Hier finden sich in loser Folge immer wieder Berichte von Reiseerlebnissen. Ab dem 7. Februar 26 bin ich in Senegal und Gambia unterwegs, so dass hier während der nächsten beiden Wochen meine Eindrücke zu finden sein werden. In den Posts vom Sommer 24 bis zum Februar 25 finden sich die Erlebnisse unserer halbjährigen Reise. P.S. Die gesammelten Berichte der Weltreise 2014 und der Reise in die Antarktis etc. finden sich als pdf-Link bei den Daten und 17. 9. 2021 und 21. 3. 2023
Dienstag, 9. Dezember 2014
Mein letzter Tag in Südamerika
Ich erwache am Morgen und bin nur noch erschöpft… die letzten
Tage waren aufreibend und mein Magen und meine Verdauung spielen schon seit
einigen Tagen verrückt und tun somit ihr übriges… Daher setze ich mir keine
grossen Ziele mehr und möchte einfach noch einen gemütlichen Tag verbringen. Doch
ich denke mir, ich könnte noch versuchen, mir die Haare schneiden zu lassen.
Gesagt, getan, finde ich schon bald einen freundlichen Herrn in einem
altmodischen Salon, der mir für 7 Franken einen neuen Haarschnitt verpasst. Es
ist ganz witzig, da wir uns nur bedingt verstehen und er immer neue Fragen
stellt – zu den Haaren, Peru, dem Leben etc. Doch es ist kurzweilig und das
Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen ;-)
Danach treffe ich mich mit einer Bekannten, der ich immer
wieder auf verschiedenen Touren begegnet bin zum Zmittag und zu einem Spaziergang
zum Meer. Da hat es eine schöne und edle Mall mitten in den Klippen der
Steilküste. Nicht wirklich typisch Lima, aber ein guter Ort, um gemütlich
auszuspannen.
Danach komme ich zurück ins Hostel, um noch etwas zu lesen
und neu zu packen – erfolgreich, habe noch freien Platz im Rucksack und nur noch
17kg. So kann ich mir in den nächsten Tagen noch etwas neue Sommerkleider
kaufen, denn meine 4 T-Shirts habe ich langsam aber sicher satt...
Am nächsten Morgen fahre ich mit einem Taxi in Richtung
Flughafen, und die Fahrt wird noch einmal zu einem Erlebnis. Der Fahrer
verfährt sich und es herrscht ein ziemliches Chaos auf den Strassen! Aber ich
komme doch noch gut am Flughafen an und erreiche rechtzeitig mein Gate: USA –
ich komme zurück!
Ich habe all die Eindrücke in Südamerika sehr genossen,
freue mich aber nun auch auf Hawaii und darauf, dass ich die Sprache wieder
besser verstehe. Und die stundenlangen Fahrten in ungemütlichen Bussen werde
ich wohl kaum vermissen ;-) Aber ich habe es sehr gut erwischt, ich war kaum krank,
und erlebte keine Überfälle oder ähnliches. Ich habe mir aber auch alle Mühe
gegeben, mich vernünftig zu verhalten, und doch braucht es auch noch das
notwendige Glück dazu, dass ich glücklicherweise mein Eigen nennen durfte :-)
Panoramic Tour und Barranco
Die Tour des Vortages fand ich so spannend, dass ich für
heute gleich nochmals eine Tour mit dem selben Anbieter buche. Heute soll es auf
die Panoramic Tour gehen, welche eine Übersicht über die ganze Stadt geben
soll. Und so machen wir uns auf den Weg auf einen Hügel, von welchem diese
geboten sein soll.
So wir hier wird zum einen deutlich, wie gross diese Stadt
ist, auch wenn der Nebel noch einige Teile der Stadt bedeckt. Zum anderen zeigt
sich auch, wie einschneidend die erste Andenkette die unterschiedlichen Teile
der Stadt trennt. Neue Tunnel sollen hier Abhilfe schaffen, doch sind solche
nur aufwändig und teuer zu erstellen. Die Fahrt auf den Aussichtspunkt führt durch
ehemalige Marginalsiedlungen, die heute von einer Mittelklasse bewohnt werden.
Hier ist deutlich zu sehen, dass der Ausdruck „Slum of Hope“ durchaus seine
Richtigkeit hat, denn einige der Häuser sind in einem richtig guten Zustand.
Dass dies aber nicht zwingend passieren muss, wird auch deutlich, denn in
unmittelbarer Nachbarschaft kann sich immer noch eine baufällige Bretterbude
finden.
