Hier finden sich in loser Folge immer wieder Berichte von Reiseerlebnissen. Ab dem 7. Februar 26 bin ich in Senegal und Gambia unterwegs, so dass hier während der nächsten beiden Wochen meine Eindrücke zu finden sein werden. In den Posts vom Sommer 24 bis zum Februar 25 finden sich die Erlebnisse unserer halbjährigen Reise. P.S. Die gesammelten Berichte der Weltreise 2014 und der Reise in die Antarktis etc. finden sich als pdf-Link bei den Daten und 17. 9. 2021 und 21. 3. 2023
Samstag, 3. August 2024
Tag 21 – Edinburgh
Heute ist der letzte Tag in Edinburgh, morgen soll es in Richtung Norden in die Highlands gehen. Daher machen wir unseren letzten morgendlichen Spaziergang vor der eindrücklichen Kulisse der auf dem Hügel thronenden Altstadt. Dieses Bild wird nie langweilig und ist immer wieder schön anzusehen – dies werde ich vermissen.
Ohnehin ist Edinburgh eine gute Stadt für so Vieles. Mir gefallen die Vielfalt, die unterschiedlichen Quartiere und Möglichkeiten, die gefühlt unendliche Auswahl an schönen Lokalen und die Kleinräumigkeit, so dass fast alles gut zu Fuss erreichbar ist. Einzig die Ampeln, bei welchen der Fussverkehr so benachteiligt wird, dass fast alle früher oder später bei „rot“ gehen, nervt mit jedem Tag etwas mehr… Bei den Restaurants, Bäckereien, Bars etc. ist es dabei noch spassig zu sehen, wer alles irgendeine Auszeichnung als „best …“ erhalten hat. Diese scheinen fast inflationär vergeben zu werden, hat doch gefühlt jedes zweite Lokal schon mal irgendwo gewonnen ;-)
Was sicher die Stadt noch angenehmer gemacht hat, war das Wetter, welches entgegen den Erwartungen fast die ganzen zwei Wochen über schön und angenehm warm war. So war es umso schöner, so viel draussen zu sein, um die Stadt und ihre vielseitigen Facetten flanierend zu entdecken :-)
Den Vormittag verbringe ich nochmals zu Hause am Computer, um den MOOC fertig umzusetzen für die Schule. Dieser war sowohl inhaltlich, als auch in Bezug auf Chancen und Grenzen von solchen Online-Kursen inkl. automatisierten Tests, interessant. Da kann ich einiges für den eigenen Unterricht mitnehmen.
Für den Mittag gehen wir dann wieder auf die Gasse in ein Pub, welches wir zu Beginn unseres Aufenthaltes besucht haben, und welches uns sehr gefallen hat, und stärken uns mit einem feinen Zmittag.
Am Nachmittag besuche ich das „Georgian House“, das am Charlotte Square am „Kopf“ der New Town zu finden ist. Dieses ist ein altes prächtiges Haus, welches restauriert und für Besuchende geöffnet wurde, um zu sehen, wie im 18. Jahrhundert die wohlhabende Bevölkerung in der Stadt gelebt hat. Der Besuch ist interessant und die hohen Räume sind sehr schön anzusehen. In jedem Raum hält zudem eine Person zusätzliche Informationen bereit.
Danach besuchen wir einen grossen Markt von Künstlerinnen und Künstlern aus Schottland, welche hier ihre Werke vorstellen und verkaufen. Es hat dabei viel Schönes – doch sind die Koffer für die kommenden Monate schon gut gefüllt, so dass wir es beim Schauen belassen. Der Markt findet sich in und um den Friedhof zwischen zwei Kirchen am Ende der Princes Street Gardens. In der einen findet eine Probe für das Konzert einer Jugendmusik aus Radolfszell statt, welche im Rahmen des Festivals etwas später auftreten wird. Es wäre eigentlich noch schön, da länger zuzuhören, aber die Blechblasinstrumente im Akustikraum der Kirche sind uns einfach zu laut… Die andere Kirche fühlt sich fast als grosse Stube an und ist schön anzusehen. Wir spazieren noch etwas durch den Friedhof, welcher nur aus Gräbern aus dem 19. Jahrhundert besteht und seit da mehr oder weniger unverändert erscheint.
