Hier finden sich in loser Folge immer wieder Berichte von Reiseerlebnissen. Ab dem 7. Februar 26 bin ich in Senegal und Gambia unterwegs, so dass hier während der nächsten beiden Wochen meine Eindrücke zu finden sein werden. In den Posts vom Sommer 24 bis zum Februar 25 finden sich die Erlebnisse unserer halbjährigen Reise. P.S. Die gesammelten Berichte der Weltreise 2014 und der Reise in die Antarktis etc. finden sich als pdf-Link bei den Daten und 17. 9. 2021 und 21. 3. 2023
Montag, 9. Februar 2026
Dakar - Lac Rose - Saint-Louis
Der Wecker klingelt mich aus dem Schlaf – vor mir liegt ein langer Tag unterwegs, auf welchen ich mich freue. Der erste Weg führt mich aber nochmals an der Strand. Die Luft ist knapp 20 Grad war und riecht gut – das Meer, die Wärme, all dies ist zu spüren :-) Am Strand herrscht bereits viel Betrieb, einige sind im Wasser am Schwimmen oder Trainieren und im Sand wird gejoggt, gerannt oder Krafttraining gemacht. All dies zum Teil alleine oder Gruppen organisiert.
Nach einem kurzen Frühstück geht’s auf die Strasse – angesagt sind rund fünf Stunden Fahrt, am Abend werden es mehr als sieben Stunden gewesen sein. Um die Stadt herum herrscht rege Bautätigkeit – gefühlt überall wird gebaut oder gewerkelt, das ganze Land scheint eine einzige Baustelle zu sein. Besonders stimmt dies in der Zone bis zu zwei Stunden um Dakar herum. Aber auch an anderen Orten sind viele Menschen auf dem Bau im Einsatz. Vielerorts werden die Ziegel hierfür direkt vor Ort gepresst und gebrannt, das Wetter lässt dies zu. Viele Häuser sind erst halbfertig – dies hängt mit den begrenzten Möglichkeiten zusammen, an Kredite zu kommen. Solche seien für «normale» Menschen kaum zugänglich, daher beginne man einfach mit dem Bau – und sobald wieder etwas Geld angespart werden konnte, folgt eine nächste Bauetappe. Das schnelle Bevölkerungswachstum bedeutet zudem einen starken Bedarf nach neuem Wohnraum. All dies wird die grossen Verkehrsprobleme um Dakar wohl weiter verschärfen. Es sei hierfür eine neue Autobahn geplant. Der Bau verzögere sich aber immer wieder, zum einen ist die Finanzierung eine Herausforderung, zum anderen stünden viele illegale Bauten im Weg, für welche zuerst eine Lösung gefunden werden müsse. Allgemein würde viel ohne Bewilligung gebaut, was ein grosses Problem darstelle. Legal gebaut wird in der Zone um die neuen Stadien, welche ich auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt gesehen hatte. Hier wird im grossen Stil ein neues Geschäftszentrum aus dem Boden gestampft. Dieses soll die überlastete Hauptstadt entlasten und werde vor allem von afrikanischen Firmen finanziert, was unserem Guide wichtig ist.
Wir fahren weiter, nach den letzten Vororten wechseln wir kurz auf die Autobahn. Es hängt steter Dunst in der Luft – es ist eine Mischung aus Sand, Staub und Dreck. An den Minibussen hat es jeweils eine Person, welche hinten «surft» und die Mitfahrenden organisiert. Viele von diesen tragen zu ihrem Schutz Gesichtsmasken.
Auffällig ist auch ausserhalb der Stadt der viele Müll, der überall herumliegt. Sei es der Strasse entlang, in den Dörfern oder auf den Feldern. Alles ist voll mit Plastikmüll – dieser Anblick macht traurig. Im Hintergrund ist dazu ein kleiner Berg zu sehen. Dabei handle es sich jedoch nicht um einen natürlichen Berg, sondern um die Abfallhalde von Dakar…
Die Fahrt geht voran, Dörfer, einzelne Häuser und Felder wechseln sich ab. Der Boden ist sehr trocken, wir sind mitten in der Trockenzeit. Immer wieder finden sich improvisierte Stände am Strassenrand, welche alles Mögliche verkaufen. Ich frage mich immer wieder, wer all dies kaufen soll, aber anscheinend würden diese Stände gut funktionieren, so unser Guide. In den Dörfern herrscht stets viel Betrieb, sie ähneln sich mit kleinen Läden, offenen Werkstätten, Buden direkt am Strassenrand, Motorradfahrer, welche auf Kundschaft warten, um diesen als günstiges Taxi zu bieten, Lastwagen, welche beladen werden, … Viele der Dörfer bestehen aus der geteerten Hauptstrasse, währenddem alle anderen «Strassen» nur Sandpisten sind. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen wie diese während der Regenzeit aussehen dürften. Allgemein sei die Infrastruktur nicht so gut, so dass im Sommer (=Regenzeit) oftmals Bereiche überschwemmt seien.
