Sonntag, 15. Februar 2026

Banjul - Ziguinchor - Cap Skirring

Nach einem kurzen Frühstück auf der schönen Terrasse unseres Hotels geht es wieder auf die Strasse. Heute wartet wieder ein langes Teilstück auf uns – welches aufgrund der Strassenverhältnisse noch länger wird, als ich es um diese Zeit erwarte… Wir fahren los in Richtung Grenze. Zwischen Gambia und dem Senegal hat es nur wenige Verbindungen – wie allgemein in beiden Ländern nur wenige Hauptachsen zu finden sind. Noch in Gambia machen wir einen kurzen Halt bei einem Viehmarkt. Hier werden viele Ziegen angeboten, dazu auch Schafe und unterschiedliche Rinderarten. Es herrscht nur wenig Betrieb. Da es sich hier nicht um einen Markt handelt, welcher täglich offen ist, sei selten viel los, da sich die Kundschaft über den Tag verteile. Nur vor grossen Feiertagen liefen die Geschäfte gut, da für die Feierlichkeiten oder Opfergaben eingekauft würde. Danach nehmen wir das letzte Stück unter die Räder, um an die Grenze zu gelangen. Heute ist es auf der gambischen Seite etwas mühseliger als bei der Einreise. Es hat nicht viele Leute und ich gelange schnell zum Schalter. Jedoch bleibt mein Pass da – ohne mich. Dies sei effizienter, da alle Pässe gesammelt an den Guide gehen könnten… Ja genau! Es wird dann so sein, dass der Guide alle Pässe in die Hände gedrückt erhält – nachdem er ebenfalls etwas in die Hände gedrückt hat… Es ist ein so ohnmächtiges Gefühl. Da stehe ich inmitten vom Nichts und habe keinen Pass mehr. Und wenn ich das schmutzige Spiel nicht mitspiele, bleibe ich einfach da stehen. Auf der senegalesischen Seite ist es nur eine bessere Bretterbude, in welchem ein Soldat Dienst tut und unsere Dokumente kontrolliert – dann geht’s schnell weiter. Weiter in Richtung Süden. Diese Südprovinz ist wie schon erwähnt schlecht erreichbar vom nördlichen Teil, da sowohl der Fluss als auch das Land Gambia einen 300 Kilometer langen Keil zwischen den beiden Regionen darstellt. Dies hindert auch die wirtschaftliche Entwicklung. Dies wird unter anderem bei der Infrastruktur spürbar. Die Strassen sind hier immer wieder von vielen und grossen Schlaglöchern gesäumt, so dass unser Fahrer zum geübten Slalomfahrer wird. Ebenso hat es viel mehr Kontrollposten der Gendarmerie. Diese dienten jedoch wirklich der Kontrolle – die Grenze zu Guinea-Bissau sei nahe und von da kämen immer wieder Güter auf illegalem Weg ins Land. Neben der Strasse sind nur vereinzelt kleine Dörfer zu sehen, die ganze Region scheint nur dünn besiedelt. In einem der Dörfer machen wir einen kurzen Halt, damit wir sehen können, wie die Lebensverhältnisse sind. Wir stoppen bei einem Anwesen, welches – wie hier üblich – von einer ganzen Grossfamilie bewohnt wird. Es handelt sich dabei um mehrere einstöckige Häuser, welche um einen grossen Hof angeordnet sind, auf welchem auch Hühner und Ziegen zu finden sind. Gastfreundschaft werde hier besonders gross geschrieben, weshalb wir an einem beliebigen Ort anhalten könnten um «hallo» zu sagen. Der Ort scheint zufällig gewählt, gleichzeitig wird am Schluss eine kleine Note als Dankeschön den Besitzer wechseln. Die Vegetation um uns herum ist weiter ziemlich üppig – wir sind im Bereich der Trockensavanne unterwegs, in welcher die Regenzeit gut sechs Monate dauert. Die intensiven Niederschläge in dieser Zeit reicht aus, um auch grössere Bäume gedeihen zu lassen. Dies wird immer wieder unterbrochen von weiten Flussbereichen, welche zum Teil mit Wasser gefüllt und zum Teil ausgetrocknet sind. In der Regenzeit sei hier alles gut gefüllt und je Ebbe und Flut reiche das Wasser weiter in diese Deltalandschaft des Ästuars hinein. Wir sehen dabei viele Mangroven, welche auch wieder aufgeforstet werden. Die ökologische Entwicklung der Region sei eigentlich das Ziel, jedoch klappe