Dienstag, 9. Dezember 2014

Pictures Peru I



































































Mein letzter Tag in Südamerika

Ich erwache am Morgen und bin nur noch erschöpft… die letzten Tage waren aufreibend und mein Magen und meine Verdauung spielen schon seit einigen Tagen verrückt und tun somit ihr übriges… Daher setze ich mir keine grossen Ziele mehr und möchte einfach noch einen gemütlichen Tag verbringen. Doch ich denke mir, ich könnte noch versuchen, mir die Haare schneiden zu lassen. Gesagt, getan, finde ich schon bald einen freundlichen Herrn in einem altmodischen Salon, der mir für 7 Franken einen neuen Haarschnitt verpasst. Es ist ganz witzig, da wir uns nur bedingt verstehen und er immer neue Fragen stellt – zu den Haaren, Peru, dem Leben etc. Doch es ist kurzweilig und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen ;-)

Danach treffe ich mich mit einer Bekannten, der ich immer wieder auf verschiedenen Touren begegnet bin zum Zmittag und zu einem Spaziergang zum Meer. Da hat es eine schöne und edle Mall mitten in den Klippen der Steilküste. Nicht wirklich typisch Lima, aber ein guter Ort, um gemütlich auszuspannen.

Danach komme ich zurück ins Hostel, um noch etwas zu lesen und neu zu packen – erfolgreich, habe noch freien Platz im Rucksack und nur noch 17kg. So kann ich mir in den nächsten Tagen noch etwas neue Sommerkleider kaufen, denn meine 4 T-Shirts habe ich langsam aber sicher satt...

Am nächsten Morgen fahre ich mit einem Taxi in Richtung Flughafen, und die Fahrt wird noch einmal zu einem Erlebnis. Der Fahrer verfährt sich und es herrscht ein ziemliches Chaos auf den Strassen! Aber ich komme doch noch gut am Flughafen an und erreiche rechtzeitig mein Gate: USA – ich komme zurück!

Ich habe all die Eindrücke in Südamerika sehr genossen, freue mich aber nun auch auf Hawaii und darauf, dass ich die Sprache wieder besser verstehe. Und die stundenlangen Fahrten in ungemütlichen Bussen werde ich wohl kaum vermissen ;-) Aber ich habe es sehr gut erwischt, ich war kaum krank, und erlebte keine Überfälle oder ähnliches. Ich habe mir aber auch alle Mühe gegeben, mich vernünftig zu verhalten, und doch braucht es auch noch das notwendige Glück dazu, dass ich glücklicherweise mein Eigen nennen durfte :-)

Panoramic Tour und Barranco

Die Tour des Vortages fand ich so spannend, dass ich für heute gleich nochmals eine Tour mit dem selben Anbieter buche. Heute soll es auf die Panoramic Tour gehen, welche eine Übersicht über die ganze Stadt geben soll. Und so machen wir uns auf den Weg auf einen Hügel, von welchem diese geboten sein soll.

So wir hier wird zum einen deutlich, wie gross diese Stadt ist, auch wenn der Nebel noch einige Teile der Stadt bedeckt. Zum anderen zeigt sich auch, wie einschneidend die erste Andenkette die unterschiedlichen Teile der Stadt trennt. Neue Tunnel sollen hier Abhilfe schaffen, doch sind solche nur aufwändig und teuer zu erstellen. Die Fahrt auf den Aussichtspunkt führt durch ehemalige Marginalsiedlungen, die heute von einer Mittelklasse bewohnt werden. Hier ist deutlich zu sehen, dass der Ausdruck „Slum of Hope“ durchaus seine Richtigkeit hat, denn einige der Häuser sind in einem richtig guten Zustand. Dass dies aber nicht zwingend passieren muss, wird auch deutlich, denn in unmittelbarer Nachbarschaft kann sich immer noch eine baufällige Bretterbude finden.

Auf dem Hügel findet sich ein grosses Kreuz und viele Kerzen darunter. Diese finden sich in unterschiedlicher Farbe – ja nach Wunsch, der erfüllt werden soll. Ein weiteres Beispiel dafür, dass traditioneller und katholischer Glaube ineinander übergehen kann…

Im Anschluss fahren wir zurück in die Ebene und besuchen einen riesigen Friedhof. Dieser ist ganz anders als alle, die ich bisher gesehen hatte: Wie Plattenbauten finden sich hunderte ca. sechsstöckige Hochhäuser, in welchen die Gräber angeordnet sind. Dabei herrscht ein fröhliches Geplauder und allgemein eine aufgeräumte Stimmung. Viele Menschen kämen zum Picknick hierhin, um mit den verblichenen Familienmitgliedern Zeit zu verbringen. Ich bin beeindruckt von diesem Ort.