Auf dem Hügel findet sich ein grosses Kreuz und viele Kerzen
darunter. Diese finden sich in unterschiedlicher Farbe – ja nach Wunsch, der
erfüllt werden soll. Ein weiteres Beispiel dafür, dass traditioneller und
katholischer Glaube ineinander übergehen kann…
Im Anschluss fahren wir zurück in die Ebene und besuchen
einen riesigen Friedhof. Dieser ist ganz anders als alle, die ich bisher
gesehen hatte: Wie Plattenbauten finden sich hunderte ca. sechsstöckige
Hochhäuser, in welchen die Gräber angeordnet sind. Dabei herrscht ein
fröhliches Geplauder und allgemein eine aufgeräumte Stimmung. Viele Menschen
kämen zum Picknick hierhin, um mit den verblichenen Familienmitgliedern Zeit zu
verbringen. Ich bin beeindruckt von diesem Ort.
Als letzter Halt stehen der grösste Markt der Stadt und die
Chinatown auf dem Programm. Hier sehe ich ein weiteres Mal die Vielfalt der
Produkte, die angeboten wird. Unter anderem wird wirklich alles vom Tier
verwertet und verkauft, inklusive Magen, Hirn etc. Die Chinatown ist etwas
speziell hier, doch der Tatsache geschuldet, dass im 19. Jahrhundert zuerst
Chinesen und später auch Japaner regelrecht importiert wurden, um zu arbeiten.
Diese kamen aber freiwillig, um ihre Chancen zu nutzen, reich zu werden. In
einigen Fällen sollte dies klappen, in vielen anderen jedoch nicht…
Nach dem Mittag möchte ich einen Besuch auf dem Gelände der
aktuell stattfindenen Weltklimakonferenz machen. Doch diese scheint trotz den
vielfältigen Ausstellungen in der ganzen Stadt nicht bei allen Taxifahrern
angekommen zu sein, denn zuerst werde ich in der grössten Mall der Stadt
ausgeladen… Auch ganz spannend, aber nicht das Gesuchte ;-) Im zweiten Anlauf klappt
es dann und ich finde mich auf einem grossen Gelände, auf welchem viele junge
Volunteers herumwuseln. Hier werden die Reden direkt auf eine Pferderennbahn
übertragen, so dass man auf der Tribüne diesen folgen kann. Daneben sind
verschiedene thematische Pavillon zu finden, die sich mit der Thematik
befassen. Dies ist spannend, doch einmal mehr ist alles nur auf Spanisch angeboten.
Immerhin macht es hier mehr Sinn als andernorts, denn diese Ausstellung ist vor
allem für die Bewohner der Gastgeberstadt und weniger für Touristen für mich
gemacht.
Den Abschluss des Tages soll der Besuch von Barranco
darstellen. Dieser Ort hat den Charme der alten, etwas heruntergekommenen
Paläste und bieten schöne Aussichten aufs Meer und die Strände. Diese sind rege
besucht, wenngleich sich aufgrund der kalten Meeresströmung nur wenige ins rund
15 Grad kalte Wasser wagen…
So habe ich nun sehr verschiedene Facetten dieser
Millionenstadt kennengelernt und mache mich auf den Weg zurück nach Miraflores,
um da noch ein leckeres Znacht zu finden.
Das Zentrum Limas
Nach dieser Vielzahl von Eindrücken gibt es ein Mittagessen
in einem kleinen Lokal am Stadtrand. Danach geht es per Taxi ins Stadtzentrum,
ins eigentliche Lima. Denn die besagten Vororte wie Miraflores oder Villa El
Salvador sind eigenständige Gemeinden, welche sich selbst verwalten. Dies
bringt die beschriebene Segregation noch mehr zur Geltung, da kein finanzieller
Ausgleich stattfindet.
Im Zentrum finden sich alte und schöne Kolonialbauten in
sehr unterschiedlichem Zustand, doch in der Mehrzahl sind sie sanierungsbedürftig.
Erst in letzter Zeit wurde versucht, das Zentrum wieder etwas aufzuwerten, da
dieses – und vor allem die Zonen um das unmittelbare Zentrum herum – während langer
Zeit im Niedergang waren. In den letztgenannten scheint dies ungebremst
weiterzugehen, die bei Santiago bereits beschriebenen Tugurios, ärmste
Wohnverhältnisse in ehemals besseren Häusern, ist hier auch deutlich erkennbar.