Im Anschluss finden wir uns ein schönes Café, in welchem wir wie im Schaufenster sitzen und den besten Blick auf das Geschehen auf den Strassen geniessen.
Vor dem Abendessen heisst es dann „packen“, da ich den vielen Platz in unserer Wohnung genutzt habe… Nun muss wieder alles in einen Koffer passen. Da wir ab morgen mit dem Auto unterwegs sein werden, ist es aber noch kein Problem, da gut noch eine zusätzliche Tasche verstaut werden kann.
Für den letzten Abend müssen wir uns dann nochmals aus all den verlockenden Angeboten entscheiden – und wählen ein schönes italienisches Restaurant in Stockbridge mit leckeren Pizze.
Und dann mache ich mich nochmals auf den Weg ins Stadtzentrum. Heute beginnt das grosse Fringe Festival, welches für die nächsten Wochen die ganze Stadt in Beschlag nimmt. In der Altstadt angekommen sind ganz viele Menschen unterwegs in Richtung Castle, vor welchem das grosse Tattoo begonnen hat, welches ebenfalls die nächsten Wochen andauern wird.
Das Festival findet dezentral an sehr vielen Orten statt, z.T. sind es Clubs, z.T. Theater, z.T. Schulräume, z.T. zu diesem Zweck aufgestellte Zelte. Und so wimmelt es in der Altstadt und darum herum von Menschen, welche von oder zu einem Veranstaltungsort unterwegs sind. Es hat dabei grosse Bühnen, aber auch ganz kleine und die Programme dauern vom Vormittag bis in den Abend. Beeindruckt von dieser Vielfalt schlage ich bei Wikipedia nach und finde folgende Zahlen für 2018: „It featured more than 59‘600 performances of 3‘841 different shows across 322 venues.“ Wow…!
Ich habe mir „Bob Marley: How Reggae Changed the World“ ausgesucht. Das Ticket kostet nur 8 Pfund und so bin ich gespannt, was mich erwarten wird. Meine Location ist in einem Nebengebäude der Uni und nennt sich Zoo Playground. Da angekommen hat es nicht allzu viele Personen, aber ich scheine am richtigen Ort zu sein. Das Publikum ist altersmässig bunt gemischt, Sprachen höre ich ausser englisch keine.
Mit etwas Verspätung öffnet der Saal und ich finde mich in einem kleinen Theater wieder, welches fast ausverkauft ist – aber nur rund 50 Plätze bietet. Der Künstler stammt aus Toronto, hat aber einen jamaikanischen Hintergrund und wird in der nächsten knappen Stunde über seine eigene Geschichte, die Geschichte von Reggae und von Bob Marley berichten, immer wieder ergänzt durch toll gesungene Lieder. Die Zeit vergeht wie im Flug und ich fühle mich richtig inspiriert von diesem Vortrag.
Müde gehe ich dann meinen Weg durch die Altstadt zurück in Richtung Wohnung – immer noch umgeben von Besuchenden des Festivals und von Partygängern. Zum Teil sind diese klar zu unterscheiden, zum Teil gar nicht… Und geniesse nochmals den Blick von der New Town auf die beleuchtete Altstadt :-)
Und so sinke ich ein letztes Mal in unserem temporären Zuhause ins Bett – und bin etwas traurig, diese tolle Stadt zu verlassen, aber auch voller Vorfreude auf die Highlands.
