Hier finden sich in loser Folge immer wieder Berichte von Reiseerlebnissen. Ab dem 7. Februar 26 bin ich in Senegal und Gambia unterwegs, so dass hier während der nächsten beiden Wochen meine Eindrücke zu finden sein werden. In den Posts vom Sommer 24 bis zum Februar 25 finden sich die Erlebnisse unserer halbjährigen Reise. P.S. Die gesammelten Berichte der Weltreise 2014 und der Reise in die Antarktis etc. finden sich als pdf-Link bei den Daten und 17. 9. 2021 und 21. 3. 2023
Dienstag, 14. Februar 2023
13.2. – Tigre
Der heutige Morgen beginnt etwas kühler – ein Gewitter liegt in der Luft. Ich möchte heute einen Ausflug nach Tigre machen, eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires. Dies sollte mit dem Zug gut erreichbar sein. Und so mache ich mich auf zum Bahnhof, um da aber die Nachricht zu lesen, dass dieser renoviert wird und somit keine Züge fahren.
Na gut, dann halt Plan B und doch ins Taxi statt mit ÖV – so wird der Weg etwas kürzer und nach gut einer halben Stunde komme ich in Tigre an. Der Grund für den Ausflug ist nicht die Stadt an sich, sondern dass von hier aus Boote ins Delta fahren, welches die Zuflüsse und der Rio de la Plata gebildet haben. Es ist dies eine riesige Fläche mit Flüssen, kleinen Bächen und Inseln dazwischen. Diese sind bewohnt und haben mittlerweile an vielen Orten auch eine touristische Bedeutung. Strassen gibt es keine, alle Erschliessung findet mit Booten statt.
So möchte ich eines der ÖV-Boote nehmen, aber es scheint diesbezüglich nicht mein Tag zu sein. Ich kann wohl ein Ticket kaufen und warten dann eine halbe Stunde, bis dieses bereit steht. Da meine Destination in der Mitte der Strecke liegt, werde ich immer weiter nach hinten in der Warteschlange durchgereicht – und als ich einsteigen möchte, ist das Boot voll… Ich müsse eine weitere Stunde warten, dann hätte es vielleicht Platz…
So nutze ich meinen Luxus, dass ich auch eine Rundfahrt buchen kann, welche zwar etwas teurer ist, dafür habe ich da sicher einen Platz. Diese geht aber erst in einigen Stunden, so dass ich zuvor noch das Städtchen erkunden kann. Dieses ist nett, mit einigen Läden und Restaurants und einem alten Fruchtmarkt, der mittlerweile zu einem Markt für Kunsthandwerk und Souvenirs umgestaltet worden ist. Jedoch sind an diesem Montag-Morgen noch fast alle Läden zu, aber das Areal ist spannend zu besichtigen, da es doch auch immer noch als Hafen für die Versorgung des Deltas dient. So sehe ich einigen Schiffen zu, die mit allem lebensnotwendigem beladen werden. Da das Gewitter mittlerweile in voller Stärke ausregnet, nehme ich mir hierfür einen Platz in einem überdachten Restaurant, da es weiterhin warm genug ist.
Danach mache ich mich auf den Weg zurück an den Hafen und spiele weiter mein Spiel, wo und wie ich Geld wechseln kann zu einem vernünftigen Kurs. So finde ich eine Art Wechselstube, in welcher auch nicht die offiziellen, sondern die realen Wechselkurse gelten. Diese sind dafür unterschiedlich je nach Notengrösse der Währung. So erhalte ich für einen 100-Dollar-Schein einen besseren Kurs als für zehn 10-Dollar-Scheine. Dafür habe ich nun genug Bargeld bei mir für die nächsten Tage, wenn 100 Dollar gewechselt werden, gibt’s dafür grad ein «Gümmeli» dazu, da es so viele Peso-Noten gibt…
Danach begebe ich mich aufs Schiff, welches mich für zwei Stunden durch das Delta führt. Die Fahrt ist schön und eindrücklich, je weiter weg von der Stadt wir kommen, desto weniger bebaut ist es. Neben den touristischen Angeboten leben weiter viele Menschen hier, so dass es auch Schulen und Läden hat, welche zu sehen sind. Daneben findet sich eine Vielzahl von Bäumen, Farnen, Schilfgräsern und ähnliches. Und in der Ferne ist ab und an die Silhouette von Buenos Aires zu erkennen. Mittlerweile hat sich auch das Gewitter wieder verzogen, und kommt die Sonne zurück.