Alle Beschriftungen von Werbungen, aber auch kleinen Läden sind auf Französisch, was mich erstaunt, da die mit Abstand wichtigste Sprache das Wolof ist. Dieses hat ein eigenes Alphabet, was viele nicht beherrschen würden, da in der Schule ab der ersten Klasse mit dem lateinischen – sprich hier französischen – Alphabet unterrichtet werde. Es habe vor einigen Jahren den Versuch gegeben, auch mit Wolof zu alphabetisieren, dies sei aber im Sande verlaufen. Ebenfalls oft zu sehen sind Männer, welche am Strassenrand sitzen und warten. Dabei handle es sich um Tagelöhner, welche auf Arbeit auf einer Baustelle hofften. Es sei sehr schwierig, einen Job zu erhalten und die Bezahlung sei sehr schlecht.
An fast jedem Laden sehen wir einen Pinguin winken. Dabei handelt es sich um die App «wave», mit welcher Zahlen mit dem Handy ermöglicht wird. Gleichzeitig fällt auf, dass viel weniger Mobiltelefone zu sehen sind im Strassenbild. Und wenn, dann um zu telefonieren. Es sind nur wenige zu sehen, welche an der Strasse sitzen und auf den Bildschirm starren. Dafür sind viele zu sehen, welche herumsitzen und gefühlt einfach Zeit totschlagen. Zum Teil sprechen die Gruppen miteinander, aber auffallend häufig ist keine Interaktion oder Aktivität zu erkennen.
Nach eineinhalb Stunden interessanter Fahrt kommen wir am «Lac Rose» an. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Lagune, welche durch das Wachsen einer Sanddüne vom offenen Meer abgeschnitten wurde und somit ideale Bedingungen für Evaporite ermöglichte. So entstand am Boden eine dicke Salzschicht, welche nun abgebaut wird für den Export. Das Wasser ist extrem salzhaltig, was die Arbeit im Wasser für die Haut unangenehm machen kann. Das Wasser ist nur rund einen Meter tief und die Männer klopfen mit langen Stäben die Salzschicht auf, um dann einen durchlässigen Korb zu füllen und so jeweils ca. 25 Kilo Salz zu heben. Diese Arbeit ist extrem anstrengend und werde fast ausschliesslich von malischen Gastarbeitern gemacht. Es herrschten dabei kaum Regeln und eine Lizenz sei nicht nötig, was zu einem unübersichtlichen Wildwuchs geführt habe. Total würden aber knapp 1000 Menschen hier arbeiten, welche rund 24 Tonnen Salz fördern. Die Farbe des Sees entsteht durch ein Bakterium. Wir sind auf einem kleinen Boot unterwegs und können den Abbau und die schöne Landschaft aus der Nähe sehen. Daneben fahren wir in einem grösseren Gefährt noch über die besagte Düne und dem Meer entlang. Die Szenerie ist sehr schön, die «Spassfahrt» à la Paris-Dakar auch etwas fragwürdig… Apropos Rallye. Am See hat es ein Denkmal für den Gründer der Rallye, welche seit einigen Jahren leider nicht mehr stattfinden könne, aufgrund von Sicherheitsproblemen in der Sahara. Für viele Dörfer hier bedeute dies grosse Verdienstausfälle, weshalb versucht wird, die Lücke durch kleinere nationale Rennen zu füllen.
Die Mittagspause machen wir in Thièrs. Hier bleibe ich bei meiner Taktik, dass ich das gemeinsame Essen auslasse, um etwas mehr Zeit für Erkundungen zu haben. Heute umso mehr, als dass ich schon viel im Bus sitze und es drum geniessen, noch zu Fuss unterwegs zu sein. Es handelt sich um eine grössere Stadt, welche aber im Vergleich zu den Dörfern gar nicht so unterschiedlich daher kommt. Es scheint dasselbe in vielfacher Ausführung zu sein. Auffällig ist, dass es nur wenige Restaurants, Cafés oder Bars hat, was ein deutliches Zeichen ist, dass hierfür die Nachfrage nicht vorhanden scheint. Das Land liegt beim HDI nur auf dem 169. Rang, was sich auch an solchen Beobachtungen zeigt. Dafür sind immer wieder Gruppen von Menschen zu sehen, die auf dem Boden sitzen und gemeinsam aus einer grossen Schale essen. Getrunken wird zum Teil aus kleinen Säckchen, in welchen Trinkwasser günstig verkauft wird. Diese sind im Anschluss aber auch in grossen Mengen leer auf dem Boden zu finden. Das Überqueren der Strasse ist hier durchaus eine Herausforderung, da unterschiedlichste Fahrzeuge auf mehreren, nicht klar gekennzeichneten Spuren unterwegs sind. Allerdings helfen klare Handzeichen, um auf sich aufmerksam zu machen…
Während ich durch die Strassen spaziere, werden an vielen Orten Teppiche ausgelegt. Es ist offenkundig Zeit für das Gebet, was durch die erklingenden Töne aus der nahegelegenen Moschee bestätigt wird.