Auch die beschriebenen Kolonialgebäude werden zum Teil so genutzt. Es gibt eine
Vielzahl von Balkons – die besonders schönen und aufwändigen gehen auf die
Tradition im 17. Jahrhundert zurück, als sich die Frauen nicht unverschleiert
in der Öffentlichkeit zeigen durften und so auch auf den Balkons vor Blicken
„geschützt“ werden sollten. Daher wurden diese Balkons mit schönen Holzschnitzereien
fast als zusätzliches Zimmer geschaffen
Es herrscht ein lebhafter Betrieb in der Fussgängerzone –
das Erdgeschoss dieser alten Häuser ist heute die Heimat vieler Läden. Doch
sollte man hier nach Ladenschluss bei Nacht besser nicht sein… Unser Guide
weiss uns viele interessante Details der Geschichte der Stadt und des Landes zu
erzählen, welche sich an unterschiedlichen Orten oder Gebäuden manifestiert.
Wir kommen auch an die Plaza de Armas, die wie fast überall das klassische
Zentrum darstellt. Dann folgt der Besuch einer schönen Kirche mit angebautem
Kloster. Hier sind tolle alte Wandmalereien zu finden, welche die verschiedenen
Erdbeben überdauert haben, im Gegensatz zu vielem anderen!
Besonders eindrücklich sind die Katakomben… Diese dienten
über lange Zeit als letzte Ruhestätte für die Gebeine, doch irgendwann schienen
sie zu voll zu sein. So kam der Bischof auf die Idee, alles neu und effizienter
zu ordnen und so finden sich nun schön aufgeräumt Schädel in der einen Grube,
Armknochen in der nächsten etc. Ein ziemlich gewöhnungsbedürftiger Anblick…
So lerne ich noch verschiedene weitere schöne und/oder
interessante Ecken der Stadt kennen. Auf dem Rückweg in Richtung Süden lasse ich
mich bei einem Park mit vielen Fontänen ausladen. Hier wurde eine
Sehenswürdigkeit und ein Naherholungsgebiet erschaffen, indem zahlreiche
Brunnen mit Wasserspielen erbaut wurden, die v.a. bei Nacht mit einem schönen
Lichtkonzept in Szene gesetzt werden. Zudem erfolgt jeden Abend drei Mal eine
zwanzigminütige Lasershow, welche auf einen Wasserfilm projiziert wird. Bei der
Suche nach einem Taxi zurück, merke wieder einmal, dass ich ein Gringo bin, als
der erste Fahrer versucht, mich ziemlich heftig übers Ohr zu hauen. Doch zu
meinem Glück ist der nächste dann sehr freundlich uns so komme ich sehr müde
aber zufrieden zurück in meinem Hostel an.
Villa El Salvador
Lima ist in meinem Kurs zur Stadtgeographie ein Fallbeispiel
und ist ein Musterbeispiel einer extrem segregierten Stat. Aus diesem Grund bin
ich einerseits sehr gut eingelesen über die Stadt und andererseits besonders
interessiert, dies alles nun auch erleben zu dürfen. Ich habe für den ganzen
Tag eine Tour gebucht, die mich an besonders interessante Punkte bringen soll. Der
Tag beginnt mit dem Besuch der grössten Favela des Kontinents: In Villa El
Salvador leben geschätzte zwei Millionen Einwohner. Lima gilt als
zweittrockenste Hauptstadt der Welt (hinter Kairo) und liegt am Fuss der Anden.
So ist die Entwicklung der Stadt gut nachvollziehbar, wie im Zwiebelmodell kam
Schicht um Schicht hinzu, bis die Gipfel der Hügel erreicht und bebaut waren. Daher
sind hier die obersten Lagen die schlechtesten, da alle anderen einfach zuvor
genommen wurden. Zudem sind diese näher am Wasser, denn dieses wird durch die
Flüsse aus den Anden an die Küste gebracht und fällt nicht hier. Lima liegt
zwar oft im Nebel – und ist so mit Swakopmund in Namibia vergleichbar – aber
der jährliche Niederschlag liegt bei 10mm!