Als letzter Halt stehen der grösste Markt der Stadt und die Chinatown auf dem Programm. Hier sehe ich ein weiteres Mal die Vielfalt der Produkte, die angeboten wird. Unter anderem wird wirklich alles vom Tier verwertet und verkauft, inklusive Magen, Hirn etc. Die Chinatown ist etwas speziell hier, doch der Tatsache geschuldet, dass im 19. Jahrhundert zuerst Chinesen und später auch Japaner regelrecht importiert wurden, um zu arbeiten. Diese kamen aber freiwillig, um ihre Chancen zu nutzen, reich zu werden. In einigen Fällen sollte dies klappen, in vielen anderen jedoch nicht…

Nach dem Mittag möchte ich einen Besuch auf dem Gelände der aktuell stattfindenen Weltklimakonferenz machen. Doch diese scheint trotz den vielfältigen Ausstellungen in der ganzen Stadt nicht bei allen Taxifahrern angekommen zu sein, denn zuerst werde ich in der grössten Mall der Stadt ausgeladen… Auch ganz spannend, aber nicht das Gesuchte ;-) Im zweiten Anlauf klappt es dann und ich finde mich auf einem grossen Gelände, auf welchem viele junge Volunteers herumwuseln. Hier werden die Reden direkt auf eine Pferderennbahn übertragen, so dass man auf der Tribüne diesen folgen kann. Daneben sind verschiedene thematische Pavillon zu finden, die sich mit der Thematik befassen. Dies ist spannend, doch einmal mehr ist alles nur auf Spanisch angeboten. Immerhin macht es hier mehr Sinn als andernorts, denn diese Ausstellung ist vor allem für die Bewohner der Gastgeberstadt und weniger für Touristen für mich gemacht.

Den Abschluss des Tages soll der Besuch von Barranco darstellen. Dieser Ort hat den Charme der alten, etwas heruntergekommenen Paläste und bieten schöne Aussichten aufs Meer und die Strände. Diese sind rege besucht, wenngleich sich aufgrund der kalten Meeresströmung nur wenige ins rund 15 Grad kalte Wasser wagen…

So habe ich nun sehr verschiedene Facetten dieser Millionenstadt kennengelernt und mache mich auf den Weg zurück nach Miraflores, um da noch ein leckeres Znacht zu finden.

Das Zentrum Limas

Nach dieser Vielzahl von Eindrücken gibt es ein Mittagessen in einem kleinen Lokal am Stadtrand. Danach geht es per Taxi ins Stadtzentrum, ins eigentliche Lima. Denn die besagten Vororte wie Miraflores oder Villa El Salvador sind eigenständige Gemeinden, welche sich selbst verwalten. Dies bringt die beschriebene Segregation noch mehr zur Geltung, da kein finanzieller Ausgleich stattfindet.

Im Zentrum finden sich alte und schöne Kolonialbauten in sehr unterschiedlichem Zustand, doch in der Mehrzahl sind sie sanierungsbedürftig. Erst in letzter Zeit wurde versucht, das Zentrum wieder etwas aufzuwerten, da dieses – und vor allem die Zonen um das unmittelbare Zentrum herum – während langer Zeit im Niedergang waren. In den letztgenannten scheint dies ungebremst weiterzugehen, die bei Santiago bereits beschriebenen Tugurios, ärmste Wohnverhältnisse in ehemals besseren Häusern, ist hier auch deutlich erkennbar. Auch die beschriebenen Kolonialgebäude werden zum Teil so genutzt. Es gibt eine Vielzahl von Balkons – die besonders schönen und aufwändigen gehen auf die Tradition im 17. Jahrhundert zurück, als sich die Frauen nicht unverschleiert in der Öffentlichkeit zeigen durften und so auch auf den Balkons vor Blicken „geschützt“ werden sollten. Daher wurden diese Balkons mit schönen Holzschnitzereien fast als zusätzliches Zimmer geschaffen

Es herrscht ein lebhafter Betrieb in der Fussgängerzone – das Erdgeschoss dieser alten Häuser ist heute die Heimat vieler Läden. Doch sollte man hier nach Ladenschluss bei Nacht besser nicht sein… Unser Guide weiss uns viele interessante Details der Geschichte der Stadt und des Landes zu erzählen, welche sich an unterschiedlichen Orten oder Gebäuden manifestiert. Wir kommen auch an die Plaza de Armas, die wie fast überall das klassische Zentrum darstellt. Dann folgt der Besuch einer schönen Kirche mit angebautem Kloster. Hier sind tolle alte Wandmalereien zu finden, welche die verschiedenen Erdbeben überdauert haben, im Gegensatz zu vielem anderen!