Donnerstag, 1. August 2024
Tag 20 – Edinburgh
Heute passen wir unseren morgendlichen Spaziergang an, da wir eine Bäckerei als Ziel haben, um da zu frühstücken. Und so finden wir uns einige Minuten später im Tasty Bun und verspeisen leckere Backwaren :-)
Im Anschluss suche ich mir ein schönes Café, um die wichtigsten Punkte aus meinem Kurs der letzten Woche für mich herauszuarbeiten und für den Unterricht aufzubereiten. Dazu nutze ich die Unterlagen sowie die eigenen Eindrücke von vielen Reisen – und gerade auch die Beobachtungen der letzten Tage. Ich komme gut voran und hoffe, in den nächsten Tagen damit fertig zu werden. Sinnigerweise schreibe ich all dies an einem Ort, der zu so vielem darin Beschriebenen passt…
Danach mache ich mich zu einer weiteren Erkundung auf und durchstreife das Quartier Newington. Hier findet sich entlang einer grösseren Verkehrsachse eine Menge unterschiedlicher Lokale und Läden – und im Hintergrund ist oft einer der umgebenden Vulkanhügel zu sehen. Es hat wiederum bei vielen Restaurants Tische draussen. Was jedoch fehlt sind „Piazze“, grössere oder kleinere Stadtplätze, welche bevölkert werden könnten. Es hat mehrere kleine Parks, diese sind aber meist einfach mit einigen Bänken versehen ohne weitere Angebote.
Für den Nachmittag gehen wir dann via Stockbrige und entlang der Water of Leith zum Botanischen Garten. Dieser bietet eine idyllische Oase in der Stadt mit sehr schön gepflegten und inszenierten Beeten und Gärten :-) So verweilen wir hier und wandern kreuz und quer durch den Garten. Danach nehmen wir den Bus, um an die Bucht und die Wardie Bay zu gelangen. Hier gibt es einen kleinen Strand und eine Promenade, welche uns nach Newhaven und Leith führt. Das Wetter hat aufgeklart und so spazieren wir in der Sonne dem Wasser entlang und geniessen die schönen Aussichten. Und machen noch Halt an einer „Besenbeiz“ am Kai :-)
Fürs Abendessen haben wir in einem griechischen Restaurant in Leith (Kafeneion to Steki) einen Tisch reserviert. Diese Küche mögen wir sehr und werden nicht enttäuscht und erhalten ein köstliches Essen aufgetischt. Da wir ab übermorgen in den Highlands weilen werden, erwarten wir da weniger abwechslungsreiches Essen, daher wollten wir es uns heute gut gehen lassen.
Danach ist die Sonne kurz vor dem Untergehen und beleuchtet die Gegend sehr schön. Wir gehen nochmals den Water of Leith entlang, zuerst etwas „fluss“-aufwärts durch einen Park, und im Anschluss dann mit dem Bächlein in Richtung Leith, wo wir vor einigen Tagen schon waren. Die Häuser am Wasser zeigen sich von ihrer schönsten Seite und so gehen wir weiter bis zur Tramstation, um von da gemütlich zurück in die New Town zu gelangen. Hier sind bereits mehr und mehr Bühnen bereit für das Festival, welches morgen beginnen wird. Und an einigen Orten gibt’s bereits erste Konzerte im Freien, welche an diesem lauen Abend gut besucht sind.