Nach der Rückkehr nach Tigre nehme ich für den Rückweg dann doch den Zug. Dieser fährt einfach nicht die ganze Strecke. Bei der improvisierten Endstation wechsle ich dann auf einen roten Doppel-Decker-Touristen-Bus, welchen ich für den morgigen Tag ohnehin nehmen wollte. Und fahre mit diesem quer durch die Stadt und geniesse all die Eindrücke.
Dann mache ich noch einen Halt in Boca. Dieses Quartier ist zum einen die Heimstätte der Boca Juniors, des legendären Heimclubs von Maradona. Dieser ist immer noch omnipräsent mit zahlreichen Wandmalereien – und auch Souvenirs, welche es zu kaufen gibt.
Zum anderen ist es ein sehr farbiges Quartier, in welchem der Tango zelebriert wird und wo es auch zahlreiche Shows und Kurse gibt. Diese lasse ich jedoch aus und lasse diese farbenfrohen Gassen auf mich wirken.
Zum Schluss geht’s wieder mit dem normalen Bus zurück in mein Quartier, wo ich noch etwas weiter durch die Kopfstein-Strässchen schlendere und einen netten Ort fürs Znacht suche. Diesen finde ich auf der Plaza Dorrego, auf welchem tags zuvor der Markt stattgefunden und hat und der nun von Restaurants und Strassenkünstlern eingenommen wird.
Montag, 13. Februar 2023
12.2. – Buenos Aires
Nach einigen Stunden dringend benötigtem Schlaf bin ich bereit für Buenos Aires :-) Das letzte Mal war ich vor über 8 Jahren hier – auf der Reise, die in diesem Blog dokumentiert ist. Heute möchte ich es, grad auch der Temperatur geschuldet, ruhig angehen. So schlendere ich durch mein Quartier durch den grossen Markt mit vielen Antiquitäten, welcher jeweils am Sonntag stattfindet. Es ist ein buntes Durcheinander mit vielen Ständen und Menschen.
Die Temperaturen bewegen sich bei gut 35 Grad und die Sonne scheint – so dass ich wo immer möglich versuche, mich im Schatten zu bewegen. Der Unterschied zu den letzten Tagen in Winterthur und Zürich ist ziemlich gross, so dass ich noch etwas Zeit brauche, um mich anzupassen. Obgleich dies nur temporär ist, da im Süden dann eher wieder schweizerische Wintertemperaturen auf mich warten werden…
Es ist interessant zu sehen, was alles verkauft wird. Ich belasse es aber bei einem frischgepressten Orangensaft – mein Koffer lässt keine weiteren Einkäufe zu, die Herausforderung, diesen wieder schliessen zu können, beschäftigt mich jetzt schon. Dafür finde ich in einem Souvenirladen den Aushang, dass bei einem Einkauf hier für jeden USD 390 Peso angerechnet würden. Ich frage nach, ob ich auch einfach Geld wechseln dürfe. Und bis 50 Dollar waren sie bereit hierfür. So habe ich nun etwas lokale Währung in der Tasche – und habe das Doppelte vom offiziellen Preis erhalten. Nach diesem Erlebnis verstehe ich die Aussage meines Flug-Nachbars umso besser.
Danach laufe ich weiter durch die Stadt zur Plaza de Mayo – dem wichtigsten Platz der Stadt mit dem Regierungsgebäude. Ich versuche, von da mit der U-Bahn weiterzukommen. Ich benötige eine Weile, bis ich das System der Billette verstehe, aber dann klappt es und ich kann mir eine Wertkarte kaufen und aufladen, so dass ich in der Folge alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzen kann. Diese sind in GoogleMaps auch integriert, so dass auch die jeweils schwierigste Aufgabe, das Nutzen von öffentlichen Bussen, möglich wird.
Ich fahre mit U-Bahn und Bus in die edleren Viertel nach Recoleta und Palermo. In ersterem habe ich von einer Kollegin der Schule den Tipp für einen Buchladen erhalten, der in einem ehemaligen Theater einquartiert ist – und wirklich einen Besuch wert ist!