Besonders eindrücklich sind die Katakomben… Diese dienten über lange Zeit als letzte Ruhestätte für die Gebeine, doch irgendwann schienen sie zu voll zu sein. So kam der Bischof auf die Idee, alles neu und effizienter zu ordnen und so finden sich nun schön aufgeräumt Schädel in der einen Grube, Armknochen in der nächsten etc. Ein ziemlich gewöhnungsbedürftiger Anblick…

So lerne ich noch verschiedene weitere schöne und/oder interessante Ecken der Stadt kennen. Auf dem Rückweg in Richtung Süden lasse ich mich bei einem Park mit vielen Fontänen ausladen. Hier wurde eine Sehenswürdigkeit und ein Naherholungsgebiet erschaffen, indem zahlreiche Brunnen mit Wasserspielen erbaut wurden, die v.a. bei Nacht mit einem schönen Lichtkonzept in Szene gesetzt werden. Zudem erfolgt jeden Abend drei Mal eine zwanzigminütige Lasershow, welche auf einen Wasserfilm projiziert wird. Bei der Suche nach einem Taxi zurück, merke wieder einmal, dass ich ein Gringo bin, als der erste Fahrer versucht, mich ziemlich heftig übers Ohr zu hauen. Doch zu meinem Glück ist der nächste dann sehr freundlich uns so komme ich sehr müde aber zufrieden zurück in meinem Hostel an.

Villa El Salvador

Lima ist in meinem Kurs zur Stadtgeographie ein Fallbeispiel und ist ein Musterbeispiel einer extrem segregierten Stat. Aus diesem Grund bin ich einerseits sehr gut eingelesen über die Stadt und andererseits besonders interessiert, dies alles nun auch erleben zu dürfen. Ich habe für den ganzen Tag eine Tour gebucht, die mich an besonders interessante Punkte bringen soll. Der Tag beginnt mit dem Besuch der grössten Favela des Kontinents: In Villa El Salvador leben geschätzte zwei Millionen Einwohner. Lima gilt als zweittrockenste Hauptstadt der Welt (hinter Kairo) und liegt am Fuss der Anden. So ist die Entwicklung der Stadt gut nachvollziehbar, wie im Zwiebelmodell kam Schicht um Schicht hinzu, bis die Gipfel der Hügel erreicht und bebaut waren. Daher sind hier die obersten Lagen die schlechtesten, da alle anderen einfach zuvor genommen wurden. Zudem sind diese näher am Wasser, denn dieses wird durch die Flüsse aus den Anden an die Küste gebracht und fällt nicht hier. Lima liegt zwar oft im Nebel – und ist so mit Swakopmund in Namibia vergleichbar – aber der jährliche Niederschlag liegt bei 10mm!

Das erwähnte sehr schnelle Wachstum der Stadt habe verschiedene Gründe. Zum einen handle es sich um klassische Landflucht, zum anderen seien jedoch lokale Besonderheiten wie die Unsicherheit nach der Landreform und die Flucht vor dem Terror des „Sendero Luminoso“ die Ursachen. Bei ersterem wollte eine kommunistische Regierung in den 1960er-Jahren die ungerechte Landverteilung aus der Kolonialzeit neu regeln. Dabei hätte sich aber das Problem ergeben, dass die Landbevölkerung keine Papiere gehabt habe, um das Land legal zu erhalten und die alten Besitzer verliessen die Gegend. So sei eine grosse Unsicherheit eingetreten und niemand habe mehr das Land bebaut, was viele zur Migration in die Hauptstadt getrieben habe. Und die Gruppe des „Leuchtenden Pfades“ wollte mit Terror eine Neuordnung des Landes erreichen, worunter jedoch vor allem die Ärmsten auf dem Land litten, die vor eben diesem Terror ebenfalls in die Stadt flüchteten. Diese Terrorwelle dauerte viele Jahre, bis Fujimori dem ein Ende setzen konnte. Auch die Barriadas in Lima galten zu dieser Zeit als Hochburgen des Terrors, weshalb unser Guide Fujimori verehrt, auch wenn dieser mittlerweile im Gefängnis sitzt, da er nicht nur korrekt regiert hatte…