Tag 19 – Edinburgh
Es erwartet uns ein neuer sonniger Tag – den wir mit unserem Morgenspaziergang begrüssen :-) Danach steht etwas „Alltag“ auf dem Programm: Wäsche waschen. In unserer Wohnung hat es keine Waschmaschine, daher machen wir uns auf den Weg in Richtung Leith, wo wir vor einigen Tagen eine Launderette gesehen haben, ein Waschsalon, in welchem selbst gewaschen werden kann. So packen wir alles zusammen, was wir brauchen werden, und finden uns einige Zeit später vor Ort. Wir haben Glück, es herrscht um diese Zeit kein allzu grosser Andrang und so füllen wir unsere Maschinen – und da diese einige Zeit benötigen, finden wir uns in der Zeit ein schönes kleines polnisches Café :-)
Nach einiger Zeit können wir dann zurück und schmeissen die Wäsche in den Trockner, und dieses Mal überbrücken wir die Wartezeit mit dem Besuch in einer Bäckerei. Muffins mit Nutella und Biscoff – sehr lecker! Aber fürs Erste genug für den Tag ;-)
So geht der Vormittag schnell vorbei und gehen wir zurück in die Wohnung, wo ich gemütlich Olympia schaue und beeindruckt bin von den BMXlern :-)
Im Nachmittag geht’s auf eine neue Entdeckungstour. Wir gehen zurück zur Zugstation Haymarket und da weiter in Richtung Süden, wo uns wieder spannende Strassen mit vielen unterschiedlichen Läden und Fassaden erwarten. Hier wie anderswo sind fürs Erdgeschoss ganz eigene Fassaden vor die Steinhäuser „gehängt“, welche dann in vielen Farben leuchten. Hier hat es noch viele Läden für den Alltag, auch solche, die in Schweizer Städten oftmals verdrängt worden sind. Zum Teil fehlen mir die Adjektive, insbesondere da ich immer wieder über ähnliche Touren schreibe, aber ich finde dies einfach spannend und anregend :-)
Was auffällt, ist die sehr grosse Zahl an Charity Shops für die unterschiedlichsten Belange. Es scheint, dass es diese braucht, wohl da die öffentliche Hand hier an vielen Orten nur unzureichende Mittel bereitstellen kann oder will...
Egal wo wir vorbeigehen hat es zudem unzählige Werbebanden für Konzerte, Theater, Comedy-Stages etc. Ich bin beeindruckt von deren Anzahl und der Vielfältigkeit. Es hat dabei viele Musicals, welche jeweils die Musik von einer Künstlerin, einem Künstler oder einer Band im Zentrum haben – ähnlich wie das zu Dolly Parton, welches wir vor einigen Tagen besucht haben.
Nach einigen Minuten ändert die Umgebung und sind nur mehr Wohnhäuser zu sehen und so wechseln wir die Richtung und wählen nach Konsultation der Karte den Weg durch einen Friedhof. Dieser „Darly Cemetery“ bietet eine unerwartete Ansicht. Die Grabsteine liegen in alle Richtungen und die Vegetation wuchert wild über alles. Die meisten Gräber zeigen Jahreszahlen aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert, so dass wir etwas ratlos über das Ganze sind. Am anderen Ausgang findet sich dann ein Schild, welches Aufklärung bietet. Es handelt sich bei diesem Friedhof – obgleich er öffentlich zugänglich ist – um eine private Anlage, welche Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde sie weniger und weniger unterhalten und wurde auch zur Stätte von Vandalismus. In der Folge wurde der Friedhof für die Allgemeinheit geschlossen und erst in den letzten Jahren wieder eröffnet. Ein Freiwilligenprojekt versucht, diesen wieder in einen besseren Zustand zu versetzen. So bleibt er für den Moment ein interessanter, wenn auch etwas unheimlicher Ort…
Wir gehen weiter durch neue Quartiere, welche etwas ausserhalb liegen. Hier finden sich einige Guest Houses, die traditionelle Form der B&Bs. Im Anschluss machen wir uns zurück nach Hause und kochen nochmals selbst in unserer kleinen Küche.
Am Abend gehen wir noch ein paar Türen weiter, da in einem sehr nahegelegenen Pub wieder Live-Folk gespielt wird – so dass wir gut unterhalten sind. Die Pubs – und auch Restaurants – haben trotz des oftmals kühleren Wetters immer auch Tische in der Gasse, müssen aber um 22.00 alle Gäste hereinbitten. Dies wird an allen Orten jeweils auf die Minuten umgesetzt. Es beeindruckt mich, wie problemlos dies zu funktionieren scheint.
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