dies leider nur teilweise. Wir fahren dann über den grossen Fluss Casamance, welcher zugleich Namensgeber für die ganze Region ist, nach Ziguinchor. Diese Stadt ist das Zentrum dieser Südprovinz und gleichzeitig das Zentrum des christlichen Glaubens im Land. Ich lasse die Mittagspause wieder aus, um einen Spaziergang durch die Stadt zu unternehmen. Diese hat nur ein kleines und ziemlich ruhiges Zentrum – dies ist der wichtigste Handelsort des Südens und in keiner Weise vergleichbar mit den so lebendigen Städten des Nordens. Wir gehen noch weiter, da wir aus dem Bus riesige Berge von Erdnüssen gesehen haben, welche wir noch in Ruhe und aus der Nähe sichten möchten. Es ist sehr beeindruckend! Es sind wirklich viele solcher riesigen Gebilde an Erdnüssen, auf welchem ganze Förderbänder und fast schon «Bergsteiger» zu sehen sind. Ein grosser Wagen wird grad entladen, was dann hingegen mit Schaufeln und Schubkarren passiert – wir können nur erahnen, wie lange so etwas dauern kann, bis dann ein solcher Berg aufgeschüttet ist. Die so gelagerten Erdnüsse sind nicht für den direkten Verzehr gedacht, sondern dienen der Ölproduktion. Nach dem Mittagessen führt uns der Weg wieder in den Westen zurück in Richtung Meer. Jedoch nehmen wir nicht den direkten Weg, sondern machen einen Umweg über Miomp. Hier hat es sehr eindrückliche, 900 Jahre alte Bäume mit riesigen Wurzeln. Und ein kleines Museum, in welchem die Kultur der «Jola» vorgestellt wird. Diese Volksgruppe ist hier im Süden die Grösste. Wir erhalten eine kurze Führung von einem lokalen Guide, welche interessant ist. Und danach haben wir die Möglichkeit, den lokalen König zu treffen. Dieser wohnt in einem Haus mit Innenhof, ganz ähnlich dem am Vormittag besuchten. Er herrscht über 14 Dörfer – nicht im politischen, sondern im gesellschaftlichen Sinne. Er kümmert sich um alle Belange der Dörfer und schlichtet Streit, fördert Initiativen, hört die Sorgen der Bewohnenden. Dieses Amt rotiert zwischen den wichtigsten vier Familien und ein Ältestenrat beschliesst jeweils, wer der nächste König wird. Der amtierende König war zuvor Geschäftsmann im Norden des Landes – und wurde dann zurückgeholt, um sein Leben der Gemeinschaft zu widmen. Als König darf er nicht arbeiten, sondern erhält Zuwendungen der «Untertanen». Man könne sich für dieses Amt nicht bewerben – und ablehnen sei auch nicht zulässig. Seit 1665 sind es erst neun Könige gewesen und unser Gesprächspartner kam 2020 im Alter von 38 Jahren ins Amt. Wir dürfen ihm während einer halben Stunde viele Fragen stellen, was sehr spannend ist. Danach folgt die letzte Etappe bis nach Cap Skirring. Dies ist ein Ort, der fast ausschliesslich vom Tourismus und dem schönen Strand lebt. Es hat ein kleines Zentrum, welches wir erst aus dem Bus sehen, da unser Hotel etwas entfernt im Niemandsland gelegen ist. Gleich nach der Ankunft mache ich mich auf den Weg an den nahegelegenen Strand, um den schönen Sonnenuntergang über dem Meer zu sehen :-) Es ist immer noch schön warm und ins rötlich beleuchtete Wasser zu sehen einfach schön. Der Strand besteht aus feinem Sand und zieht sich in beide Richtungen bis zum Horizont. Gleichzeitig gibt es auch weniger schöne Eindrücke: es liegen viele tote Fische am Strand, die Beach Bar unseres Hotels ist zerfallen und in diesem Zustand unverändert liegen gelassen und auch das Hotel daneben bedürfte einiger Investitionen. Das Abendessen wird dann im Hotel serviert, da es wenig Optionen in der Nähe hat. Da ich im Bus schon gesnackt habe, leiste ich einfach Gesellschaft. Trotz nur weniger Gäste funktioniert vieles nur bedingt – aber es sind ja Ferien, daher stört dies nur wenig. So geniesse ich noch einen ruhigen Sommerabend, bevor ich müde ins Bett falle.

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