Dienstag, 17. September 2024

Tag 67 – Fukuoka – Beppu (Dienstag, 17. September)

Wir nehmen den Zug in Richtung Beppu. Auf Kyushu fahren kaum mehr Shinkansen-Züge, aber es erwartet uns ein moderner Intercity, welcher uns über die Insel fahren soll. Ich staune zuerst, dass unsere Sitze 1c und 1d zuhinterst im Wagen sind – erkenne aber nach einer Zeit den Grund, als der Zug die Fahrtrichtung wechselt – und alles Sitze einmal gedreht werden, so dass alle immer vorwärts fahren können :-) Die Fahrt geht durch viele Reisfelder, immer wieder sind bewaldete Hügel zu sehen und die eine oder andere Siedlung durchfahren wir auch. Nach gut zwei Stunden kommen wir in Beppu an. Dieser Ort ist berühmt für seine heissen Quellen – es sollen über 2000 sein! Wir haben ein modernes Hotel im traditionell japanischen Stil gebucht, welches direkt beim Bahnhof liegt. Dieses ist sehr schön eingerichtet – aber erst nach der «Schuhschleuse» zu erreichen. Gleich hinter der Eingangstür müssen alle nach rechts in den Schuhsaal – hier werden die Schuhe in ein Kästchen geschlossen, so dass man die ganze Zeit in den Socken oder barfuss unterwegs ist. Ein Hotel nach meinem Geschmack :-) Wir sind etwas zu früh fürs Check-in und machen daher einen kurzen Spaziergang durchs Dorf. Die Temperaturen sind eigentlich zu heiss hierfür, so dass wir nur kurz zum Meer und zurück gehen. Viele Gebäude scheinen ihre beste Zeit schon hinter sich zu haben, daher finden wir kein schönes Café oder eine andere Oase. Dafür im Untergeschoss eines Einkaufszentrums ein heisses Thermal-Fussbad, welches umsonst genutzt werden kann. Und so probieren wir dieses aus – das Wasser ist heiss, das Erlebnis lustig. Dann gehen wir zurück ins Hotel. Die Zimmer sind sehr schön eingerichtet – und das Highlight des Hotels sind die «private onsens». Diese sind im obersten Stock zu finden und nicht reservierbar – es gilt «first come first served». Wir versuchen es und nach nur wenigen Minuten können wir in unser eigenes kleines Bad. Dieses ist gleich eingerichtet wie die klassischen Onsen mit der Dusche mit Stuhl und Spiegel, um sich vorgängig zu waschen – und dann können wir in den Pool mit Thermalwasser, der auf der obersten Terrasse und an der frischen Luft ist – herrlich! Das Wasser ist rund 40 Grad warm, so dass es kein Problem ist, dass die Benützung auf 45 Minuten begrenzt ist, irgendwann bin ich genügend aufgeheizt… Im Anschluss möchte ich zu einem Aussichtspunkt. Beppu liefert berühmte Bilder von einem Dorf im Dampf der heissen Quellen. Es handelt sich dabei aber mehr um eine Stadt als um ein Dorf, so dass der gesuchte Ort etwas entfernt liegt. So buche ich zum ersten Mal eines der schönen, klassischen Toyota-Taxis. Der Fahrer kann die hintere Tür per Handgriff öffnen und schliessen und die Sitze sind mit herzigen Überzügen geschützt. Mein Fahrer spricht ziemlich gut Englisch, fragt mich einiges und erzählt vieles über Beppu. Die Fahrt zum gewünschten Ort dauert eine Viertelstunde und führt über eine grosse Strasse der Küste entlang. Hier zeigt sich die Stadt als «Un-Ort» mit vielen Parkplätzen, Imbissbuden, Tankstellen etc. Dann biegen wir ab und fahren auf einen Hügel – und von hier bietet sich ein faszinierendes Panorama. Im Gegenlicht der untergehenden Sonne dampfen eine Vielzahl von Quellen und hüllen das Dorf in kleine Nebelbänke. Dies ist wirklich sehr schön anzusehen. Am Abend ist die Temperatur wieder im angenehmen Bereich und so machen wir uns auf einen Spaziergang dem Meer entlang. Der Vollmond spiegelt sich im Wasser und leuchtet wunderschön :-) So bleiben wir eine Weile hier und geniessen den Moment. Danach gehen wir noch weiter durchs Dorf und finden uns ein kleines Restaurant fürs Znacht. Hier erhalten wir einen Tisch in einer Art Loggia – mit Läden, welche immer die Hälfte offenlassen und verdecken. Wenn wir bestellen oder das Essen zum Tisch kommt, werden diese geöffnet – und sind wir verdeckt. Und im Anschluss werden sie wieder geschlossen, so dass wir zu sehen sind, dafür der Tisch nicht mehr. Was mir sehr gefällt sind die offenen Küchen, welche es vielerorts hat. So kann ich dem Koch bei seinem Handwerk zusehen, was grad hier sehr interessant ist, da er spezielle Fleischgerichte zubereitet. Das Essen ist bestens – und danach gehen wir zurück ins Hotel. Um 22.00 gibt es im Restaurant noch Ramen aufs Haus – und fast alle sind in den bereitgestellten Pyjamas unterwegs. Dies sorgt für einen «heimeligen» Rahmen :-)

