Montag, 16. Februar 2026

Cap Skirring - Ziguinchor

Wir starten heute etwas später in den Tag – da wir heute weniger Programm haben und dafür morgen eine umso längere Fahrt auf uns wartet… Und so geniesse ich den Sommermorgen im Garten unseres Hotels, um etwas auszuspannen. Gestern wurde es noch etwas später als ursprünglich geplant, da ich noch die Möglichkeit hatte, mit einem der Guides um dem Fahrer zu plaudern – zuerst auf Französisch, dann auf Englisch. Daher hatte der zweite Teil des Gesprächs etwas mehr Substanz, aber mein Französisch macht doch Fortschritte in den Tagen hier ;-) Unser Guide ist zweigleisig unterwegs. Zum einen arbeitet er als Guide für Intrepid und andere Anbieter. Hier ist es ebenfalls spannend, Hintergründe zu erfahren. Und zum anderen hat er mit Freunden eine Farm, welche ökologisch arbeitet und Arbeitsplätze für die lokale Jugend bieten soll. Da das Land wie früher schon erwähnt für die Landwirtschaft sehr geeignet sei, hofft er, dass sie dies kontinuierlich ausbauen könnten. Die Farm «Karamba» bietet auch Möglichkeiten für Freiwilligen-Einsätze, zum Beispiel in einem Zwischenjahr. So geniesse ich diesen Austausch, welcher weiterführen kann als die «reguläre» Interaktion im Bus. Die erste Etappe führt uns ins «Openair- und Living Museum of the Jola». Dieses findet sich in einem Wald, welcher für Initiationsriten für Männer wichtig ist. Hier empfängt uns ein Guide aus der besagten Volksgruppe und erläutert uns viel über die Gebräuche und Geschichten der Jola. Dies ist sehr informativ und interessant :-) Unter anderem erfahren wir, dass eigentlich alle mehrere Namen haben – einen traditionellen und einen muslimischen oder französischen. Letzterer ist derjenige, der im Pass zu finden ist, auch wenn sich dies für viele Personen falsch anfühle. Beerdigungen sind ebenfalls ein wichtiges Thema. Beerdigungsrituale wurden auch durchgeführt, wenn jemand als Sklave verschleppt wurde – dies sei wichtig gewesen, da diese Person ansonsten nach ihrem Tod nie zur Ruhe gekommen wäre. Im Animismus gibt es verschiedene sogenannte «Fetisch»-Orte, welche von Geistern bewohnt sind und welche angerufen werden, wenn jemand Hilfe benötigt. Hier werden auch Opfergaben erbracht – je grösser der Wunsch, desto bedeutender hat die Opfergabe zu sein. Die besagten Initiationsriten sind für die lokale Bevölkerung auch heute noch von grosser Bedeutung, auch wenn ein anderer Glaube gelebt wird, da ohne einem solchen jemand von der Gemeinschaft nie als vollwertiges Mitglied akzeptiert wird, egal welcher Status oder Reichtum ansonsten vorhanden wäre. Dies ist auch wichtig für Personen, welche ins Ausland migriert sind. Um anerkannt zu werden, müssen sie hierfür zurück an ihren Heimatort kommen. Diese Riten erfolgen für Männer und Frauen unterschiedlich – und was bei den Einen passiert sei für die Anderen tabu! Darüber dürfe nie geredet werden. Was mehrfach erwähnt wurde und wichtig ist: die weibliche Genitalverstümmelung werde nirgends mehr durchgeführt und stehe unter schwerer Strafe. Wir erfahren zudem, dass ein Grossteil der Erziehung durch die Grossmütter erfolge, da die Mutter und der Vater am Arbeiten und somit wenig zu Hause sind. Ein wichtiges Wort sei «Teranga». Dieses steht für Solidarität in der Gemeinschaft – von dieser war an anderen Tagen schon die Rede. So sei auch das gemeinsame Essen aus der gemeinsamen Schüssel von grosser Bedeutung für den sozialen Zusammenhalt. Dieses ist tatsächlich an vielen Orten zu beobachten. Das wichtigste Nahrungsmittel