine handgeschriebene Quittung – wie fast überall. Die Hintergründe können sicher auch sein, dass es so weniger gut dokumentiert ist, jedoch scheint auch die fehlende Infrastruktur ein Thema zu sein. An verschiedenen Orten in der Stadt habe ich Kopier- oder Druckshops gesehen, da offensichtlich nur die wenigsten Personen über solche Gerätschaften verfügen. Vor der Abfahrt sehen wir Saint-Louis nochmals im schönsten Morgenlicht :-) Danach geht es wieder auf die Strasse – heute ist vor allem der Weg das Ziel und warten rund sechs Stunden Fahrt auf uns. Diese langen Tage im Bus sind durchaus anstrengend – aber ich finde sie auch sehr spannend, da es überall viel zu entdecken gibt und ich so die unterschiedlichen Regionen zu sehen bekomme. Bereits nach wenigen Minuten stoppt unser Bus jedoch ein erstes Mal für eine längere Zeit – eine Baustelle, an welcher an der neuen Verbindung in den Norden gearbeitet wird, blockiert die Strasse. Viele Autos haben diese Geduld nicht und so sehen wir eins ums andere an uns über den Sand vorbeifahren. Dies kann gut gehen – oder dann bleibt auch mal eines der Autos im Sand stecken… Die Zeit unterwegs nutzt unser Guide auch immer wieder, um uns weitere Infos über Land und Leute zu geben. Die Auswanderung ist für ihn ein grosses Thema – er sorgt sich darum, dass die jungen engagierten Menschen alle von der Auswanderung nach Europa träumten, statt das eigene Land aufzubauen. Der Brain Drain sei ein grosses Problem für das Land. Gleichzeitig kommen viele Migrierende aus den unsicheren Nachbarländern nach Senegal, dies sei nicht einfach, da viele einfach faul seien… Die Arbeitslosigkeit sei ein grosses Problem im Land und die Regierung schaffe es nicht, eine angepasste Ausbildung und genügend Jobs anzubieten. Die Bildung sei zu theorielastig und praktische Schulen gebe es nur wenig. Und die da ausgebildeten seien dann als Erste weg. Die Schulen hätten immer noch den Fokus auf Frankreich – hier wäre endlich eine Anpassung nötig, dass der Fokus auf dem Senegal und Afrika zu liegen komme. Denn so bleibe die mentale Abhängigkeit ein grosses Problem. Daher meint er: «we need a mental revolution!». Dazu spricht er auch den Nepotismus ein weiteres Mal an, welcher vieles hemme. Und, dass die grossen Firmen alle in der Hand der europäischen und amerikanischen Länder seien, was es für Lokale schwierig mache, voranzukommen. Aber die Regierung stütze dies. Das Land hätte so grosses Potenzial. Es ist fruchtbar, hat Wasser, viele Arbeitskräfte und eine grosse Energie. Mit den 4000.-, welche die Migration kostet, könnte vor Ort so vieles gestartet werden. Aber durch die erwähnte mentale Abhängigkeit gehe hier viel zu wenig. Reis ist das Grundnahrungsmittel im Land. Jedoch werde viel davon importiert, statt dass es lokal angebaut würde. Mehr und mehr komme aus Indien – lange war es vor allem China, aus welchem viel importiert wurde. Auf dem Weg machen wir kurz Halt an einem kleinen Laden, um Grundnahrungsmittel zu kaufen. Diese bringen wir in eine kleine Siedlung, welche von Nomaden bewohnt ist. Die Hütten haben die Form eines Iglus und bestehen aus getrockneten Blättern und Ästen. Diese werden nach einigen Wochen wieder abgebaut und an den nächsten Ort gebracht. Es ist spannend, hier zu sein. Gleichzeitig ist es ein komisches Gefühl, da wir mit Dingen kommen, um zu sehen wie sie leben. Daher bin ich froh, dass wir nicht lange bleiben. Den ersten grösseren Halt machen wir in Touba. In dieser Stadt steht die grösste Moschee von ganz Subsahara-Afrika und sie geniesst einen eigenen rechtlichen Status. Zwar sind die übergeordneten Gesetze von Senegal auch hier gültig, jedoch gibt es weitergehende Sonderregelungen, welche nur in diesem Perimeter gelten. Zum Beispiel ist Tabak und Alkohol im gesamten Stadtgebiet verboten. Wir erhalten eine Führung durch die Moschee, welche sehr schön ist. An vielen Orten wird gebaut, da sie mit jedem Jahr etwas grösser wird. Danach fährt die Gruppe zum Mittagessen in einem Restaurant, aber zu zweit lassen wir uns auf dem Weg abladen, um noch zu Fuss unterwegs zu sein. Und dies stellt sich als sehr gute Idee heraus. Wir finden uns wiederum mitten im Getümmel eines lokalen Marktes wieder :-) In einer Gasse wird alles verkauft, was mit Autos zu tun hat – alte Motoren, Pneus, Teile von Lüftungen, usw. Wiederum will uns niemand etwas verkaufen, dafür werden wir mit grossen Augen angeschaut nach dem Motto: was wollen denn die hier?? Die Temperaturen sind wie angesagt bei knapp 40 Grad und keine Wolke ist am Himmel, so dass der Spaziergang ziemlich schweisstreibend ist. Aber doch sehr lohnend. Danach geht es zurück in den Bus und machen wir uns auf den Weg nach Kaolack. Diese Stadt entwickelte sich zu einem Handelszentrum, da sie an einem wichtigen Verkehrskontenpunkt liegt. Sie ist berüchtigt für hohe Kriminalität, weshalb wir zuerst nur am Markt vorbeifahren sollten. Auf Nachfrage können wir aber doch aus dem Bus, so dass die halbe Gruppe mit unseren Guides auf einen Spaziergang durch den Markt geht. Wir lassen alle Wertsachen im Bus – haben aber nicht das Gefühl, dass es gefährlicher wäre als an anderen Orten, an denen wir schon waren. Aber es soll wohl einfach auf Nummer Sicher gegangen werden, was ja auch gut verständlich ist. Das Hotel hier ist schön gelegen an einem Flussarm, an welchem Salz abgebaut wird. Die Terrasse ist schön und der Sonnenuntergang ergibt eine schöne Stimmung. Diese wird leider etwas getrübt von der Vielzahl an Mücken, welche hier zu finden sind. Ich gebe mir die volle Ladung Anti-Brumm und lange Kleidung, in der Hoffnung dass andere einfacher zu beissen sind. Der erste Eindruck ist, dass dies geklappt hat, ich bleibe mal zuversichtlich :-) Mit dem Essen klappt nur sehr wenig, aber dies gehört auch zum Erlebnis vor Ort. Nach langem Warten erhalte ich dann in einem vernebelten Kantinen-Raum noch etwas erstaunlich Gutes vorgesetzt. Dafür war das Warten auf der Terrasse in der lauen Abendluft doch ganz angenehm.