Tag 66 – Fukuoka (Montag, 16. September)

Wir beginnen den Tag mit einem guten Frühstück im Hotel – und sind bereit für den Tag. Wir nehmen die U-Bahn, um zum «Tōchō-ji» zu gelangen. Dies ist ein buddhistischer Tempel, welcher aus mehreren Gebäuden besteht. Die Haupthalle ist begehbar, nicht-Buddhisten müssen jedoch hinter den Treppenstufen bleiben. Wir erhalten aber einen guten Eindruck des Gebäudes. Im oberen Stock steht eine über zehn Meter hohe hölzerne Buddha-Figur, unter welcher Besucherinnen durchgeführt werden und wo es Bilder und einen komplett verdunkelten Durchgang hat. Die Dunkelheit im schwül-heissen Ambiente ist speziell... Am besten gefällt mir die Pagode, welche daneben im leuchtenden Rot strahlt und von einer goldenen Spitze gekrönt ist. Auf der Karte sehen wir weitere Tempel in unmittelbarer Nähe und gehen einige Schritte, bis wir zu einer Parkanlage mit grossen, Schatten spendenden, Bäumen und einem kleinen Teich gelangen. Hier liegt «Shōfuku-ji», der älteste noch existierende Zen-Tempel Japans. Die Anlage ist sehr schön, die Gebäude aus Holz sind eindrücklich, aber nicht begehbar. Wir spazieren noch etwas weiter, aber die weiteren, kleineren Tempel in der Gegend sind geschlossen, so dass wir uns gerne vom Schild eines Cafés anlocken lassen. Wir finden uns in einem modern gestalteten Lokal wieder, in welchem wir sowohl die Ältesten als auch Uncoolsten sind ;-) Aber es ist ein sehr angenehmer Ort für eine Pause. Hier ist der Moment für einen kleinen Einschub zum Thema Toiletten in Japan. Bereits vor unserer Abreise habe ich darüber gelesen und gehört – und es ist wirklich ein paar Zeilen wert. Vorneweg: es hat an sehr vielen Orten frei zugängliche und umsonst zu nutzende Klos – ein grosses Plus für alle! Dabei handelt es sich in fast jedem Fall nicht um «einfache Toiletten», sondern um High-Tech-Produkte mit allerlei Schnickschnack. So öffnet sich der Deckel wie von Zauberhand wenn man nähertritt und die Spülung muss auch nur selten betätigt werden, das Klo merkt, wann es so weit ist… Dann gibt es viele Closomat-Möglichkeiten für jedes Bedürfnis. Und z.T. hat es automatisierte, z.T. selbst wählbare «Nebengeräusche», welche die körperlichen Funktionen übertönen sollen. An diesem Ort passiert es mir nun zum ersten Mal, dass nichts automatisch funktioniert und der Hebel nicht da zu finden ist, wo üblich – und ich vom japanisch beschrifteten Panel überfordert bin… Aber nach etwas ausprobieren funktioniert doch alles bestens :-) Es sind wieder gefühlte Temperaturen von über 40 Grad – es herrschen hier Temperaturen, die gemäss Wetterdienst «extrem warm» sind für die Jahreszeit. So gehen wir für die heissesten Stunden ins Hotel. Am Nachmittag kommen Wolken auf und so gehen wir wieder nach draussen. Wir möchten an einen Strand, welcher zum Stadtgebiet von Fukuoka gehört. Hier fährt keine U-Bahn hin, obschon die Gegend mit dem «Fukuoka Tower», einem riesigen Hilton-Hotel und einem grossen Stadion nicht wirklich abgelegen ist. Das Busfahren funktioniert gleich wie in anderen Regionen des