Das erwähnte sehr schnelle Wachstum der Stadt habe
verschiedene Gründe. Zum einen handle es sich um klassische Landflucht, zum
anderen seien jedoch lokale Besonderheiten wie die Unsicherheit nach der
Landreform und die Flucht vor dem Terror des „Sendero Luminoso“ die Ursachen. Bei
ersterem wollte eine kommunistische Regierung in den 1960er-Jahren die
ungerechte Landverteilung aus der Kolonialzeit neu regeln. Dabei hätte sich
aber das Problem ergeben, dass die Landbevölkerung keine Papiere gehabt habe,
um das Land legal zu erhalten und die alten Besitzer verliessen die Gegend. So
sei eine grosse Unsicherheit eingetreten und niemand habe mehr das Land bebaut,
was viele zur Migration in die Hauptstadt getrieben habe. Und die Gruppe des „Leuchtenden
Pfades“ wollte mit Terror eine Neuordnung des Landes erreichen, worunter jedoch
vor allem die Ärmsten auf dem Land litten, die vor eben diesem Terror ebenfalls
in die Stadt flüchteten. Diese Terrorwelle dauerte viele Jahre, bis Fujimori
dem ein Ende setzen konnte. Auch die Barriadas in Lima galten zu dieser Zeit
als Hochburgen des Terrors, weshalb unser Guide Fujimori verehrt, auch wenn
dieser mittlerweile im Gefängnis sitzt, da er nicht nur korrekt regiert hatte…
Wir besuchen zuerst einen lokalen Markt, auf welchem alles
Mögliche angeboten wird und auf dem eine jede und ein jeder etwas von einem
Medizinmann oder einer Medizinfrau hat und das jeweils Passende verkaufen
möchte. Alles wird ohne Kühlkette verkauft, was bedeutet, dass insbesondere das
angebotene Fleisch sehr frisch sein muss – oder dann nicht mehr wirklich gesund
ist… Die Traditionen der Inka haben zum Teil auch in der Stadt überlebt, so sei
es üblich, dass unter den Bewohnern eine grosse Solidarität herrsche und man
sich gegenseitig helfe.
Im Anschluss gehen wir immer weiter den Hügel hinauf. Die Aussicht
ist herrlich, aber die Erschliessung nicht, und so heisst es für diejenigen,
die ganz oben wohnen, täglich hinunter Teil gelegt, aber oft sind diese nicht
angeschlossen, unter anderem, da die Versorgungsgesellschaft 6 Monate
Vorzahlung verlangt, was für viele nicht möglich ist. So kaufen sie täglich neu
Wasser von den Lastwagen und zahlen so zum einen mehr und zum anderen ist es
sehr beschwerlich, das Wasser in den Containern oder Flaschen nach Hause zu
schleppen. Wir begegnen verschiedenen Bewohnern, die kurz für einen Schwatz
haltmachen, da sie unseren Guide kennen, der in diesem Quartier aufgewachsen
ist und nun diese Touren leitet. All diese Orte wären ohne Führung nicht
begehbar, immer wieder winkt unser Guide „Aufpassern“ zu, die sicherstellen,
dass niemand „falsches“ in dieser Zone auftaucht, denn das Kokain und die
Kokain-Mafia hätten die ganze Barriada unter Kontrolle! Es sei sehr schwierig,
dagegen vorzugehen, da zu viel Geld damit zu machen sei und die Verlockungen
für die Jugendlichen immens seien. Daher sei es auch nicht ungewöhnlich, mitten
in diesen Barriadas Luxusautos anzutreffen… Wir
besuchen auch eine kleine Silberwerkstatt. Hier wird produziert, was in
den (teuren) Läden in Miraflores und anderswo dann als „handmade“ verkauft
wird. Mit einfachsten Hilfsmitteln und tatsächlich von Hand gefertigt, erhalten
wir hier einen Einblick ins Kunsthandwerk.
Diese Tour wird von einer Nonprofitorganisation angeboten. 70
Prozent der Einnahmen der Tours gehen in die eigenen Hilfsprojekte, und ein
solches können wir während der Tour besuchen. Es handelt sich um eine Schule
und eine Kindertagesstätte, denn oftmals sind beide Elternteile auf Arbeit
angewiesen und blieben Kinder sonst den ganzen Tag auf sich gestellt. Kinderhandel
ist ein grosses Problem des Landes. Daher kontrolliere der Staat regelmässig,
ob alle Kinder der Schule des Projektes auch tatsächlich da seien, da ein
solches Projekt auch als „Schaufenster“ für Touristen auf der Suche nach Kindern
missbraucht werden könnte. Allein der Gedanke daran lässt mich erschauern!
Wir sehen viele Kinder in der Gegend, hingegen kaum
Jugendliche. Die meisten seien irgendwo unterwegs im Versuch, etwas Geld zu
verdienen. Der Schulbesuch in Peru ist umsonst und findet in Schichten statt,
um die Räume bestmöglich zu nutzen. Aber das andernorts bereits angetroffene
Problem, dass die Bildung in den staatlichen Schulen sehr schlecht sei, ist
leider auch hier aktuell…
Zum Schluss noch etwas Werbung: www.hakutours.com
Miraflores
Den ersten Eindruck dieser riesigen Stadt erhalte ich
bereits vom Bus aus, welcher bereits während einer Stunde durch die Vororte
fuhr, ehe mein Hostel erreicht war. Lima zählt zwischen acht und zehn Millionen
Einwohner und gilt als zweitgrösste Stadt des Kontinents hinter Sao Paulo. Lima
explodierte in den letzten fünfzig Jahren förmlich, lebten doch 1960 noch
weniger als eine Million Menschen hier… und dieses schnelle Wachstum findet
sich auch im Stadtbild wieder. Doch hierzu später mehr.