Wir besuchen zuerst einen lokalen Markt, auf welchem alles Mögliche angeboten wird und auf dem eine jede und ein jeder etwas von einem Medizinmann oder einer Medizinfrau hat und das jeweils Passende verkaufen möchte. Alles wird ohne Kühlkette verkauft, was bedeutet, dass insbesondere das angebotene Fleisch sehr frisch sein muss – oder dann nicht mehr wirklich gesund ist… Die Traditionen der Inka haben zum Teil auch in der Stadt überlebt, so sei es üblich, dass unter den Bewohnern eine grosse Solidarität herrsche und man sich gegenseitig helfe.

Im Anschluss gehen wir immer weiter den Hügel hinauf. Die Aussicht ist herrlich, aber die Erschliessung nicht, und so heisst es für diejenigen, die ganz oben wohnen, täglich hinunter Teil gelegt, aber oft sind diese nicht angeschlossen, unter anderem, da die Versorgungsgesellschaft 6 Monate Vorzahlung verlangt, was für viele nicht möglich ist. So kaufen sie täglich neu Wasser von den Lastwagen und zahlen so zum einen mehr und zum anderen ist es sehr beschwerlich, das Wasser in den Containern oder Flaschen nach Hause zu schleppen. Wir begegnen verschiedenen Bewohnern, die kurz für einen Schwatz haltmachen, da sie unseren Guide kennen, der in diesem Quartier aufgewachsen ist und nun diese Touren leitet. All diese Orte wären ohne Führung nicht begehbar, immer wieder winkt unser Guide „Aufpassern“ zu, die sicherstellen, dass niemand „falsches“ in dieser Zone auftaucht, denn das Kokain und die Kokain-Mafia hätten die ganze Barriada unter Kontrolle! Es sei sehr schwierig, dagegen vorzugehen, da zu viel Geld damit zu machen sei und die Verlockungen für die Jugendlichen immens seien. Daher sei es auch nicht ungewöhnlich, mitten in diesen Barriadas Luxusautos anzutreffen… Wir  besuchen auch eine kleine Silberwerkstatt. Hier wird produziert, was in den (teuren) Läden in Miraflores und anderswo dann als „handmade“ verkauft wird. Mit einfachsten Hilfsmitteln und tatsächlich von Hand gefertigt, erhalten wir hier einen Einblick ins Kunsthandwerk.

Diese Tour wird von einer Nonprofitorganisation angeboten. 70 Prozent der Einnahmen der Tours gehen in die eigenen Hilfsprojekte, und ein solches können wir während der Tour besuchen. Es handelt sich um eine Schule und eine Kindertagesstätte, denn oftmals sind beide Elternteile auf Arbeit angewiesen und blieben Kinder sonst den ganzen Tag auf sich gestellt. Kinderhandel ist ein grosses Problem des Landes. Daher kontrolliere der Staat regelmässig, ob alle Kinder der Schule des Projektes auch tatsächlich da seien, da ein solches Projekt auch als „Schaufenster“ für Touristen auf der Suche nach Kindern missbraucht werden könnte. Allein der Gedanke daran lässt mich erschauern!

Wir sehen viele Kinder in der Gegend, hingegen kaum Jugendliche. Die meisten seien irgendwo unterwegs im Versuch, etwas Geld zu verdienen. Der Schulbesuch in Peru ist umsonst und findet in Schichten statt, um die Räume bestmöglich zu nutzen. Aber das andernorts bereits angetroffene Problem, dass die Bildung in den staatlichen Schulen sehr schlecht sei, ist leider auch hier aktuell…

Zum Schluss noch etwas Werbung: www.hakutours.com

Miraflores

Den ersten Eindruck dieser riesigen Stadt erhalte ich bereits vom Bus aus, welcher bereits während einer Stunde durch die Vororte fuhr, ehe mein Hostel erreicht war. Lima zählt zwischen acht und zehn Millionen Einwohner und gilt als zweitgrösste Stadt des Kontinents hinter Sao Paulo. Lima explodierte in den letzten fünfzig Jahren förmlich, lebten doch 1960 noch weniger als eine Million Menschen hier… und dieses schnelle Wachstum findet sich auch im Stadtbild wieder. Doch hierzu später mehr.