dabei ist der Reis. «Wenn ich zwei Tage am Stück kein Reis esse, dann ist nicht mehr gut», meint daher unser Guide im Museum. Wenn jemand etwas Unredliches gemacht habe, fände im Unterschied zu den Katholiken die Beichte nicht einfach beim Priester statt – sondern vor der versammelten Gemeinde, was mit einem grossen Gesichtsverlust einhergehe. Daher gebe es nur sehr wenig Kriminalität. Dies muss natürlich für die grösseren Siedlungen so nicht mehr stimmen, jedoch hatte ich bisher – zumindest tagsüber – noch an keinem Ort ein ungutes Gefühl, auch wenn ich alleine unterwegs war. Nach diesem ausführlichen Halt fahren wir noch weiter nach Diembereng – mir gefällt der Klang dieses Ortes :-) Hier sind wir noch einmal in einem kleinen Dorf und können die Produkte einer kleinen Handwerks-Kooperation von Frauen sichten – und kaufen ;-) Fürs Mittagessen geht es zurück nach Cap Skirring. Heute hat es hier deutlich mehr Betrieb auf den Strassen und in den Shops, die Ruhe gestern war wohl dem Sonntag geschuldet. Ich lasse das Mittagessen wiederum aus, um durch die Gassen zu ziehen und all dies auf mich wirken zu lassen. Dies finde ich wirklich spannend, da es immer wieder Neues zu entdecken gibt :-) Im Anschluss fahren wir zurück nach Ziguinchor, wo wir auf dem Hinweg schon mal Halt gemacht hatten für die Mittagspause. Auf der Fahrt sehen wir wiederum schöne Mangrovenfelder, kleine Dörfer, unzählige Verkaufsstände an der Strasse und einiges mehr. Unter anderem auch immer wieder Tafeln, welche über vom Ausland finanzierte Hilfsprojekte informieren. Und Frauen, welche mit grossen Behältern an Brunnen stehen. Dies ist zum Glück nur selten der Fall, an den meisten Orten scheint nicht nur Strom, sondern die Versorgung mit Wasser abgedeckt zu sein. Drei weitere Dinge, welche in diesen Tagen immer wieder aufgefallen sind: Zum einen ist der Sand im ganzen Land wirklich omnipräsent – neben jeder Strasse geht es im Sand weiter und auf den Feldern ist ebenfalls immer wieder viel Sand zu sehen. Dazu rennen überall Hühner herum und auch andere Tiere wie Gänse, Ziegen oder Schafe sind vielerorts Teil des Stadt- oder Dorfbildes. An vielen Orten sind auch die Städte gefühlt eine Aneinanderreihung von Dörfern. Und viele Menschen tragen T-Shirts mit Aufschriften von französischen Tennisclubs oder deutschen Firmen – diese dürften früher einmal in einer Altkleidersammlung abgegeben worden sein. In Ziguinchor mache ich mich nochmals auf einen Spaziergang durch die Stadt. Am Abend hat es hier deutlich mehr Leben als damals am Mittag, jedoch finden sich im Unterschied zu Cap Skirring keine Touris mehr auf den Strassen. Die Läden sind gut frequentiert – diese verkaufen von Kleinstmengen wie einzelnen Maggi-Würfeln bis zu Grossmengen wie 25kg-Säcken an Reis fast alles, wenngleich sie selten grösser als ein paar Quadratmeter sind. Nach der Rückkehr setze ich mich ans Wasser – unser Hotel liegt schon am Fluss Casamance, welcher auch Namensgeber für die ganze Provinz ist. Im Landesinneren ist es noch heisser als gestern am Strand, die Temperaturen reichten nahe an die 40 Grad. In der Dämmerung dürften es immer noch rund 30 Grad sein, aber dies fühlt sich schön an :-) Am Wasser sind dann aber auch einige Mücken zu erwarten, aber zu meiner Freude hat es hier zum ersten Mal Mückennetze ums Bett, was mich in der Nacht deutlich entspannter liegen lassen wird. Zuvor gibt es aber noch ein leckeres Znacht auf der schönen Terrasse im Wasser :-)

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