Landes und unsere ÖV-Karte hilft uns beim einfachen Ein- und Aussteigen. So sind wir eine gute halbe Stunde unterwegs und können die Fahrt grad als Stadtrundfahrt nutzen. Wir fahren über ein Hafenbecken, welches von vielen Brücken und Strassen überführt wird. Und haben zum Schluss noch einige Schritte zu tun, bevor wir uns an einem grossen Sandstrand wiederfinden. An diesem hat es ein kleines künstliches Dörfchen inklusive «Wedding Venue», welche einer Kirche nachempfunden ist und offensichtlich für schöne Fotos gebucht werden kann… Das Wasser ist sehr warm – das Schwimmen aber verboten, da der Strand nur bis anfangs September beaufsichtigt ist. Wir überlegen kurz, entscheiden uns aber dagegen, nicht aufgrund der fehlenden Lebensretter, sondern weil einiges an Plastikmüll im Wasser zu sehen ist. Daher belassen wir es bei einem Spaziergang im Wasser dem Strand entlang und zurück. Die Strand-Infrastruktur ist gut, es hat Umziehkabinen und Duschen, so dass wir den Sand von den Füssen nicht zurück ins Hotel tragen. Wir nehmen den Bus zurück in Richtung Zentrum und hätten gemäss «Google Maps» noch 12 Minuten Fussweg vor uns. Wir stehen aber erst mal unter, da es mittlerweile giesst wie aus Kübeln. Schon auf der Fahrt zum Strand hat es etwas geregnet und über der Bucht haben wir dunkle Wolken gesehen. Nun gehen heftigste Gewitter nieder, so dass die Strassen und Trottoirs in Kürze ein paar Zentimeter unter Wasser stehen. Wir erwarten, dass dies nicht lange andauern wird – nach mehr als einer halben Stunde wagen wir uns dann aber doch auf den Weg, wählen aber eine weitere Route, um noch einen Teil mit der U-Bahn nehmen zu können, weit weg von den zuckenden Blitzen… Diese Kraft ist eindrücklich zu spüren – und im Hotel warten ja trockene Kleider :-) Für den heutigen Abend haben wir ein spezielles Restaurant gebucht: ganz oben in einem Hotelturm mit Aussicht über die ganze Stadt. Hierfür spazieren wir eine halbe Stunde durch das schon beschriebene, lebhafte Viertel «Daimyo» mit seinen Läden und Restaurants. Nach dem grossen Regen ist die Luft etwas frischer, so dass es sehr angenehm ist, draussen unterwegs zu sein. Und dann kommen wir im Ritz-Carlton an und erhalten einen Tisch direkt am Fenster mit bester Aussicht über die beleuchtete Stadt :-) Das Essen ist sehr lecker – wir lassen es uns sehr gut gehen und trotzdem bleibt die Rechnung im zweistelligen Frankenbereich. Zum Schluss des Tages spazieren wir gemütlich durchs Quartier zurück zum Hotel. Es hat immer noch einige Menschen unterwegs, aber spürbar weniger als gestern und vorgestern. Wie wir aus der Schweiz erfahren haben, war heute ein Feiertag in Japan – somit war gestern gefühlt nochmals Samstag-Abend und dementsprechend mehr los. Es ist interessant, dass ein Feiertag vor Ort nicht zu spüren ist – alle Läden etc. haben am Sonntag ohnehin geöffnet, so dass für uns kein Unterschied erkennbar ist. Hätten wir grad heute eine Briefmarke auf der Post kaufen wollen, wäre es uns wohl aufgefallen, aber ansonsten sind die Wochentage gefühlt völlig zufällig…