Mein Hostel liegt wie der Mehrzahl der Unterkünfte in Miraflores, im wohl reichsten Viertel der Stadt. Dieses ist das Ziel meines ersten Spaziergangs. Ich bin nach sieben Uhr abends angekommen und möchte noch einen ersten Eindruck gewinnen und etwas Essbares finden. Miraflores ist ein gepflegter Ort mit viel Verkehr und Polizeipräsenz. Es finden sich viele Läden, doch im Unterschied zu den Orten, in welchen ich während der letzten Wochen unterwegs war, sind dies nicht mehr nur die kleinen Garagenläden oder Reisebüros, sondern mit einem Mal begegnen mir wieder die altbekannten weltweit verbreiteten Marken, sowohl bei den Fastfood- als auch bei Modeketten. Auch Kaufhäuser westlichen Zuschnitts – bezüglich Layout, Waren und Preisen – finden sich. Auch eine Vielzahl von Restaurants ist zu finden, doch leider sind auch hier die wenigsten Lokale so ausgerichtet, dass ich gemütlich draussen sitzen könnte. Der einsetzende Wind macht diese Idee zudem etwas weniger attraktiv. So setze ich mich stattdessen etwas in den Park und schaue interessiert den Darbietungen in einem kleinen Amphitheater zu, wo einige Musiker sitzen und Paares aus dem Publikum Tanzeinlagen bieten :-) Müde kehre ich im Anschluss zurück und verkrieche im Bett, wartet doch morgen ein intensiver Tag auf mich. 

Samstag, 6. Dezember 2014

Seehunde, Delfine, Pinguine :-)

Am frühen Morgen geht es bereits aufs Wasser… Wir fahren zu den Islas Ballestas , einer Gruppe von vorgelagerten Inseln, welche von verschiedensten Tierarten bevölkert werden. Kaum aufgebrochen begrüssen uns Delfine, welche fröhlich an uns vorbei schwimmen und sich immer wieder in die Höhe schrauben mit ihren Sprüngen. An der ersten Insel angekommen sehen wir aber neben tausenden von Vögeln zuerst den „Kerzenständer“. So nennen sie eine in den Boden der Insel gegrabene Struktur, die wohl einen Kaktus repräsentieren soll. Die Figur weist eine gewisse Ähnlichkeit mit den Nazca-Linien auf, ist aber nur eine von vielen solcher Figuren auf den Inseln und dem angrenzenden Festland.

Die Bewohner der nächsten Insel verrät uns die Nase zuerst… Eine grosse Gruppe von Seehunden bevölkert die sonnigen Felsen und das Wasser darum herum. An Land wird gedöst oder gestritten, im Wasser geschwommen oder gesprungen! Um die Ecke folgen die grösseren Seelöwen mit dem selben Programm ;-) Und noch etwas weiter hüpft sich eine Gruppe Pinguine dem Wasser entgegen :-) Und wer nicht mutig genug ist, wird vom nächsten geschubst… Goldig! Schliesslich sind alle im Wasser verschwunden und wir fahren weiter zu den Guano-Vögeln… Toller Name, denn dies bedeutet ziemlich genau „Vogelscheiss-Vögel“! Aber Guano ist das Produkt, welches hier alle paar Jahre im Bereich von tausenden von Tonnen abgebaut wird.

Für den Mittag sind wir zurück im Städtchen und essen auf einer Terrasse mit tollem Überblick über den Ort, den Hafen und das Meer :-) Im Anschluss folgt der Besuch auf einer edlen Hacienda, welche heute ein Hotel beherbergt. Früher wurden hier viele Sklaven in geheimen Kellern gehalten, in welchen es mir in der kleinen Gruppe schon nicht geheuer ist… So steht das prächtige Gebäude mit grossem Umschwung auch für diese traurige Geschichte.


Den Abschluss bildet die Fahrt in die Hauptstadt, welche ich in meinen letzten Tagen in Südamerika erkunden möchte. Die Fahrt hierhin gleicht den letzten Stunden mit Dörfern und Städten entlang der Strasse, alle vorwiegend unfertig und einfach gehalten, und zwischen diesen Orten findet sich immer noch viel Sand und nur dazwischen ab und an bewässerte und somit landwirtschaftlich genutzte Fläche. 

Achterbahnfahrt im Bus – Sandbuggying und Sandboarding in der Wüste…

Der Tag beginnt unspektakulär im Hostel, da unser Programm erst um 14.00 startet. Es ist da ganz gemütlich, aber einfach nur lesen und warten möchte ich auch nicht, so dass ich noch auf einen Spaziergang durch die Oase gehe. Diese gruppiert sich um einen kleinen Teich und besteht vor allem aus Hotels, Restaurants und Bars – und Palmen! Und dann gibt es auch hier viele Anbieter, die vor allem eine Art von Touren anbieten: das Sandboarden.

