Hier finden sich in loser Folge immer wieder Berichte von Reiseerlebnissen. Ab dem 7. Februar 26 bin ich in Senegal und Gambia unterwegs, so dass hier während der nächsten beiden Wochen meine Eindrücke zu finden sein werden. In den Posts vom Sommer 24 bis zum Februar 25 finden sich die Erlebnisse unserer halbjährigen Reise. P.S. Die gesammelten Berichte der Weltreise 2014 und der Reise in die Antarktis etc. finden sich als pdf-Link bei den Daten und 17. 9. 2021 und 21. 3. 2023
Donnerstag, 29. August 2024
Tag 47 – Gwangju – Seoul (Mittwoch, 28. August)
Wir haben noch etwas mehr als einen halben Tag in Gwangju, bevor wir den Zug zurück nach Seoul nehmen. Fürs Frühstück haben wir gestern ein sehr schönes Café gesehen, welches wir nun aufsuchen und frische Bagels und Brötli vorfinden, eines davon mit Melone – schmeckt ganz gut :-)
Danach gehen wir zum «Penguin Village». Dieses ist nach der Art benannt, in welcher ältere Menschen gehen… Es handelt sich dabei um ein Quartier etwas ausserhalb des Stadtzentrums mit engen Gässchen und älteren kleinen Häusern. Diese wurden retro-mässig gestaltet, um Besuchende anzuziehen. Es finden sich alte Teller und Vasen, aber auch Telefone oder Legos vor Ort, so dass es ansprechende Sujets zu fotografieren gibt. Wir begegnen aber kaum jemandem, an einem kleinen Stand kaufen wir etwas zu trinken und gehen weiter. Eine freundliche ältere Frau weist uns noch den Weg zu einer Fotoserie mit Bildern aus unterschiedlichen Jahren, aber alle Beschriftungen sind nur in der Landessprache und somit für uns unverständlich.
Danach gehen wir über das Flüsschen zurück ins Zentrum und statten dem ACC einen längeren Besuch ab. Heute besuchen wir die Ausstellungsräume, die Bibliothek und das Cefé. Es sind sehr ansprechend gestaltete, grosse Räumlichkeiten. Wir besuchen eine Ausstellung zur Geschichte des Handels, welcher auf der Basis der Monsunwinde gedieh und über Architektur in asiatischen Städten. Diese sind sogar kostenlos. Es hat nur wenig Menschen hier, obschon die Bibliothek sehr schön ist und über viele Studienplätze verfügt. Es scheint uns, dass der ganze Komplex eine oder zwei Nummern zu gross geraten ist für diese Stadt – aber vielleicht erhofft man sich eine Katalysator-Wirkung und sieht dies in einigen Jahren ganz anders aus.
Im Anschluss gehen wir ins Stadtzentrum für eine Pause und ein kleines spätes Zmittag und dann zum Hotel. So machen wir uns auf den halbstündigen Weg in Richtung Bahnhof, um sicher rechtzeitig vor Ort zu sein. Und setzen uns dann in einen moderneren KTX in Richtung Seoul.
Auf der Fahrt werden auf den Bildschirmen im Wagen immer wieder Werbungen gezeigt. Die für uns auffälligsten sind die Promo-Videos von unterschiedlichen koreanischen Städten, Regionen oder Destinationen, in welchen mit schrillen Tanzvideos die eigenen Schönheiten beworben werden :-)
Wir kommen am Abend pünktlich in Seoul an und begeben uns ins selbe Hotel, in welchem wir zu Beginn gewohnt haben. Sowohl das Hotel als auch das Quartier haben uns gut gefallen, so dass wir uns grad wieder etwas heimisch fühlen. Die Temperaturen sind ein Bisschen kühler als auch schon, wohl etwas über 25 Grad, so dass besonders viele Menschen draussen an den Tischen sitzen – und so machen wir noch einen längeren Spaziergang durch das lebhafte Quartier, um dann müde im Bett zu landen.
Dienstag, 27. August 2024
Tag 46 – Gwangju & Boseong (Dienstag, 27. August)
Gestern schrieb ich, dass ich versuchte, die passenden Verbindungen für den heutigen Ausflug herauszufinden – daher gilt’s heute ernst und werden wir sehen, ob’s geklappt hat… Das Ziel ist das „Boseong Green Tea Field Daehan Dawon“. Wir nehmen zuerst die U-Bahn bis zur zweitletzten Station, von wo uns ein IC-Bus nach Boseong führen soll. Ab da sollte ein lokaler Bus die letzen Kilometer bis zum Tee-Anbau fahren.