Sonntag, 15. September 2024

Tag 65 – Fukuoka (Sonntag, 15. September)

Wir sind wieder in einem Hotel, in welchem es ein Frühstücksbuffet hat. Dies ist nur in grösseren Unterkünften möglich, da hier so vieles angeboten wird – das meiste wäre bei uns für einen Brunch geeignet, aber lokal wird auch eine Zwiebelsuppe zum Frühstück geschätzt. An Ramen oder Reis mit Hühnchen habe ich mich bereits gewöhnt als Zmorged, mal schauen, was noch kommen wird… Die Hitze hat unseren Teil Japans immer noch im Griff, vom Herbst, welcher sich im Norden so langsam ankündigte, ist hier nichts zu spüren. Am Mittag herrschen gemäss meiner Wetter App gefühlte 42 Grad… So nehmen wir die U-Bahn für zwei Stationen, um zum «Kushida Shrine» zu gelangen. Dieser älteste Schrein der Stadt gefällt mir gut – und wird als Pilgerstätte rege genutzt, aus dem offenen Inneren gelangen Gebete bis an den Platz, wo Gläubige Opfergaben einwerfen. Daneben finden sich grosse «Yamakasa». Dies sind riesige Skulpturen, welche während des im Juli stattfindenden Festivals von Gruppen durch die Stadt getragen werden. Diese sind eindrücklich und ich stelle es mir nicht einfach vor, diese durch die Strassen zu balancieren. Daneben gibt es eine gedeckte Ladenpassage, durch welche wir spazieren – es hat einige Menschen unterwegs, insbesondere in und vor den Restaurants. Wenn diese voll sind, warten die Hungrigen entweder in einer Linie oder auf hierfür vorbereiteten kleinen Stühlen, bis sie an der Reihe sind. Auf letzteren ist es zum Teil möglich, die Bestellung schon aufzugeben, damit es nachher zügiger läuft. Wir lassen diese Lokale aus und machen eine Pause in einem kleinen Café. Hier hat es «Honey Milk» im Angebot – dies weckt bei mir Kindheitserinnerungen, daher bestelle ich eine solche, aber in der «Iced»-Version :-) Danach gehen wir ins «Fukuoka Asian Art Museum», in welchem Kunstschaffende aus ganz Asien gezeigt werden und wo wir einige interessante Artefakte bestaunen können – und einige, die wir weniger verstehen. Dann gehen wir für eine Pause ins Hotel. Am Abend sind die Temperaturen immer noch hoch, aber gut aushaltbar – gemäss meinem Telefon noch gefühlte 34 Grad. Wir machen einen längeren Spaziergang durch das Zentrum auf dem Weg in ein Restaurant, welches wir vorgängig ausgesucht haben. Es handelt sich um ein veganes Bistro – in diesem Falle sehr hipp inszeniert. Wir brauchen eine Weile, bis wir digital bestellen können, aber das Lokal ist modern eingerichtet und vor allem: das Essen ist gut. Danach lassen wir uns für den Rückweg viel Zeit und spazieren durch neue Strassen und Gassen, welche uns interessant erscheinen. Viele Restaurants sind schön eingerichtet und gut besucht – oftmals hat es eine Art Bar, an welcher viele Besucherinnen sitzen und essen. Dies sieht schön aus – und ist zu zweit wohl angenehm, als grössere Gruppe dürfte die Kommunikation etwas leiden. Im Unterschied zu den anderen bisher besuchten Städten sehen wir hier auch einige in traditionellen Kimonos gekleidet. Nach einer Weile haben wir die Wege, welche uns am meisten interessieren, gesehen und machen uns auf den Heimweg.