Doch zuerst besuchen wir ein Pisco-Gut. Pisco ist das Nationalgetränk Perus – und auch Chiles, so dass zwischen den beiden Ländern (auch) hierüber ein Disput herrscht… So oder so ist es ein Schnapps, welcher aus Trauben hergestellt wird, und so dem Grappa nicht unähnlich ist. Die Tour dauert aber nur rund zehn Minuten und dann folgt etwas Degustation der Weine und verschiedener Arten von Pisco des Gutes, zusammen mit dem Angebot, all dies auch zu kaufen ;-)

Nach diesem kurzen Intermezzo folgt der Höhepunkt des Tages. Wir werden in einen grossen Buggy gesetzt und an geht es in die Dünen! Es ist ein wilder Ritt über Dünen und der Buggy hüpft hin und her und uns schüttelt es heftig durch, aber es ist ein riesen Spass!! Meine Sitznachbarin kreischt, dass ich fast einen Tinitus hole, aber es ist wirklich ein Abenteuer… Es fühlt sich an wie auf einer Chilbi-Bahn, einfach ohne vorgespurte Bahn, vielmehr sind wir von unserem Brummbär von Fahrer abhängig, der aber einen sehr guten Job macht :-)

Nach rasanten fünfzehn Minuten kommen wir auf der Spitze einer Düne an und geht es ab aufs Sandboard. Die Guides und die Ausrüstung können leider im Vergleich mit Namibia nicht mithalten, so dass ich es beim bäuchlings runtergleiten belasse…

Lieber geniesse ich hernach eine zweite Runde der wilden Fahrt durch die Dünen, auf welche wir geschickt werden… ;-) Zudem bieten sich immer wieder tolle Überblicken über die Dünen und die Oase. Ein unvergessliches Erlebnis!


Im Anschluss geht es zurück in den Bus und wir nehmen die heute kurze Strecke nach Paracas unter die Räder. Hier am Meer übernachten wir in einem tollen Hostel und finden wir ein nettes Restaurant, um den Abend lecker und gemütlich ausklingen zu lassen.

Arequipa – Nazca – Huacachina

Ein weiteres Mal geht der Wecker frühmorgens. Heute soll es durch die Wüste und ans Wasser gehen. Wir fahren aus der Stadt und durchfahren abermals die weniger pittoresken Vororte der Stadt, die einen sehr ausgedehnten Gürtel um die relativ kleine Altstadt bilden. Mit all diesen Vororten zählt die Stadt über eine Million Einwohner und gilt nach Lima als zweitgrösste Stadt des Landes.  Auf der Fahrt kommen wir auch an Kreuzungen vorbei, an welchen Dutzende von Tagelöhner auf eine Arbeit warten.

Wir fahren über kurvige Passstrassen an verschiedenen Minen und Minenstädtchen vorbei und erreichen schliesslich die Küste. Die Fahrt der Küste entlang geht in weiten Teilen durch sandige Wüsten, an und an unterbrochen von grünen, bewässerten Feldern, um welche kleine Dörfer im Sand gruppiert sind. In einem dieser Dörfer machen wir kurz Halt für ein Frühstück. Alles hier wirkt etwas improvisiert und erst halb fertig, was aber wohl seit einigen Jahren so ist… Aber das Rührei schmeckt und dann geht’s zurück in den Bus. Immer wieder windet sich die kurvige Strasse etwas in die Höhe, um danach wieder ans Meer zu gelangen. Diese Bilder wiederholen sich auf hunderten von Kilometern immer wieder.

Gegen Abend erreichen wir schliesslich Nazca. Dieser Ort in der Wüste wurde durch die nach ihm benannten Linien berühmt. Es finden sich Dutzende von riesigen Bildern in der Wüste, welche erst beim Blick von oben als solche erscheinen. Wer oder was hinter diesen Werken steckt, liegt immer noch im Dunkeln… Leider ist die Ausschreibung auf der Webpage meiner Tour irreführend, so dass ich leider keinen Flug machen kann, was aber vielleicht gar nicht nur negativ ist, denn diese gelten als gefährlich. Stattdessen muss ich mich mit einer Aussichtsplattform begnügen, von welcher immerhin zwei der Strukturen gut sichtbar sind. Auch dies ist eindrücklich!