Mein Hostel liegt wie der Mehrzahl der Unterkünfte in
Miraflores, im wohl reichsten Viertel der Stadt. Dieses ist das Ziel meines
ersten Spaziergangs. Ich bin nach sieben Uhr abends angekommen und möchte noch
einen ersten Eindruck gewinnen und etwas Essbares finden. Miraflores ist ein
gepflegter Ort mit viel Verkehr und Polizeipräsenz. Es finden sich viele Läden,
doch im Unterschied zu den Orten, in welchen ich während der letzten Wochen
unterwegs war, sind dies nicht mehr nur die kleinen Garagenläden oder Reisebüros,
sondern mit einem Mal begegnen mir wieder die altbekannten weltweit
verbreiteten Marken, sowohl bei den Fastfood- als auch bei Modeketten. Auch
Kaufhäuser westlichen Zuschnitts – bezüglich Layout, Waren und Preisen – finden
sich. Auch eine Vielzahl von Restaurants ist zu finden, doch leider sind auch
hier die wenigsten Lokale so ausgerichtet, dass ich gemütlich draussen sitzen
könnte. Der einsetzende Wind macht diese Idee zudem etwas weniger attraktiv. So
setze ich mich stattdessen etwas in den Park und schaue interessiert den
Darbietungen in einem kleinen Amphitheater zu, wo einige Musiker sitzen und
Paares aus dem Publikum Tanzeinlagen bieten :-) Müde kehre ich im Anschluss
zurück und verkrieche im Bett, wartet doch morgen ein intensiver Tag auf mich.
Samstag, 6. Dezember 2014
Seehunde, Delfine, Pinguine :-)
Am frühen Morgen geht es bereits aufs Wasser… Wir fahren zu
den Islas Ballestas , einer Gruppe von vorgelagerten Inseln, welche von verschiedensten
Tierarten bevölkert werden. Kaum aufgebrochen begrüssen uns Delfine, welche
fröhlich an uns vorbei schwimmen und sich immer wieder in die Höhe schrauben
mit ihren Sprüngen. An der ersten Insel angekommen sehen wir aber neben
tausenden von Vögeln zuerst den „Kerzenständer“. So nennen sie eine in den
Boden der Insel gegrabene Struktur, die wohl einen Kaktus repräsentieren soll.
Die Figur weist eine gewisse Ähnlichkeit mit den Nazca-Linien auf, ist aber nur
eine von vielen solcher Figuren auf den Inseln und dem angrenzenden Festland.
Die Bewohner der nächsten Insel verrät uns die Nase zuerst…
Eine grosse Gruppe von Seehunden bevölkert die sonnigen Felsen und das Wasser
darum herum. An Land wird gedöst oder gestritten, im Wasser geschwommen oder
gesprungen! Um die Ecke folgen die grösseren Seelöwen mit dem selben Programm
;-) Und noch etwas weiter hüpft sich eine Gruppe Pinguine dem Wasser entgegen
:-) Und wer nicht mutig genug ist, wird vom nächsten geschubst… Goldig!
Schliesslich sind alle im Wasser verschwunden und wir fahren weiter zu den
Guano-Vögeln… Toller Name, denn dies bedeutet ziemlich genau
„Vogelscheiss-Vögel“! Aber Guano ist das Produkt, welches hier alle paar Jahre
im Bereich von tausenden von Tonnen abgebaut wird.
Für den Mittag sind wir zurück im Städtchen und essen auf
einer Terrasse mit tollem Überblick über den Ort, den Hafen und das Meer :-) Im
Anschluss folgt der Besuch auf einer edlen Hacienda, welche heute ein Hotel
beherbergt. Früher wurden hier viele Sklaven in geheimen Kellern gehalten, in
welchen es mir in der kleinen Gruppe schon nicht geheuer ist… So steht das
prächtige Gebäude mit grossem Umschwung auch für diese traurige Geschichte.
Den Abschluss bildet die Fahrt in die Hauptstadt, welche ich
in meinen letzten Tagen in Südamerika erkunden möchte. Die Fahrt hierhin
gleicht den letzten Stunden mit Dörfern und Städten entlang der Strasse, alle
vorwiegend unfertig und einfach gehalten, und zwischen diesen Orten findet sich
immer noch viel Sand und nur dazwischen ab und an bewässerte und somit landwirtschaftlich
genutzte Fläche.