An der U-Bahn-Station finden wir einen Ticket-Automat, welcher uns das gewünschte Billett nach Boseong verkauft – das ist schon mal vielversprechend. Die erste Schwierigkeit ist, die Haltestelle zu finden. So mache ich ein Foto von dem Schild, von welchem wir denken, dass es passen sollte und frage einen netten Herrn, der mir dies bestätigt. Wir haben genügend Zeit-Marge eingeplant, so dass wir die Strasse noch etwas entlangspazieren können – es ist ein ähnliches Aussenquartier wie wir gestern kennen gelernt haben.
Dann kommt fast pünktlich der Bus – denken wir zumindest. Aber der Herr von vorhin, von welchem wir mittlerweile gemerkt haben, dass er für das Busunternehmen arbeitet, zeigt uns deutlich, dass wir nicht einsteigen dürfen. Wir merken dann, dass es noch der falsche Bus ist… Der richtige kommt nur kurz später und ist zu unserer Freude ein gemütlicher Bus mit nur 3 Sitzen pro Reihe. So fahren wir entspannt für eine Stunde nach Boseong. Die Fahrt geht durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Dazwischen – ähnlich wie auf den Zugfahrten – erheben sich aus dem gefühlten Nichts hohe Wohntürme. Es fällt uns auf, dass wir noch nirgends Nutztierhaltung gesehen haben. Es sind vor allem viele Reisfelder, welche wir durchfahren.
In Boseong angekommen möchten wir umsteigen – wir steigen also aus und werden grad angesprochen: „tea“? Wir bejahen und so werden wir zu einem Automaten geführt, jemand tippt für uns etwas ein, nimmt die Kreditkarte für die Bezahlung und schickt uns in den selben Bus zurück… Wir fallen als westliche Touristen immer wieder sehr auf. Zum Teil winken uns Einheimische zu oder starren uns an, und meinen mittlerweile etwas längeren Bart finden sie besonders interessant. Es ist ein besonderes Gefühl, so aufzufallen, aber bisher waren alle immer sehr nett und hilfsbereit. Und wir hatten nie auch nur den Anflug einer Ahnung, dass wir übervorteilt werden sollten!
Zurück zu unserer Situation am Busbahnhof – unser IC-Bus fährt nun also tatsächlich genau dahin wo wir möchten, das zusätzliche Ticket kostet pro Person gut einen Franken und so sind wir knapp zehn Minuten später am Ziel – gemäss App hätte diese Fahrt über eine halbe Stunde im Ortsbus gedauert. So sind wir sehr erfreut einfach und effizient ans Ziel gekommen :-) Vor Ort wird uns gesagt, dass wir die selbe Strecke direkt werden zurückfahren können. Wir sind optimistisch.
Nun sind es noch einige Minuten zu Fuss, bis wir uns mitten im Tee befinden. Es ist ein riesiger Hang mit unzähligen Teepflanzen. Der Anblick erinnert mich an Weinberge am Hang, z.B. in der Lavaux, nur dass es hier keinen See hat. Es führen Wanderwege durch und um den Hang und so begeben wir uns auf dem direkten Weg – mittels langer und steiler Treppe – in den Teeanbau hinein. Es ist sehr schön und eindrücklich – hier sagen die Bilder mehr als viele Worte… So sind wir eine längere Zeit unterwegs und geniessen die immer neuen Blicke auf den Tee und das Grün drumherum :-)
Und genehmigen uns noch ein Grüntee-Glacé und einen Iced Boseong Tea. Wir sind keine allzu grossen Fans von Grüntee, aber es schmeckt ganz gut.
Danach wir uns zurück an die Bushaltestelle – und tatsächlich fährt uns der Bus problemlos zurück nach Gwangju, der Ausflug hat sich sehr gelohnt.
Für den Abend wählen wir ein traditionelles Bulgogi-Restaurant. Der Begriff steht für „Feuerfleisch“, was bedeutet, dass im Tisch ein Loch eingelassen ist, in welches ein Behälter mit Holzkohle gesetzt und darüber ein Grill platziert wird. Eine Art „Tischgrill“ auf Koreanisch :-) Die Bestellung ist mehr oder weniger Glückssache, weil hier niemand mehr ein Wort englisch spricht – aber wir erhalten etwas vorgesetzt und ich finde es sehr lecker. So habe ich meine Fleischration gehabt für die nächsten Tage…
Als wir herauskommen, nieselt es, was aber ganz angenehm ist. Und so spazieren wir nochmals etwas durch unser Quartier auf dem Weg nach Hause.