Danach geht es weiter auf der Strasse. Wir befahren die N2, also eine der wichtigsten Strassen des Landes. Das Vorankommen ist aber einigermassen beschwerlich, zum einen weil in den Dörfern immer nur eine langsame Fahrt möglich ist und zum anderen, da viele langsame Lastwagen unterwegs sind, welche überholt werden müssen. Für mich ist dies kein Problem, da ich insbesondere in den Dörfern so viel entdecken kann. Im Alltag ist dies aber sicherlich ein Hindernis.
Ansonsten hat es immer weniger Verkehr, je weiter wir nach Norden gelangen. Wir sind mittlerweile in der Sahelzone angekommen und fahren durch viel Steppenlandschaft, ohne grössere Bebauung. Hier sind es oftmals weniger Dörfer als vielmehr Häuser oder Häusergruppen, welche gefühlt zufällig im Sand stehen. Ich sehe Stromkabel und recherchiere daher, wie es um die Abdeckung mit Elektrizität steht. Dabei finde ich bei der Weltbank die Zahl von 84% der Bevölkerung, welche Zugang zu Strom hat. In städtischen Regionen seien es 100%, in ländlichen Gegenden rund 70%. Diese Zahlen sind in den letzten 15 Jahren stark angestiegen. Auch die Netzabdeckung fürs Handy ist bis anhin gut, ich schaue immer mal wieder, wie es aussieht, aber zumindest entlang dieser Strasse funktioniert es fast immer.
Wir haben nochmals eine lange Etappe vor uns – unser Fahrer macht zum Glück einen sehr souveränen Eindruck, was angesichts der nicht immer im besten Zustand vorzufindenden Strassen beruhigend ist. Wir kommen an verschiedenen Tankstellen vorbei, welche alle die selben Preise aufgeführt haben. Meine Vermutung wird vom Guide bestätigt, es handelt sich um von der Regierung festgesetzte Preise. Diese betragen 920 CFA pro Liter, was rund 1.30 CHF entspricht – verglichen mit den übrigen Preisen hier ist dies ein sehr hoher Preis. Fast jede Stadt, durch welche wir fahren, wird mit einer lokalen Spezialität verbunden, was am Strassenrand seine Entsprechung findet. Zum Beispiel fahren wir einmal durch die «Stadt des Leders», so dass an den Ständen unzählige Lederwaren in der Auslage zu finden sind. Ebenfalls auffällig sind die vielen Kontrollposten der Gendarmerie. Wir werden jeweils durchgewunken, aber ich könnte mir vorstellen, dass dies nicht für alle immer so einfach der Fall ist… In meinem Reiseführer steht denn auch, dass das Fahren mit dem eigenen Auto schwierig sein könne, da die Polizei immer einen Grund finde, zu kassieren. Im Sand neben der Strasse sind auch immer wieder Menschen zu Fuss unterwegs, zum Teil weit weg von irgendwelchen Gebäuden. So sind wohl weite Wege zurückzulegen.
Nach langer Fahrt kommen wir dann in Saint-Louis an. Diese Insel am Senegal River und ganz im Norden an der Grenze zu Mauretanien gelegen, war schon vor der Kolonialisierung eine wichtige Stadt und wurde in der Folge zur Hauptstadt von ganz Westafrika gemacht. Das alte Zentrum liegt auf einer Insel im Fluss, das neue Zentrum ist ebenfalls wieder ein sehr lebendiger und quirliger Ort, den wir jedoch nur durchfahren. Eine eindrückliche Brücke führt uns dann auf die Insel, wo wir ein altehrwürdiges und sehr schönes Gasthaus mit Innenhof bewohnen. Es hat auch ein schönes Restaurant, in welchem wir sehr lecker essen können. Zuvor mache ich mich jedoch auf eine erste Erkundung. Die Stadt ist eines der wichtigeren Tourismus-Ziele. Dies ist aber eine relative Aussage. Die Strassen sind nur spärlich beleuchtet und so werden die alten Häuser erst morgen wirklich zu sehen sein. Und trotz des lauen Abends finden sich keine Cafés oder ähnliches, um diesen noch draussen geniessen zu können. Es sind nur wenige Hotel-Restaurants für Touris zu finden oder dann kleine Teestuben im Inneren. Ich bin gespannt darauf, wie sich die Stadt bei Tag anfühlen wird.
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