Achterbahnfahrt im Bus – Sandbuggying und Sandboarding in der Wüste…
Der Tag beginnt unspektakulär im Hostel, da unser Programm
erst um 14.00 startet. Es ist da ganz gemütlich, aber einfach nur lesen und
warten möchte ich auch nicht, so dass ich noch auf einen Spaziergang durch die
Oase gehe. Diese gruppiert sich um einen kleinen Teich und besteht vor allem
aus Hotels, Restaurants und Bars – und Palmen! Und dann gibt es auch hier viele
Anbieter, die vor allem eine Art von Touren anbieten: das Sandboarden.
Doch zuerst besuchen wir ein Pisco-Gut. Pisco ist das
Nationalgetränk Perus – und auch Chiles, so dass zwischen den beiden Ländern
(auch) hierüber ein Disput herrscht… So oder so ist es ein Schnapps, welcher
aus Trauben hergestellt wird, und so dem Grappa nicht unähnlich ist. Die Tour
dauert aber nur rund zehn Minuten und dann folgt etwas Degustation der Weine und
verschiedener Arten von Pisco des Gutes, zusammen mit dem Angebot, all dies
auch zu kaufen ;-)
Nach diesem kurzen Intermezzo folgt der Höhepunkt des Tages.
Wir werden in einen grossen Buggy gesetzt und an geht es in die Dünen! Es ist
ein wilder Ritt über Dünen und der Buggy hüpft hin und her und uns schüttelt es
heftig durch, aber es ist ein riesen Spass!! Meine Sitznachbarin kreischt, dass
ich fast einen Tinitus hole, aber es ist wirklich ein Abenteuer… Es fühlt sich
an wie auf einer Chilbi-Bahn, einfach ohne vorgespurte Bahn, vielmehr sind wir von
unserem Brummbär von Fahrer abhängig, der aber einen sehr guten Job macht :-)
Nach rasanten fünfzehn Minuten kommen wir auf der Spitze
einer Düne an und geht es ab aufs Sandboard. Die Guides und die Ausrüstung
können leider im Vergleich mit Namibia nicht mithalten, so dass ich es beim
bäuchlings runtergleiten belasse…
Lieber geniesse ich hernach eine zweite Runde der wilden
Fahrt durch die Dünen, auf welche wir geschickt werden… ;-) Zudem bieten sich
immer wieder tolle Überblicken über die Dünen und die Oase. Ein unvergessliches
Erlebnis!
Im Anschluss geht es zurück in den Bus und wir nehmen die
heute kurze Strecke nach Paracas unter die Räder. Hier am Meer übernachten wir
in einem tollen Hostel und finden wir ein nettes Restaurant, um den Abend
lecker und gemütlich ausklingen zu lassen.
Arequipa – Nazca – Huacachina
Ein weiteres Mal geht der Wecker frühmorgens. Heute soll es
durch die Wüste und ans Wasser gehen. Wir fahren aus der Stadt und durchfahren
abermals die weniger pittoresken Vororte der Stadt, die einen sehr ausgedehnten
Gürtel um die relativ kleine Altstadt bilden. Mit all diesen Vororten zählt die
Stadt über eine Million Einwohner und gilt nach Lima als zweitgrösste Stadt des
Landes. Auf der Fahrt kommen wir auch an
Kreuzungen vorbei, an welchen Dutzende von Tagelöhner auf eine Arbeit warten.
Wir fahren über kurvige Passstrassen an verschiedenen Minen
und Minenstädtchen vorbei und erreichen schliesslich die Küste. Die Fahrt der
Küste entlang geht in weiten Teilen durch sandige Wüsten, an und an
unterbrochen von grünen, bewässerten Feldern, um welche kleine Dörfer im Sand
gruppiert sind. In einem dieser Dörfer machen wir kurz Halt für ein Frühstück.
Alles hier wirkt etwas improvisiert und erst halb fertig, was aber wohl seit
einigen Jahren so ist… Aber das Rührei schmeckt und dann geht’s zurück in den
Bus. Immer wieder windet sich die kurvige Strasse etwas in die Höhe, um danach
wieder ans Meer zu gelangen. Diese Bilder wiederholen sich auf hunderten von
Kilometern immer wieder.
Gegen Abend erreichen wir schliesslich Nazca. Dieser Ort in
der Wüste wurde durch die nach ihm benannten Linien berühmt. Es finden sich
Dutzende von riesigen Bildern in der Wüste, welche erst beim Blick von oben als
solche erscheinen. Wer oder was hinter diesen Werken steckt, liegt immer noch
im Dunkeln… Leider ist die Ausschreibung auf der Webpage meiner Tour
irreführend, so dass ich leider keinen Flug machen kann, was aber vielleicht
gar nicht nur negativ ist, denn diese gelten als gefährlich. Stattdessen muss
ich mich mit einer Aussichtsplattform begnügen, von welcher immerhin zwei der
Strukturen gut sichtbar sind. Auch dies ist eindrücklich!