In Palermo finden sich viele schöne Strassen mit vielen Bäumen und Restaurants. Da es so heiss ist, bleiben aber alle Terrassen leer, dafür sind die Innenräume gut besucht. Ich entscheide mich dann aber doch für ein nettes Tischchen draussen unter einem Schatten spendenden Baum :-)
Gegen Abend spaziere ich nochmals durch San Telmo und nehme einen Apero an einem belebten Platz – und schreibe diese ersten Zeilen des Blogs. San Telmo ist ein älteres Quartier mit schönen Häusern in unterschiedlich gutem Zustand und mit vielen Graffitis. Die Strassen sind oft mit Kopfsteinpflaster und es finden sich immer wieder kleine Läden, Bars und Restaurants. Auch die Lage ist gut, nicht weit vom Zentrum und dem revitalisierten Hafengebiet. Eigentlich ein idealer Ort, der künftig gentrifiziert werden könne. Doch aktuell sieht es noch wenig nach grossflächiger Aufwertung aus.
Danach mache ich noch einige weitere Kilometer zu Fuss, leider habe ich keinen Schrittzähler dabei, aber ein solcher hätte heute gelohnt. Und die Kombination von Wetter und Bewegung lässt mich über 5 Liter trinken…
Ich laufe durch Puerto Madero. Wie in vielen anderen Städten wird auch hier ein grosser Teil des alten Hafens nicht mehr gebraucht und machte Platz für eine moderne Aufwertung. So finden sich hier neben den höchsten Bürotürmen der Stadt auch schicke Bars und Restaurants und viel promenierendes Volk. Obgleich so viele Menschen da sind, bleiben die meisten der Restaurants eher leer, was aber auch daran liegen kann, dass um 20.00 noch die wenigsten am Essen sind. Da die Preise eher hoch sind, ist aber auch gut möglich, dass der Ort vorwiegend zum Spazieren und Fotos machen genutzt wird.
Fürs Abendessen gehe ich dann zurück nach San Telmo und finde eine kleine Piazza mit mehreren Restaurants. Um im Anschluss nur noch müde ins Bett zu sinken.
11.2. – ZRH – EVE
Die erste Etappe führt mich nach Buenos Aires – glaub mit dem längsten Flug, auf dem ich je war. Von Paris nach Buenos Aires sind wir zuerst eine Stunde am Boden am warten, da es Probleme mit dem Gepäck gab und dann noch knapp 14 Stunden in der Luft. Dies gibt mir sehr viel Zeit um zu realisieren, dass die Ferien begonnen haben, nach intensiven letzten Tagen im Vorfeld.
Neben mir sitzt ein netter junger Argentinier, der in Irland lebt. Das Gespräch mit ihm gibt mir einen guten ersten Eindruck von dem, was mich in der Folge erwarten wird. Er sei gut ausgebildet und die wirtschaftliche Situation im Land sehr sehr schwierig, weshalb er für sich in Buenos Aires keine Zukunft mehr sah und nach Dublin ausgewandert ist. Es gebe aber eigentlich keinen Grund, über irgendetwas zu klagen, da Argentinien ja Fussball-Weltmeister geworden sei! Daher habe er auch im Dezember drei Wochen unbezahlten Urlaub genommen, um dieses Ereignis zu Hause verfolgen zu können – und es sei die schönste Zeit seines Lebens gewesen.
Ich solle dann schauen, wo ich mein Geld wechsle, da es einen offiziellen und informellen Wechselkurs gebe – mit grossen Unterschieden. Und ich solle unbedingt gut essen, darauf sei die Stadt spezialisiert. Da die hohe Inflation ohnehin alle Vermögen auffresse, hätten alle das Ziel, das Geld nicht zu sparen sondern direkt für (möglichst) schöne Dinge auszugeben, wie eben fürs Essen. Dieses Ziel verfolge ich gerne :-)
Angekommen am Flughafen werde ich direkt von vielen bestürmt, welche mir Geld wechseln möchten, zum Kurs von 189 Peso pro US-Dollar. Ich lehne gerne ab in der Hoffnung, vom besagten zweiten Kurs profitieren zu können. Die Taxipreise in die Stadt werden ohnehin in Dollars ausgehandelt, so dass ich noch keine lokale Währung brauche. Als ich aus dem Flughafengebäude trete, spüre ich den argentinischen Sommer – es sind Abends um 22.00 noch deutlich über 30 Grad.
Nach einer rasanten, aber ansonsten ruhigen Taxifahrt komme ich dann spät am Abend im Hotel in San Telmo an. An der Reception frage ich, ob ich direkt im Hotel Geld wechseln könne? Der nette Herr am Empfang bejaht, solange es sich nur um eine kleine Summe handle. So erhalte ich für 20 USD 7000 Peso – ein Kurs fast doppelt so gut wie der offizielle.
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