Im Anschluss folgt die letzte Etappe des heutigen Tages, welcher fast ausschliesslich aus Bus fahren besteht. Wir erreichen schliesslich Huacachina, eine kleine Oase in der Wüste und gehen noch gemeinsam Abendessen. 

Dienstag, 2. Dezember 2014

Die weisse Stadt und Inkaterrassen über dem tiefen Cañon… Arequipa und der Cañon de Colca

Und so finde ich mich abermals in einem Nachtbus… und leider verläuft auch diese Nacht nicht anders als die anderen im Bus, ich versuche, irgendeine Position einzunehmen, die so halbwegs gemütlich ist, um wenigstens etwas Schlaf zu erhalten, doch will mir nicht in den Kopf, weshalb die Sitze liegeuntauglich sind und weshalb es im Bus während der Nacht so empfindlich kalt ist…
Naja, so wird es wieder eine Nacht mit kaum Schlaf. Ich denke mich durch alle möglichen Themen und beschliesse dann, mir das Wichtigste davon niederzuschreiben. So wird es immerhin eine wenn schon nicht erholsame, dafür aber produktive Fahrt…

Am frühen Morgen erreichen wir Arequipa, die weisse Stadt. Die Altstadt, wie Cuzco als Unesco-Weltkulturerbe ausgewiesen, schimmert im Weiss des Vulkansteins, aus welchem sie gebaut ist. Ich spaziere am frühen Morgen durch die Stadt und so taucht die Morgensonne die ganze Altstadt in ein stimmungsvolles Licht :-) Das Herz- und Prunkstück ist die elegante und grüne Plaza da Armas, welche von zweistöckigen Kolonialbauten mit Bögen im Obergeschoss und der Kirche mit Weihnachtsbaum umgeben ist. Um diese frühe Zeit bevölkert ein lustiges Menschengemisch diesen Ort… Ich bewege mich noch etwas weiter durch die Gassen der Altstadt, welche mehr und mehr von Schülerinnen und Schülern auf dem Weg zur Schule bevölkert werden. Und es ist nicht nur ein Slogan, tatsächlich sind die meisten Bauten in edlem weiss gehalten und noch weitgehend intakt oder gut restauriert. Welch ein Kontrast zu all den halbfertigen und sehr einfachen Bauten in den Vororten und am Stadtrand!!

Nach diesem schönen morgendlichen Spaziergang gehe ich zurück ins Hostel, wo schon bald meine Tour in den Cañon de Colca beginnen soll. Die Fahrt führt uns durch die Vororte der Stadt und hier wird sehr schnell die andere Seite der Stadt ersichtlich… Sehr einfache, oft unfertige Bauten aus Ziegeln oder Steinen finden sich hier zu beiden Seiten der Strasse, zudem hat es entlang der Strasse immer wieder kleine Märkte für die Waren des täglichen Gebrauchs. Die Stadt wird umrahmt von mehreren Vulkanen, von welchen der gefährlichste nur knapp 20km vom Stadtzentrum entfernt ist und welcher mehr oder weniger „fällig“ wäre für den nächsten Ausbruch…

Weiter geht die Fahrt in Richtung Berge – wir werden heute wieder knapp 5000 Meter Höhe erreichen… Und je länger der Tag dauert, desto mehr wird mir wieder einmal bewusst, dass Schlafanzug eine wirkliche Tortur ist… Drum bin ich sehr froh, dass diese Nachtfahrt fürs erste die letzte gewesen sein sollte, es darf auch die letzte für die nächsten 100 Jahre gewesen sein ;-)
Wir fahren in Richtung des Passes, der auf 4910 Metern gelegen ist und den höchsten Punkt unserer Tour darstellt. Dabei wird die Umgebung immer ländlicher und die Vegetation entsprechend der Höhe immer spärlicher. Wiederum säumen verschiedene Lamaarten den Weg, wir begegnen Vikuñas, Alpacas und Lamas. Auf dem Pass angekommen bietet sich ein schöner Rundblick über die Berge und zu den verschiedenen Vulkanen, die diese Gegend überragenn. Zum Glück bin ich mir die Höhe mittlerweile einigermassen gewohnt, so dass ich diesem schnellen Aufstieg ganz gut ertrage :-)

Auf der Passhöhe finden sich zudem hunderte von Steinmännchen. Diese sind der Pacha Mama, der Mutter Erde, gewidmet, welche den Erbauenden im Gegenzug einen Wunsch erfüllt… Diese wird von vielen Indigenen mit der Maria gleichgesetzt. Wie in anderen Regionen der „neuen Welt“ wurde durch die Missionare der Katholizismus ziemlich rabiat eingeführt, doch finden sich bis heute verschiedene Spielarten von Kombinationen aus „altem“ und „neuem“ Glaube.