Im Anschluss folgt die letzte Etappe des heutigen Tages,
welcher fast ausschliesslich aus Bus fahren besteht. Wir erreichen schliesslich
Huacachina, eine kleine Oase in der Wüste und gehen noch gemeinsam Abendessen.
Dienstag, 2. Dezember 2014
Die weisse Stadt und Inkaterrassen über dem tiefen Cañon… Arequipa und der Cañon de Colca
Und so finde ich mich abermals in einem Nachtbus… und leider
verläuft auch diese Nacht nicht anders als die anderen im Bus, ich versuche,
irgendeine Position einzunehmen, die so halbwegs gemütlich ist, um wenigstens
etwas Schlaf zu erhalten, doch will mir nicht in den Kopf, weshalb die Sitze liegeuntauglich
sind und weshalb es im Bus während der Nacht so empfindlich kalt ist…
Naja, so wird es wieder eine Nacht mit kaum Schlaf. Ich
denke mich durch alle möglichen Themen und beschliesse dann, mir das Wichtigste
davon niederzuschreiben. So wird es immerhin eine wenn schon nicht erholsame, dafür
aber produktive Fahrt…
Am frühen Morgen erreichen wir Arequipa, die weisse Stadt. Die
Altstadt, wie Cuzco als Unesco-Weltkulturerbe ausgewiesen, schimmert im Weiss
des Vulkansteins, aus welchem sie gebaut ist. Ich spaziere am frühen Morgen
durch die Stadt und so taucht die Morgensonne die ganze Altstadt in ein
stimmungsvolles Licht :-) Das Herz- und Prunkstück ist die elegante und grüne
Plaza da Armas, welche von zweistöckigen Kolonialbauten mit Bögen im
Obergeschoss und der Kirche mit Weihnachtsbaum umgeben ist. Um diese frühe Zeit
bevölkert ein lustiges Menschengemisch diesen Ort… Ich bewege mich noch etwas
weiter durch die Gassen der Altstadt, welche mehr und mehr von Schülerinnen und
Schülern auf dem Weg zur Schule bevölkert werden. Und es ist nicht nur ein
Slogan, tatsächlich sind die meisten Bauten in edlem weiss gehalten und noch
weitgehend intakt oder gut restauriert. Welch ein Kontrast zu all den halbfertigen
und sehr einfachen Bauten in den Vororten und am Stadtrand!!
Nach diesem schönen morgendlichen Spaziergang gehe ich
zurück ins Hostel, wo schon bald meine Tour in den Cañon de Colca beginnen
soll. Die Fahrt führt uns durch die Vororte der Stadt und hier wird sehr
schnell die andere Seite der Stadt ersichtlich… Sehr einfache, oft unfertige
Bauten aus Ziegeln oder Steinen finden sich hier zu beiden Seiten der Strasse,
zudem hat es entlang der Strasse immer wieder kleine Märkte für die Waren des
täglichen Gebrauchs. Die Stadt wird umrahmt von mehreren Vulkanen, von welchen
der gefährlichste nur knapp 20km vom Stadtzentrum entfernt ist und welcher mehr
oder weniger „fällig“ wäre für den nächsten Ausbruch…
Weiter geht die Fahrt in Richtung Berge – wir werden heute
wieder knapp 5000 Meter Höhe erreichen… Und je länger der Tag dauert, desto
mehr wird mir wieder einmal bewusst, dass Schlafanzug eine wirkliche Tortur
ist… Drum bin ich sehr froh, dass diese Nachtfahrt fürs erste die letzte
gewesen sein sollte, es darf auch die letzte für die nächsten 100 Jahre gewesen
sein ;-)
Wir fahren in Richtung des Passes, der auf 4910 Metern gelegen
ist und den höchsten Punkt unserer Tour darstellt. Dabei wird die Umgebung
immer ländlicher und die Vegetation entsprechend der Höhe immer spärlicher. Wiederum
säumen verschiedene Lamaarten den Weg, wir begegnen Vikuñas, Alpacas und Lamas.
Auf dem Pass angekommen bietet sich ein schöner Rundblick über die Berge und zu
den verschiedenen Vulkanen, die diese Gegend überragenn. Zum Glück bin ich mir
die Höhe mittlerweile einigermassen gewohnt, so dass ich diesem schnellen
Aufstieg ganz gut ertrage :-)
Auf der Passhöhe finden sich zudem hunderte von
Steinmännchen. Diese sind der Pacha Mama, der Mutter Erde, gewidmet, welche den
Erbauenden im Gegenzug einen Wunsch erfüllt… Diese wird von vielen Indigenen
mit der Maria gleichgesetzt. Wie in anderen Regionen der „neuen Welt“ wurde
durch die Missionare der Katholizismus ziemlich rabiat eingeführt, doch finden
sich bis heute verschiedene Spielarten von Kombinationen aus „altem“ und „neuem“
Glaube.