Montag, 26. August 2024
Tag 45 – Gwangju (Montag, 26. August)
Wir versuchen heute, mit dem Bus aufs Land zu fahren. Unsere Naver-App ist nicht wirklich zuverlässig bei Stadtbussen, so sind wir gespannt, wie es klappen wird. Zuerst gehen wir zur U-Bahn, um mehr Geld die ÖV-Karte zu laden. Auf dem Weg nach unten kommen wir an einem „urban gardening“-Projekt vorbei und finden viele Salate vor uns :-)
Der Automat hier mag unsere Karte nicht, aber wie schon oft finden sich immer hilfsbereite Menschen, die uns weiterbringen. Oftmals passiert die Kommunikation vor allem mit Händen und Füssen, aber bisher hat es immer funktioniert :-) Und wir erfahren, dass wir die Karte auch in jedem Convenience Store laden können – und so sind wir kurze Zeit später gerüstet. Wir fahren mit einem ersten Bus durch die Stadt – und entdecken dabei, dass sich Gwangju nicht wie eine Grossstadt, sondern mehr wie eine Ansammlung von Kleinstädten anfühlt. Jedes Mal, wenn ein kleines Zentrum vorbei ist, geht es einfach weiter mit (Hoch-)Häusern und kommt nach einer Weile ein nächstes Zentrum, welches für uns sehr ähnlich aussieht.
In einem Aussenquartier müssen wir den Bus wechseln – finden den nächsten aber nicht an der von der App gemeldeten Haltestelle aufgeführt… Wir fragen uns durch und erhalten die Antwort, dass wir eine Haltestelle weiter gehen müssten und versuchen es – und tatsächlich kommt der erwünschte Bus nur kurze Zeit später und können wir einsteigen. Dieser Überlandbus bringt uns nach Damyang und da zum „Juknokwon“. Dabei handelt es sich um einen eindrücklichen Bambuswald. Die Bäume stehen dicht an dicht und ragen viele Meter in die Höhe. Dazwischen sind gute Wege angelegt, so dass wir über verschiedene Wege durch den Bambus spazieren können. Faszinierend! Leider hat es hier zum ersten Mal irgendwelche stechenden Insekten – zum Glück habe ich mein Anti-Brumm (fast) immer dabei, so dass ich mich schützen und den Ausflug weiter geniessen kann.
Am Ende des Waldes gelangen wir in eine parkähnliche Anlage mit See und schönen traditionellen Häusern. Die ganze Anlage ist an diesem Montag-Vormittag/-Mittag nur spärlich besucht, so dass wir die meiste Zeit alleine im Wald stehen. So hat sich dieser Ausflug sehr gelohnt :-)
Für die Rückfahrt wissen wir nun, wie es geht und wir haben Glück, dass der gewünschte Bus grad vorfährt, als wir zur Strasse gelangen. Wir winken ihm freundlich zu – und der nette Busfahrer erkennt unsere improvisierte Haltestelle und nimmt uns mit. Die Fahrt dauert eine gute halbe Stunde, bis wir wieder am Stadtrand sind, wo wir umsteigen müssen.
Wir finden dieses Aussen-Quartier spannend und bleiben daher noch etwas vor Ort und gehen den Strassen entlang und flanieren durch den lokalen Markt. In einem Café gönne ich mir einen weiteren frischgepressten Wassermelonensaft, der an vielen Orten angeboten wird. Die Wassermelone scheint hier lokal zu wachsen, im Unterschied zu vielen anderen Früchten. Der Apfelsaft, den wir finden, ist z.B. aus den USA importiert.
In unserer Nachmittagspause im Hotel versuche ich, die Verbindungen für den Ausflug von morgen herauszufinden, was mir hoffentlich gelungen ist. Und erfahre, dass die Tour in die Demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea ziemlich anders passieren soll, als auf der Website versprochen ist und ich gebucht habe… Nun schaue ich mal, ob und wie ich eine solche noch machen werde.
Fürs Znacht gehen wir die paar Schritte vom Hotel in die Fussgängerzone und essen gut. Im Anschluss spazieren wir noch weiter durch dieses interessante Viertel, welches heute weniger gut besucht ist als gestern. Im Untergeschoss eines Einkaufszentrums finden wir noch einen grossen Spielsalon, in welchem in kleinen Kabinen Karaoke gesungen, Videospiele oder Bowling gespielt werden kann. Wir entscheiden uns für eine Runde Darts. Zurück auf der Strasse gehen wir durch die farbenfrohe K-Pop-Star-Street und kommen danach zum kleinen Fluss, welcher zu beiden Seiten mit einem Weg für Fussgängerinnen und Velofahrerinnen versehen ist. Zurück kommen wir durch die „Wedding Street“, einer weiteren Strasse mit „Label“. Am eindrücklichsten bleibt dabei die gestern beschriebene Strasse mit vielen kleinen schönen Kleiderläden.
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