Auf der Fahrt hinunter ins Val del Colca blicken wir auf ein grünes Tal mit einem grösseren Ort und vielen Terrassen an den Hängen. Auf diese werde ich noch zu schreiben kommen. Wir machen Mittagshalt in einem Restaurant für Touristen, welches ein nicht ganz preiswertes, dafür vielfältiges Buffet mit lokalen Spezialitäten auftischt. So kann ich eine Vielzahl von Gerichten kosten – und zum Teil einen Nachschlag holen oder eben nicht ;-)

Danach folgt ein kurzer Spaziergang durch den Ort. Dieser weist wiederum den zentralen Platz, die Plaza auf, hinter welcher ein kleiner Markt beginnt. Ich erkunde dazu die dahinter folgenden Kiesstrassen und entdecke ähnlich einfach gebaute und gehaltene Häuschen und Hütten wie im Umfeld der grösseren Städte. Und überall finden sich ganz kleine Restaurants, die hauptsächlich Poulet in unterschiedlichen Variationen anbieten.

Da auch diese Gegend wie bereits erwähnt vulkanische ist, finden sich schön im Tal gelegen heisse Quellen. Und in diese soll es nun gehen! Der perfekte Ort, um müde wie ich bin, einfach die Seele baumeln zu lassen :-) Die Fahrt zurück gerät zum Highlight, als dass sich der Himmel in den schönsten Farben präsentiert und so auch den einen Vulkan, welcher ständig eine kleine Rauchwolke emittiert, ins perfekte Licht setzt!

Mein Abendprogramm ist schnell erzählt… Um halb Acht (!) fallen mir die Augen zu. Doch so sollte ich morgen den Nachtbus überwunden haben…

Und der nächste Tag beginnt früh, um sechs Uhr fahren wir los durchs Tal des Colca in Richtung Cañon. Auf der Fahrt machen wir Halt in einigen Dörfern, die im Tal zu finden sind. Diese gleichen sich alle etwas, sie weisen neben der Plaza eine weisse Kirche mit schönen Fresken und kitschigen (zumindest meiner Meinung nach) Altäre auf. Darum herum dominieren einfache Häuschen mit Wellblech- oder Strohdächern.

Das tiefe Tal mit den steilen Hängen erscheint weniger als ein klassischer Canyon sondern mehr als besonders geprägtes Bergtal, welches von der Sonne schön beschienen wird. Mit dem Wetter habe ich es sehr gut erwischt, denn um diese Zeit beginnt die Regenzeit, doch zu meinem Glück lässt die noch etwas auf sich warten. Wir fahren durchs Tal bis zu dem Punkt, wo es immer wilder und steiler wird und wo oft Kondore anzutreffen sind.

Und siehe da, ein Kondor fliegt tatsächlich im Tiefflug über uns und mir direkt vor die Linse :-) Wir spazieren dem Rand des Cañons entlang und sehen immer wieder spektakulär in die Tiefe zum Bach, auf kleine Dörfer die am Hang kleben und auf weitere Terrassen. Diese Terrassen wurden bereits von den Inka angelegt, um in dieser steilen Umwelt etwas mehr landwirtschaftlich nutzbare Fläche zu generieren. Auf der Rückfahrt ins Dorf halten wir an einigen besonders schönen Aussichtspunkten, von welchen aus insbesondere ersichtlich wird, wie diese Terrassen auch heute noch mit dem Pflug und dank gut in Stand gehaltenen Wasserkanälen (wie die Suonen im Wallis) bearbeitet werden.
Schliesslich kommen wir zurück im Hauptort an, wo ein ähnliches Mittagessen wie gestern gebucht werden könnte. Doch hole ich mir lieber etwas von der Strasse und setze mich gemütlich auf die Plaza und beobachte die Szenerie.


Die Rückfahrt folgt dann der selben Strecke wie die Hinfahrt gestern, so dass etwas Zeit zum Faulenzen und schreiben bleibt. Früher als angekündigt sind wir zurück in Arequipa, so dass ich noch einmal gemütlich diese schöne Stadt weitererkunden und etwas Leckeres zum Znacht suchen kann. Dieses finde ich dann auf einem der Balkone an der Plaza und geniesse das Essen und die Stimmung :-)