Auf der Fahrt hinunter ins Val del Colca blicken wir auf ein
grünes Tal mit einem grösseren Ort und vielen Terrassen an den Hängen. Auf
diese werde ich noch zu schreiben kommen. Wir machen Mittagshalt in einem Restaurant
für Touristen, welches ein nicht ganz preiswertes, dafür vielfältiges Buffet
mit lokalen Spezialitäten auftischt. So kann ich eine Vielzahl von Gerichten
kosten – und zum Teil einen Nachschlag holen oder eben nicht ;-)
Danach folgt ein kurzer Spaziergang durch den Ort. Dieser
weist wiederum den zentralen Platz, die Plaza auf, hinter welcher ein kleiner
Markt beginnt. Ich erkunde dazu die dahinter folgenden Kiesstrassen und entdecke
ähnlich einfach gebaute und gehaltene Häuschen und Hütten wie im Umfeld der
grösseren Städte. Und überall finden sich ganz kleine Restaurants, die hauptsächlich
Poulet in unterschiedlichen Variationen anbieten.
Da auch diese Gegend wie bereits erwähnt vulkanische ist,
finden sich schön im Tal gelegen heisse Quellen. Und in diese soll es nun
gehen! Der perfekte Ort, um müde wie ich bin, einfach die Seele baumeln zu
lassen :-) Die Fahrt zurück gerät zum Highlight, als dass sich der Himmel in
den schönsten Farben präsentiert und so auch den einen Vulkan, welcher ständig
eine kleine Rauchwolke emittiert, ins perfekte Licht setzt!
Mein Abendprogramm ist schnell erzählt… Um halb Acht (!)
fallen mir die Augen zu. Doch so sollte ich morgen den Nachtbus überwunden
haben…
Und der nächste Tag beginnt früh, um sechs Uhr fahren wir
los durchs Tal des Colca in Richtung Cañon. Auf der Fahrt machen wir Halt in
einigen Dörfern, die im Tal zu finden sind. Diese gleichen sich alle etwas, sie
weisen neben der Plaza eine weisse Kirche mit schönen Fresken und kitschigen
(zumindest meiner Meinung nach) Altäre auf. Darum herum dominieren einfache Häuschen
mit Wellblech- oder Strohdächern.
Das tiefe Tal mit den steilen Hängen erscheint weniger als
ein klassischer Canyon sondern mehr als besonders geprägtes Bergtal, welches
von der Sonne schön beschienen wird. Mit dem Wetter habe ich es sehr gut erwischt,
denn um diese Zeit beginnt die Regenzeit, doch zu meinem Glück lässt die noch
etwas auf sich warten. Wir fahren durchs Tal bis zu dem Punkt, wo es immer wilder
und steiler wird und wo oft Kondore anzutreffen sind.
Und siehe da, ein Kondor fliegt tatsächlich im Tiefflug über
uns und mir direkt vor die Linse :-) Wir spazieren dem Rand des Cañons entlang
und sehen immer wieder spektakulär in die Tiefe zum Bach, auf kleine Dörfer die
am Hang kleben und auf weitere Terrassen. Diese Terrassen wurden bereits von
den Inka angelegt, um in dieser steilen Umwelt etwas mehr landwirtschaftlich
nutzbare Fläche zu generieren. Auf der Rückfahrt ins Dorf halten wir an einigen
besonders schönen Aussichtspunkten, von welchen aus insbesondere ersichtlich
wird, wie diese Terrassen auch heute noch mit dem Pflug und dank gut in Stand gehaltenen
Wasserkanälen (wie die Suonen im Wallis) bearbeitet werden.
Schliesslich kommen wir zurück im Hauptort an, wo ein
ähnliches Mittagessen wie gestern gebucht werden könnte. Doch hole ich mir
lieber etwas von der Strasse und setze mich gemütlich auf die Plaza und beobachte
die Szenerie.
Die Rückfahrt folgt dann der selben Strecke wie die Hinfahrt
gestern, so dass etwas Zeit zum Faulenzen und schreiben bleibt. Früher als angekündigt
sind wir zurück in Arequipa, so dass ich noch einmal gemütlich diese schöne Stadt
weitererkunden und etwas Leckeres zum Znacht suchen kann. Dieses finde ich dann
auf einem der Balkone an der Plaza und geniesse das Essen und die Stimmung :-)
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